Krebs und Armut: Deutsche Krebshilfe fördert Ursachenforschung mit 3,1 Millionen Euro

Benedikt Hübenthal
Armutsrisiko Krebs: Deutsche Krebshilfe startet Millionen-Forschung

Eine Krebsdiagnose reißt Betroffene und Angehörige von einem Tag auf den anderen aus der Bahn. Neben den körperlichen und seelischen Belastungen bricht oft eine weitere, schwere Krise an: die finanzielle Notlage. Weil Krebserkrankte oft monatelang arbeitsunfähig sind, sinkt das Einkommen drastisch, während Ausgaben für Zuzahlungen, Fahrten zur Klinik und Pflegeleistungen steigen. Um die Wechselwirkungen zwischen sozialem Status und onkologischer Versorgung genauer aufzudecken, startet die Deutsche Krebshilfe ein umfangreiches Förderschwerpunktprogramm mit einem Budget von 3,1 Millionen Euro.

Wissenschaft soll Versorgungslücken und Benachteiligung aufdecken

Über einen Zeitraum von drei Jahren fördert die Stiftung sechs Forschungsvorhaben an deutschen Universitäten und Instituten. Die Projekte sollen systematisch erforschen, wie sozioökonomische Faktoren wie Bildungsstand, Beruf und Einkommen den Verlauf einer Krebserkrankung beeinflussen. Gleichzeitig wird untersucht, wie Krebserkrankungen Armut verschärfen und wie Unterstützungsangebote zielgenauer aufgestellt werden können.

Laut der Deutschen Krebshilfe darf die soziale und finanzielle Lage niemals darüber entscheiden, wie gut ein Patient versorgt wird und welche Überlebenschancen er hat. Dennoch fehlen im deutschen Gesundheitssystem bisher fundierte wissenschaftliche Daten darüber, an welchen Stellen Betroffene mit geringem Einkommen benachteiligt sind oder Versorgungsangebote nicht in Anspruch nehmen können.

Die doppelte Belastung: Wenn Krankheit das Ersparte aufzehrt

Die finanzielle Toxizität einer schweren Erkrankung ist für viele Haushalte eine reale Gefahr. Insbesondere Menschen, die bereits vor der Diagnose in prekären Verhältnissen lebten, geraten durch eine Krebserkrankung oft an den Rand des Existenzminimums:

  • Einkommenseinbußen: Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung greift das Krankengeld, was das Haushaltsbudget empfindlich schmälert. Dauert die Therapie länger, drohen Erwerbsminderung oder Jobverlust.
  • Zusätzliche Kosten: Rezeptgebühren, Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte und Heilmittel sowie Fahrtkosten zur ambulanten Bestrahlung oder Chemotherapie summieren sich monatlich schnell.
  • Belastung für pflegende Angehörige: Oft müssen Partner ihre Arbeitszeit reduzieren, um Pflege und Betreuung im Alltag abzusichern, wodurch ein zweites Einkommen wegbricht.

Grundlage für Reformen im Sozial- und Pflegesystem

Mit den Erkenntnissen der sechs geförderten Studien sollen praxisnahe Lösungen entwickelt werden. Ziel ist es, Beratungsangebote in Kliniken, Praxen und Pflegeberatungsstellen bedarfsgerechter zu gestalten und bestehende Hilfen wie Härtefonds einfacher zugänglich zu machen. Die Deutsche Krebshilfe setzt darauf, dass die Ergebnisse konkrete politische und versorgungsrechtliche Verbesserungen anstoßen, damit Betroffene sich voll und ganz auf ihre Genesung konzentrieren können.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.