Mehr Teamarbeit: Jede dritte Hausarztpraxis setzt auf Praxisassistenzen

Djamal Sadaghiani
Hausarztpraxen setzen auf Entlastung: WIdO-Analyse zu NäPA und VERAH

In Deutschlands Hausarztpraxen gewinnt die interprofessionelle Zusammenarbeit rasant an Bedeutung. Wie eine aktuelle Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, bindet mittlerweile mehr als ein Drittel aller hausärztlichen Praxen speziell qualifizierte Gesundheitsfachkräfte aktiv in die Patientenversorgung ein. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich dieser Anteil beinahe verdoppelt.

Entlastung durch qualifizierte Fachkräfte

Im Zentrum der Entwicklung stehen zwei bewährte Weiterbildungsmodelle für nicht-ärztliches Personal: die Nicht-ärztliche Praxisassistenz (NäPA) sowie die Versorgungsassistenz in der Hausarztpraxis (VERAH). Beide Profile ermöglichen es medizinischen Fachangestellten, anspruchsvolle Aufgaben eigenständig zu übernehmen und Ärztinnen und Ärzte spürbar zu entlasten.

Zu den typischen Aufgabenfeldern dieser Fachkräfte gehören:

  • Regelmäßige Hausbesuche und Visiten in Pflegeheimen
  • Die fortlaufende Betreuung und Begleitung chronisch kranker Menschen
  • Fachgerechte Wundversorgung und Verbandswechsel
  • Kontrollen von Vitalwerten und Medikationsplänen im häuslichen Umfeld

Mehr Hausbesuche für Pflegebedürftige

Die Zahlen des WIdO belegen, wie stark insbesondere immobile und pflegebedürftige Patientinnen und Patienten von diesem Teamansatz profitieren. In Praxen mit qualifizierten Assistenzen führten 84 Prozent der Einrichtungen Hausbesuche durch nicht-ärztliches Personal durch. In Praxen ohne solche Fachkräfte lag dieser Wert lediglich bei 36 Prozent. Damit schließt die interprofessionelle Versorgung eine wachsende Lücke in der ambulanten Betreuung.

Starke regionale Unterschiede

Die Analyse offenbart deutliche regionale Unterschiede bei der Verbreitung der Teams. Vor allem in ländlichen Regionen, in denen der Mangel an Hausärzten besonders spürbar ist, sind NäPA und VERAH überdurchschnittlich oft im Einsatz. Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich ist Sachsen-Anhalt, wo knapp 60 Prozent der Praxen auf qualifiziertes Assistenzpersonal setzen. In einzelnen Landkreisen liegt die Quote sogar bei über 70 Prozent.

Rückenwind für anstehende Gesundheitsreformen

Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für die gesundheitspolitische Diskussion rund um eine teambasierte Primärversorgung. Laut dem AOK-Bundesverband zeigt die Bestandsaufnahme, dass die ambulante Versorgung in vielen Teilen des Landes bereits praxistaugliche Strukturen geschaffen hat, auf denen künftige Gesetzesvorhaben zur Entlastung des Gesundheitssystems aufbauen können.

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