Kürzere Wege zum Arzt: Praxen sind schneller erreichbar als Apotheken

Djamal Sadaghiani
Hausarzt vs. Apotheke: Kürzere Wege zur Praxis in Deutschland

Wenn der Schuh drückt oder der Hals kratzt, ist schnelle Hilfe gefragt. Viele Menschen gehen davon aus, dass die nächste Apotheke gleich um die Ecke liegt und oft der schnellste Anlaufpunkt für gesundheitliche Fragen ist. Doch eine aktuelle Auswertung zeichnet ein überraschendes Bild: Die wohnortnahe Versorgung durch Hausärztinnen und Hausärzte ist in Deutschland deutlich engmaschiger geknüpft als das Netz der Apotheken.

Deutlich kürzere Wege zur Arztpraxis

Laut einer neuen Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ist die mittlere Entfernung zur nächsten Hausarztpraxis spürbar geringer als zur nächsten Apotheke. Während Bürgerinnen und Bürger im bundesweiten Durchschnitt etwa 1,6 Kilometer bis zur nächsten Apotheke zurücklegen müssen, ist der Hausarzt im Schnitt bereits nach rund 1,1 Kilometern erreicht.

Dieser Unterschied spiegelt sich auch in den absoluten Zahlen wider:

  • Aktuell nehmen 55.882 Hausärztinnen und Hausärzte an der vertragsärztlichen Versorgung teil.
  • Demgegenüber stehen lediglich 17.041 Apotheken im gesamten Bundesgebiet.

Damit gibt es hierzulande mehr als dreimal so viele Anlaufstellen für die hausärztliche Versorgung wie für die Medikamentenabgabe.

Kritik an der Verlagerung von medizinischen Leistungen

Für das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung sind diese Zahlen ein klares Signal an die Gesundheitspolitik. Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zi, betont, dass die Hausärzteschaft die wohnortnahe medizinische Versorgung überaus effizient abdecke. Vermeintliche Lücken in der ländlichen oder städtischen Gesundheitsversorgung seien demnach kein stichhaltiges Argument dafür, originär ärztliche Leistungen wie Impfungen oder präventive Gesundheitschecks in die Apotheken zu verlagern.

Der Arzt als unverzichtbarer Lotse

Die ärztliche Diagnose und Behandlungsführung lassen sich laut dem Zi nicht durch andere Strukturen ersetzen. Hausärzte fungieren als unverzichtbare Diagnostiker und Koordinatoren in einem immer komplexer werdenden Gesundheitssystem. Sie behalten komplizierte Krankheitsverläufe im Blick und müssen oft in Sekundenschnelle entscheiden, ob ein Symptom harmlos ist oder ob sofortiges medizinisches Handeln erforderlich wird. Eine derart kontinuierliche und verantwortungsvolle Begleitung der Patienten könne nur von ausgebildeten Medizinern geleistet werden.

Bedeutung für Pflegebedürftige und Angehörige

Besonders für ältere, mobilitätseingeschränkte Menschen und pflegende Angehörige ist die Erreichbarkeit von medizinischen Einrichtungen ein zentrales Thema. Die Tatsache, dass Hausärzte im Schnitt schneller zu erreichen sind, ist eine gute Nachricht für die häusliche Pflege. Kurze Wege erleichtern regelmäßige Kontrollbesuche, die Abstimmung von Therapien und die schnelle Hilfe bei akuten Beschwerden. Um dieses dichte Versorgungsnetz auch in Zukunft aufrechtzuerhalten, fordert die Ärzteschaft jedoch bessere Rahmenbedingungen und weniger bürokratische Hürden im Praxisalltag, damit die flächendeckende Versorgung gesichert bleibt.

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