OP-Qualität neu bewerten: Chirurgen fordern Offenlegung von Komplikations-Todesfällen
Nach schweren chirurgischen Eingriffen hängt das Überleben von Patientinnen und Patienten nicht nur vom Geschick im Operationssaal ab, sondern vor allem davon, wie gut die Klinik mit anschließenden Komplikationen umgeht. Aus diesem Grund fordert die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), dass Krankenhäuser verpflichtet werden, die sogenannte Failure-to-Rescue-Rate (FTR) in ihren jährlichen Qualitätsberichten transparent auszuweisen.
Was die Failure-to-Rescue-Rate aussagt
Der Begriff Failure-to-Rescue lässt sich mit „Rettungsversagen“ übersetzen. Er beziffert den Anteil der Patientinnen und Patienten, die nach dem Auftreten schwerer postoperativer Komplikationen versterben. Bei komplexen Operationen – etwa an Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre, Leber oder der Hauptschlagader – lassen sich Risiken wie Nachblutungen, undichte Nähte oder eine Sepsis selbst bei größter chirurgischer Präzision niemals vollständig ausschließen.
Der entscheidende Unterschied für den Behandlungserfolg liegt daher darin, ob das Behandlungsteam eine solche Krise frühzeitig erkennt, adäquat reagiert und die Betroffenen rechtzeitig stabilisieren kann. Eine niedrige FTR-Quote gilt in der Fachwelt als verlässlicher Indikator für ein funktionierendes Notfallmanagement und eine exzellente Zusammenarbeit im gesamten Krankenhaus.
Gradmesser für Personal und Infrastruktur
Komplikationen nach Operationen erfolgreich zu beherrschen, ist eine Gemeinschaftsleistung des gesamten Behandlungsteams. Scheitert die Rettung, liegt dies häufig an einem Zusammenspiel aus mehreren Faktoren:
- Verzögerte Diagnostik: Erste Anzeichen einer Verschlechterung werden im Stationsalltag zu spät bemerkt.
- Personelle Engpässe: Mangelnde Besetzung im Pflegedienst und ärztlichen Bereich erschwert eine engmaschige Überwachung.
- Fehlende Notfallstrukturen: Nicht jedes Haus verfügt rund um die Uhr über voll ausgestattete Intensivstationen, interventionelle Radiologie oder sofort einsatzbereite Re-OP-Teams.
Aus Sicht der chirurgischen Fachgesellschaft spiegelt die FTR-Rate daher die tatsächliche Leistungsfähigkeit des gesamten Krankenhaussystems wider und bietet eine faire Bewertungsgrundlage, die weit über reine Fallzahlen hinausgeht.
Mehr Orientierung für Patientinnen und Patienten
Bislang bleibt es für Betroffene und deren Angehörige schwer nachzuvollziehen, wie sicher die Nachsorge in einer bestimmten Klinik aufgestellt ist. Die verpflichtende Veröffentlichung der Komplikationssterblichkeit würde für mehr Transparenz sorgen und Patientinnen sowie Patienten die Wahl einer geeigneten Klinik erleichtern.
Gleichzeitig könnte die Kennzahl den Strukturwandel in der Krankenhauslandschaft beschleunigen, indem hochkomplexe Operationen verstärkt in spezialisierten Zentren mit entsprechend erfahrener Besetzung und moderner technischer Ausstattung konzentriert werden.
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