Krebs bei Jüngeren: Wie das biologische Alter das Risiko antreibt

Dominik Hübenthal
Warum Krebserkrankungen bei Jüngeren zunehmen: Das biologische Alter

Immer mehr junge Erwachsene erkranken an Krebs. Eine alarmierende Entwicklung, die Mediziner weltweit vor Rätsel stellt. Eine aktuelle Studie liefert nun eine mögliche und zugleich beunruhigende Erklärung: Jüngere Generationen altern auf zellulärer Ebene deutlich schneller als frühere Generationen. Dieses beschleunigte biologische Altern treibt das Krebsrisiko massiv in die Höhe.

Chronologisches vs. biologisches Alter

Das chronologische Alter gibt lediglich an, wie viele Jahre ein Mensch bereits auf der Welt ist. Das biologische Alter hingegen spiegelt den tatsächlichen Verschleiß des Körpers wider. Laut einer umfassenden Untersuchung, die kürzlich im renommierten Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht wurde, klafft bei vielen jüngeren Menschen die Schere zwischen diesen beiden Werten immer weiter auseinander.

Ein amerikanisches Forschungsteam der Washington University School of Medicine analysierte die Gesundheitsdaten von über 160.000 Teilnehmern. Das Ergebnis: Menschen, die in den 1990er Jahren geboren wurden, weisen ein signifikant höheres biologisches Alter auf als Personen, die in den 1960er Jahren geboren wurden – verglichen zum exakt selben chronologischen Alter. Der Körper junger Menschen zeigt demnach heute deutlich mehr zelluläre Abnutzungserscheinungen.

Erhöhtes Risiko für frühe Tumore

Dieser vorzeitige Alterungsprozess bleibt nicht ohne Folgen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass ein höheres biologisches Alter direkt mit einem gesteigerten Risiko für sogenannte "Early-Onset"-Krebserkrankungen zusammenhängt. Dabei handelt es sich um Tumore, die vor dem 55. Lebensjahr diagnostiziert werden.

Besonders auffällig war der Zusammenhang bei bestimmten Krebsarten:

  • Darmkrebs: Ein beschleunigt alterndes Fettgewebe wird stark mit frühen Tumoren im Verdauungstrakt in Verbindung gebracht.
  • Lungenkrebs: Ein vorzeitig gealtertes Immunsystem erhöht die Anfälligkeit für Karzinome in der Lunge.
  • Gebärmutterkrebs: Auch hier zeigten die Daten einen klaren Zusammenhang mit dem biologischen Alter.

Ursachensuche: Warum altern junge Menschen schneller?

Warum genau die jüngeren Generationen auf zellulärer Ebene schneller altern, wird derzeit noch intensiv erforscht. Experten vermuten, dass das biologische Alter als eine Art Sammelbecken für verschiedene kumulierte Risikofaktoren fungiert. Dazu gehören unter anderem:

  • Veränderte Ernährungsgewohnheiten und der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel
  • Zunehmender Bewegungsmangel im Alltag
  • Chronischer Stress und anhaltende psychische Belastungen
  • Umwelteinflüsse und Umweltgifte

Neue Ansätze für die Krebsvorsorge

Die Erkenntnisse der Studie könnten die Krebsvorsorge in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Bislang orientieren sich Screening-Programme, wie beispielsweise die Darmkrebsvorsorge, fast ausschließlich am chronologischen Alter. Künftig könnte die Bestimmung des biologischen Alters dabei helfen, Risikopatienten viel früher zu identifizieren.

Wer ein beschleunigtes biologisches Alter aufweist, könnte so bereits in jüngeren Jahren von gezielten Vorsorgeuntersuchungen profitieren. Bis solche molekularen Tests jedoch zur Standardversorgung gehören, raten Mediziner dazu, aktiv gegenzusteuern: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung und Stressmanagement bleibt die wichtigste Maßnahme, um den zellulären Alterungsprozess zu verlangsamen und das eigene Krebsrisiko nachhaltig zu senken.

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