Mutterschutz für selbstständige Ärztinnen: Rufe nach gesetzlicher Absicherung werden lauter

Dominik Hübenthal
Besserer Mutterschutz für niedergelassene Ärztinnen gefordert

Wer sich als Ärztin mit einer eigenen Praxis niederlässt, übernimmt viel Verantwortung – nicht nur für Patientinnen und Patienten, sondern auch für das Praxispersonal und den gesamten wirtschaftlichen Betrieb. Doch wenn eine Schwangerschaft ins Haus steht, zeigt sich eine gravierende Lücke im deutschen Sozial- und Arbeitsrecht: Niedergelassene Medizinerinnen fallen bislang nicht unter das reguläre Mutterschutzgesetz, das ausschließlich für Angestellte greift.

Fehlende Absicherung bremst Niederlassungen aus

Die aktuelle Situation stellt für viele Ärztinnen eine erhebliche Belastung dar. Während angestellte Medizinerinnen durch klare gesetzliche Schutzfristen und Lohnfortzahlungen geschützt sind, müssen Selbstständige die finanziellen Ausfälle und Praxisweiterbetriebskosten während der Babypause weitgehend eigenständig stemmen. Dies führt dazu, dass viele Frauen den Schritt in die eigene Niederlassung scheuen oder Schwangerschaften unter enormem finanziellem sowie organisatorischem Druck erleben.

Die zentralen Hürden im Überblick

  • Laufende Fixkosten: Praxismiete, Gehälter für Angestellte und Leasingverträge für Geräte laufen auch während der Auszeit unvermindert weiter.
  • Schwierige Vertretungssuche: Eine qualifizierte Praxisvertretung für wenige Monate zu finden, gestaltet sich vor dem Hintergrund des allgemeinen Fachkräftemangels zunehmend schwierig.
  • Geringe finanzielle Puffer: Private Krankentagegeld-Versicherungen oder freiwillige Absicherungen greifen oft nur unzureichend oder sind mit hohen Hürden verbunden.

Forderung nach klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen

Im Rahmen des Hausärztinnen- und Hausärztetags machten Branchenvertreterinnen deutlich, dass die Politik dringend nachbessern muss. Eine verlässliche Absicherung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung sei kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für die Zukunftsfähigkeit der ambulanten Versorgung. Angesichts des drohenden Hausärztemangels und des wachsenden Anteils von Frauen im Medizinstudium sei es fatal, wenn strukturelle Nachteile junge Ärztinnen von der Selbstständigkeit abhalten.

Gefordert werden unter anderem unbürokratische Vertretungsregelungen, faire finanzielle Ausgleichsmechanismen für die Praxisbetriebskosten sowie eine generelle Anpassung der Mutterschutzregelungen an moderne Arbeits- und Lebensmodelle im Gesundheitswesen.

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