Nach Reform: Apotheker fordern zentrale Rolle in der Patientenversorgung
Die flächendeckende Arzneimittelversorgung in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Angesichts tiefgreifender gesundheitspolitischer Umbrüche meldet sich nun die Apothekerschaft mit einer unmissverständlichen Forderung zu Wort: Sie verlangt eine zentrale und gestaltende Rolle bei künftigen Entscheidungsprozessen im Gesundheitswesen. Dies ist die Kernbotschaft der jüngsten berufspolitischen Diskussion auf dem renommierten Fortbildungskongress "pharmacon", der aktuell in Meran stattfindet.
"Integration statt Abgrenzung": Die Apotheke als Schnittstelle
Laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) dürfen Apotheken bei der Neugestaltung von Versorgungsstrukturen nicht länger an den Rand gedrängt werden. Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), brachte es auf den Punkt: "Nur mit den Apotheken ist die Versorgungskette vollständig." Die Zukunft der Apotheken liege in der Integration in das Gesamtsystem, nicht in der Abgrenzung zu anderen Berufsgruppen.
Gerade in der Primärversorgung nehmen Apotheken eine essenzielle Schnittstellenfunktion ein. Hier laufen täglich entscheidende Informationen von behandelnden Ärzten, Pflegediensten und den Patientinnen und Patienten selbst zusammen. Diese gebündelte Kompetenz müsse künftig viel stärker in patientenrelevante Entscheidungen einfließen, so die Forderung der Kammer.
Neue Aufgaben durch das Apotheken-Weiterentwicklungsgesetz
Hintergrund der aktuellen Debatte ist unter anderem das kürzlich vom Bundestag verabschiedete Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG). Dieses Gesetz weist den Apotheken vor Ort neue Verantwortungsbereiche zu. Zu den erweiterten pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) gehören künftig unter anderem:
- Verstärkte Angebote in der Gesundheitsprävention
- Förderung der Adhärenz (Therapietreue) bei chronisch Kranken
- Begleitung und Überwachung komplexer Medikationspläne
- Ausweitung von Standardimpfungen direkt in der Apotheke
Um diese neuen Aufgaben im Sinne der Patienten bewältigen zu können, bedarf es jedoch klarer Rahmenbedingungen. Die Bundesapothekerkammer sieht akuten Handlungsbedarf bei der Definition von Verantwortlichkeiten in der Arzneimitteltherapiesicherheit sowie bei der Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegekräften und Apothekern.
Bürokratieabbau und wirtschaftliche Stabilität
Neben der inhaltlichen Ausweitung ihrer Kompetenzen fordern die Apotheker auch pragmatische Lösungen im Alltag. Insbesondere bei anhaltenden Lieferengpässen von Medikamenten wird mehr "pharmazeutische Beinfreiheit" benötigt, um Patienten schnell und unbürokratisch mit wirkstoffgleichen Alternativen versorgen zu können.
Zudem gab es auf dem Kongress auch positive Signale zur wirtschaftlichen Stärkung der Vor-Ort-Apotheken: Die angekündigte stufenweise Erhöhung des sogenannten Fixums (des festen Apothekenhonorars pro rezeptpflichtigem Medikament) auf bis zu 9,50 Euro wird als wichtiger Schritt gewertet, um die flächendeckende Versorgung langfristig zu sichern. Letztlich, so der Tenor der Veranstaltung, nütze eine gestärkte Pharmazie vor allem einem: den Patientinnen und Patienten in Deutschland, die sich auf eine sichere und wohnortnahe Versorgung verlassen müssen.
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