Neuer Datenpool: RKI analysiert Krankheitslast in Deutschland

Benedikt Hübenthal
RKI veröffentlicht neue Daten zur Krankheitslast in Deutschland

Wie stark belasten unterschiedliche Erkrankungen das Leben der Menschen in Deutschland, und wie viele gesunde Lebensjahre gehen dadurch verloren? Um diese Fragen detailliert zu beantworten, hat das Robert Koch-Institut (RKI) ein interaktives Recherchetool zur Krankheitslast in der Bevölkerung freigeschaltet. Die umfassende Datensammlung ermöglicht erstmals differenzierte Einblicke nach Altersgruppen, Geschlecht sowie auf regionaler Ebene für einzelne Bundesländer und Regionen.

Präzise Messgrößen für die Bevölkerungsgesundheit

Die Berechnungen des Instituts basieren auf der international etablierten Methodik der Krankheitslastforschung (Global Burden of Disease), die an die spezifische Datenlage in Deutschland angepasst wurde. Im Zentrum stehen standardisierte Kennzahlen, die über reine Fallzahlen hinausgehen:

  • Verlorene Lebensjahre durch vorzeitigen Tod (YLL): Diese Kennzahl beschreibt die Differenz zwischen dem tatsächlichen Sterbealter und der statistischen Restlebenserwartung.
  • Eingeschränkte Lebensjahre durch Erkrankung (YLD): Hier wird die Zeit erfasst, die Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen leben – gewichtet nach der Schwere der jeweiligen Krankheit.
  • Gesamte Krankheitslast (DALY): Die Summe beider Werte ergibt die sogenannten Disability-Adjusted Life Years, also die insgesamt verlorenen gesunden Lebensjahre.

Bedeutung für Versorgung und Pflegepraxis

Laut RKI-Präsident Lars Schaade bilden derartige Kennzahlen das Fundament für zukunftsorientierte gesundheitspolitische Entscheidungen. Insbesondere angesichts der Alterung der Gesellschaft liefert die Datenbank wichtige Erkenntnisse darüber, wo chronische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Leiden oder Krebserkrankungen die stärksten Belastungen verursachen.

Für die Versorgungs- und Pflegeplanung eröffnen die regional aufgeschlüsselten Ergebnisse neue Möglichkeiten. Träger von Pflegeeinrichtungen, Kommunen und Gesundheitspolitiker können gezielter erkennen, welche präventiven Maßnahmen, ambulanten Angebote oder spezialisierten Pflegekapazitäten in einzelnen Landkreisen und Regionen vordringlich benötigt werden.

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