Mehrtägiger Warnstreik legt Unikliniken in Baden-Württemberg lahm: OPs fallen aus

Djamal Sadaghiani
Verdi-Streik an Unikliniken BW: OPs fallen in Freiburg, Ulm & Co. aus

Patienten in Baden-Württemberg müssen sich in der kommenden Woche auf massive Einschränkungen in der medizinischen Versorgung einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten an vier großen Universitätskliniken zu einem mehrtägigen Warnstreik aufgerufen. Hintergrund ist der festgefahrene Tarifkonflikt, der kurz vor der entscheidenden dritten Verhandlungsrunde weiter eskaliert.

Wo und wie lange wird gestreikt?

Der Arbeitskampf betrifft die Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Ulm und Tübingen. Allerdings variiert die Dauer der Streikmaßnahmen je nach Standort erheblich:

  • Freiburg und Ulm: Hier wird der Klinikbetrieb von Montag bis einschließlich Mittwoch komplett bestreikt.
  • Heidelberg und Tübingen: An diesen Standorten legen die Beschäftigten am Montag und Dienstag vollständig die Arbeit nieder. Für den Mittwoch ist ein teilweiser Ausstand geplant.

Welche Auswirkungen hat der Streik auf Patienten?

Für Patienten bedeuten die kommenden Tage weitreichende Einschränkungen im Klinikalltag. Zahlreiche Operationssäle werden voraussichtlich geschlossen bleiben, und auch bei der Bettenbelegung ist mit spürbaren Reduzierungen zu rechnen. Geplante, nicht akut lebensnotwendige Eingriffe müssen verschoben werden.

Trotz des massiven Ausstands gibt es für Akutfälle jedoch Entwarnung: Laut der Gewerkschaft Verdi ist die Notfallversorgung über entsprechende Notdienstvereinbarungen an allen vier Standorten vollumfänglich gewährleistet. Lebenswichtige Behandlungen finden demnach ohne Unterbrechung statt.

Verhärtete Fronten im Tarifstreit

Der Streikaufruf ist eine direkte Reaktion auf die bisherigen Verhandlungsrunden, in denen sich die Gewerkschaft und der Arbeitgeberverband der Universitätsklinika Baden-Württemberg (AGU) nicht annähern konnten. Für rund 26.000 Beschäftigte fordert Verdi eine deutliche finanzielle Aufwertung:

  • Eine Gehaltssteigerung von 7,5 Prozent, mindestens jedoch 320 Euro mehr pro Monat.
  • Für Auszubildende und Praktikanten ein Plus von 250 Euro monatlich sowie einen Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets.

Kritik am Angebot der Arbeitgeber

In der zweiten Verhandlungsrunde hatten die Arbeitgeber ein Angebot vorgelegt, das eine Einmalzahlung von 400 Euro sowie eine Gehaltssteigerung von 4,75 Prozent in drei Schritten vorsieht – gestreckt auf eine Laufzeit von 32 Monaten. Die Arbeitgeberseite verweist zur Begründung ihres Kurses auf die angespannte Finanzlage der Kliniken und die zu erwartenden Belastungen durch die geplante Krankenhausreform der Bundesregierung.

Gewerkschaftsvertreter weisen dieses Angebot jedoch scharf zurück. Verdi warnt vor Reallohnverlusten über fast drei Jahre und kritisiert weitere geplante Einschnitte. So stehe eine mögliche 45-Stunden-Woche im Raum, und die Jahressonderzahlung solle künftig an Krankheitstage gekoppelt werden. Zudem werfen Arbeitnehmervertreter den Kliniken vor, den seit Jahrzehnten bestehenden Schutz bei drohendem Personalabbau aufweichen zu wollen.

Entscheidung am Mittwoch?

Am Mittwochvormittag wird der Arbeitskampf seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen, wenn Delegationen der Streikenden zum Verhandlungslokal nach Stuttgart reisen. Dort findet die dritte und vorerst letzte Verhandlungsrunde statt. Es bleibt abzuwarten, ob der erhöhte Druck aus den Kliniken zu einem Durchbruch am Verhandlungstisch führen wird oder ob sich Patienten in Baden-Württemberg auf einen noch längeren Arbeitskampf einstellen müssen.

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