Nach Unfällen: Chirurgen fordern direkten Zugang zum Facharzt

Djamal Sadaghiani
Facharzt-Zugang nach Unfällen: Chirurgen gegen Hausarzt-Pflicht

Wer nach einem Sturz oder Sportunfall schnelle medizinische Hilfe benötigt, sollte nach Ansicht führender Mediziner nicht erst den Umweg über eine Hausarztpraxis nehmen müssen. Im Rahmen der geplanten Reformen des Primärversorgungssystems wird in der Gesundheitspolitik derzeit intensiv über eine verpflichtende Erstvorstellung beim Hausarzt diskutiert, um Patientenströme besser zu steuern. Doch genau bei dieser sogenannten Hausarztzentrierung schlagen Fachverbände nun Alarm.

Chirurgen warnen vor fatalem Zeitverlust

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) fordert gemeinsam mit weiteren medizinischen Verbänden eine klare Ausnahmeregelung für Unfallverletzte. Die Argumentation der Mediziner ist einleuchtend: Bei akuten Verletzungen wie Knochenbrüchen, Bänderrissen oder schweren Prellungen ist in der Regel eine sofortige fachärztliche Diagnostik erforderlich. Hausarztpraxen verfügen jedoch oft nicht über die notwendige Ausstattung, wie beispielsweise Röntgengeräte, Ultraschall für den Bewegungsapparat oder spezielle Gipszimmer.

Ein verpflichtender Besuch beim Allgemeinmediziner würde in diesen Fällen lediglich zu unnötigen Verzögerungen, schmerzhaften Transportwegen und Doppeluntersuchungen führen. Für den Patienten bedeutet dies nicht nur längeres Leiden, sondern unter Umständen auch ein höheres Risiko für Komplikationen, wenn die adäquate Behandlung zu spät eingeleitet wird.

Bewährtes System der Unfallversicherung erhalten

Besonderes Augenmerk legen die Experten auf den Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung, der beispielsweise bei Arbeits-, Schul- oder Wegeunfällen greift. Hier hat sich das sogenannte Durchgangsarzt-Verfahren (D-Arzt) seit Jahrzehnten bewährt. D-Ärzte sind spezialisierte Fachärzte für Chirurgie oder Orthopädie, die über eine besondere unfallmedizinische Expertise und entsprechende Praxisausstattung verfügen.

Die Verbände drängen nachdrücklich darauf, dass diese hochspezialisierte und effiziente durchgangsärztliche Versorgung auch in einem reformierten Gesundheitssystem unangetastet bleibt. Sie garantiert, dass Betroffene ohne Zeitverzögerung genau die Hilfe erhalten, die sie benötigen.

Vorteile des direkten Facharzt-Zugangs im Überblick:

  • Schnellere Diagnose: Unmittelbarer Zugang zu Röntgen, MRT und fachärztlicher Expertise.
  • Entlastung der Hausärzte: Allgemeinmediziner, die oftmals ohnehin an der Belastungsgrenze arbeiten, werden von Akutfällen befreit, die sie fachlich ohnehin weiterüberweisen müssten.
  • Vermeidung von Doppelstrukturen: Finanzen und personelle Ressourcen im ohnehin angespannten Gesundheitssystem werden geschont.
  • Gezielte Therapie: Eine sofortige, fachgerechte Behandlung minimiert Spätfolgen von Unfällen.

Ein Appell an die Gesundheitspolitik

Die geplante Stärkung der Primärversorgung und die Aufwertung der Hausärzte als Lotsen im Gesundheitssystem ist grundsätzlich ein sinnvoller Schritt, um Überversorgungen und unnötige Facharztbesuche wegen Bagatellerkrankungen zu reduzieren. Dennoch zeigt die geschlossene Forderung der Chirurgen, dass Pauschallösungen nicht immer im Sinne der Patientensicherheit sind. Es bleibt nun abzuwarten, ob die politischen Entscheidungsträger diese dringend geforderte Ausnahme für Unfallverletzte in die kommenden Gesetzgebungsverfahren aufnehmen werden, um die hohe Qualität der Unfallversorgung in Deutschland zu sichern.

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