Mikroplastik in der Lunge: Forscher finden erhöhte Belastung bei Lungenkrebs

Benedikt Hübenthal
Mikroplastik & Lungenkrebs: Studie zeigt erhöhte Belastung in Lungengewebe

Winzige Kunststoffpartikel sind mittlerweile allgegenwärtig in der Umwelt – vom Trinkwasser bis hin zu schwebenden Fasern in der Atemluft. Eine auf dem Jahreskongress der European Respiratory Society vorgestellte Untersuchung liefert nun neue Einblicke: Bei Patientinnen und Patienten mit Lungenkrebs ließen sich mikroskopisch kleine Plastikteilchen deutlich häufiger und in höheren Konzentrationen im Lungengewebe nachweisen als bei Personen ohne bösartigen Befund.

Deutliche Unterschiede in Gewebe- und Spülproben

Im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchung wurden 100 Personen analysiert, die sich aufgrund von Atembeschwerden einer Bronchoskopie unterziehen mussten. Bei 50 dieser Patientinnen und Patienten wurde im weiteren Verlauf ein Bronchialkarzinom festgestellt, während die Kontrollgruppe keine Krebserkrankung aufwies. Die Forschenden analysierten sowohl Proben aus Lungenspülungen als auch Biopsien des Atemwegsgewebes auf Rückstände synthetischer Kunststoffe.

Das Ergebnis: Während bei 46 Prozent der krebsfreien Vergleichsgruppe Mikroplastikpartikel in der Lungenspülung nachweisbar waren, lag der Anteil bei den Krebspatienten bei 66 Prozent. Auch die Gesamtmenge an entdeckten Partikeln fiel in der Gruppe der Erkrankten signifikant höher aus.

Ursache oder Folge? Der Zusammenhang ist noch ungeklärt

Trotz der deutlichen Befunde mahnen Fachleute zur Vorsicht bei vorschnellen Schlussfolgerungen. Eine reine Beobachtungsstudie belegt noch keinen direkten ursächlichen Zusammenhang. Für die erhöhte Partikeldichte kommen derzeit zwei zentrale Thesen infrage:

  • Entzündungsprozesse: Eingeatmete Plastikpartikel verbleiben über lange Zeit im Atemtrakt und können chronische Entzündungen oder zellulären Stress auslösen, was die Entstehung bösartiger Zellveränderungen begünstigen könnte.
  • Verändertes Selbstreinigungssystem: Durch die Tumorerkrankung oder vorbestehende Schädigungen des Lungengewebes könnte die natürliche Selbstreinigungsfunktion der Atemwege gestört sein, sodass eingeatmete Partikel schlechter abtransportiert werden.

Bedeutung für die Vorsorge und den Pflegealltag

Die Erkenntnisse rücken die Qualität der Atemluft weiter in den Fokus der Gesundheitsvorsorge. Vor allem in Innenräumen stammen viele Schwebepartikel aus synthetischen Textilien, Teppichböden oder Einrichtungsgegenständen. Für pflegende Angehörige sowie Pflegekräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen unterstreicht dies die Wichtigkeit eines gesunden Raumklimas.

Regelmäßiges Stoßlüften, der Einsatz von staubbindenden Reinigungsverfahren und die Vermeidung von unnötigem Plastikabrieb im direkten Wohnumfeld immungeschwächter oder lungenkranker Menschen sind einfache, aber sinnvolle Schritte im Alltag. Die Forschung plant nun weitere Laborstudien, um die genauen Wechselwirkungen zwischen Kunststoffpartikeln und menschlichen Lungenzellen detailliert zu entschlüsseln.

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