Lohn-Boom in der Altenpflege: Gehälter steigen, doch die Kosten explodieren

Djamal Sadaghiani
Tariftreue in der Pflege 2026: Löhne steigen, Eigenanteile explodieren

Die Einführung der Tariftreue-Regelungen in der Langzeitpflege hat ihr zentrales Ziel erreicht: Pflegekräfte verdienen spürbar mehr Geld. Das belegt der nun veröffentlichte Abschlussbericht des Bundesgesundheitsministeriums zur gesetzlichen Evaluation. Doch der finanzielle Aufschwung für das Personal hat auch eine Kehrseite, die inzwischen für hitzige politische Debatten sorgt.

Gehälter in der Altenpflege schließen zur Krankenhauspflege auf

Seit September 2022 dürfen Pflegeeinrichtungen nur noch mit den Pflegekassen abrechnen, wenn sie ihre Mitarbeiter nach Tarif oder zumindest auf dem regional üblichen Entlohnungsniveau bezahlen. Die wissenschaftliche Auswertung zeigt nun eindrucksvoll, dass diese Maßnahme greift. Laut dem Bundesgesundheitsministerium sind die Löhne in der Langzeitpflege deutlich gestiegen – und zwar spürbar stärker als der branchenspezifische Pflegemindestlohn und die Reallöhne anderer Ausbildungsberufe.

  • Pflegehilfskräfte: Verzeichneten zwischen 2021 und 2025 ein Lohnplus von durchschnittlich 22,9 Prozent.
  • Assistenzkräfte: Hier stiegen die Gehälter um 20,8 Prozent.
  • Pflegefachkräfte: Konnten sich über einen Anstieg von 19,6 Prozent freuen.

Damit hat sich das Einkommen in der Altenpflege weitestgehend an das lukrativere Niveau der Krankenhauspflege angenähert. Besonders in den unteren Lohngruppen liegen die Gehälter nun deutlich über der gesetzlichen Mindestgrenze. Der Pflegeberuf hat somit finanziell erheblich an Attraktivität gewonnen, was als wichtiger Meilenstein im Kampf gegen den eklatanten Fachkräftemangel gewertet wird.

Steigende Kosten belasten Pflegebedürftige

Trotz der positiven Nachrichten für die Beschäftigten schlägt der Bericht auch alarmierende Töne an. Die höheren Personalkosten wurden unweigerlich an die Pflegebedürftigen und die Sozialhilfeträger weitergereicht. In der Folge sind die Eigenanteile für Heimbewohner drastisch in die Höhe geschnellt. Für viele Familien wird die stationäre Unterbringung zunehmend zu einer kaum noch stemmbaren finanziellen Belastung.

Zudem klagen Pflegeeinrichtungen und Kassen über einen enormen bürokratischen Aufwand, der mit der Umsetzung und Kontrolle der Tariftreue-Regelungen einhergeht. Die strikte Refinanzierung der gestiegenen Löhne stellt viele Betreiber vor administrative und teils existenzielle Herausforderungen.

Droht das Aus für die Tariftreue-Regelung?

Aufgrund der explodierenden Pflegekosten plant die Bundesregierung nun offenbar eine Kehrtwende. Im Rahmen des neuen Pflegeneuordnungsgesetzes wird erwogen, die Tariftreue-Vorgaben vorübergehend von 2027 bis 2030 auszusetzen. Man wolle beobachten, ob sich die Löhne auch ohne gesetzlichen Zwang weiterhin angemessen nach oben entwickeln.

Dieser Vorstoß stößt jedoch auf massiven Widerstand. Führende Wissenschaftler, die an der Evaluation beteiligt waren, warnen davor, diesen erfolgreichen Weg zu verlassen. Auch vonseiten der Krankenkassen gibt es scharfen Gegenwind: Die AOK kritisierte den Plan deutlich und betonte, dass ein Aussetzen der Tariftreue ein fatales Signal an die Pflegekräfte senden und die dringend notwendige Wertschätzung untergraben würde. Gute Löhne seien unabdingbar, um dem Pflegenotstand langfristig und nachhaltig zu begegnen.

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