Neue S3-Leitlinie: Bessere Überlebenschancen bei Oberschenkelbrüchen im Alter
Ein schwerer Sturz und die Diagnose Oberschenkelbruch stellen für ältere Menschen oft einen dramatischen Einschnitt in ihr Leben dar. Die Sterblichkeitsrate ist alarmierend: Bis zu 29 Prozent der Patientinnen und Patienten versterben innerhalb eines Jahres nach einer pertrochantären Oberschenkelfraktur. Um diese düstere Statistik zu bekämpfen und die Autonomie der Betroffenen besser zu erhalten, wurde nun eine wegweisende neue S3-Leitlinie veröffentlicht.
Ein Meilenstein für die interdisziplinäre Versorgung
Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat gemeinsam mit zahlreichen Fachgesellschaften – darunter auch die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) – die neue S3-Leitlinie "EvidenT-HiP" vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein umfassendes Upgrade der seit 2019 abgelaufenen S2e-Leitlinie. Die Neufassung war dringend notwendig geworden, nicht zuletzt durch die seit 2021 geltenden Vorgaben der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Versorgung hüftgelenknaher Oberschenkelfrakturen.
Warum der Fokus auf Geriatrie und Pflege so wichtig ist
Pertrochantäre Frakturen machen etwa die Hälfte aller Hüftfrakturen aus. Angesichts einer alternden Gesellschaft wird die Zahl der hochbetagten Patienten mit derartigen Verletzungen in den kommenden Jahren weiter steigen. Laut der DGOU liegt der Fokus der neuen Leitlinie daher ganz bewusst auf der interdisziplinären und interprofessionellen Zusammenarbeit.
Die zentralen Neuerungen im Überblick:
- Orthogeriatrisches Co-Management: Alterstraumatologische Zentren rücken in den Mittelpunkt. Unfallchirurgen, Geriater und Pflegekräfte arbeiten Hand in Hand, um altersspezifische Begleiterkrankungen frühzeitig zu behandeln.
- Lückenlose Behandlungspfade: Die Leitlinie deckt den gesamten Prozess ab – von der präklinischen Versorgung am Unfallort über die Notaufnahme bis hin zur poststationären Rehabilitation.
- Patienten im Fokus: Besondere Beachtung finden die Vulnerabilität der älteren Patienten und die Einbindung von Vertrauenspersonen.
- Klare OP-Standards: Es gibt nun noch präzisere Vorgaben zur Implantatwahl und zum optimalen Operationszeitpunkt, insbesondere bei Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen.
Was bedeutet das für den Pflegealltag?
Für Pflegekräfte in Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen bringt die neue Leitlinie mehr Klarheit und unterstreicht die Wichtigkeit ihrer Rolle. Die pflegerische Expertise ist ein unverzichtbarer Baustein im umfassenden geriatrischen Assessment, bei dem die physischen, psychischen und sozialen Fähigkeiten der Senioren bewertet werden. Ziel ist es, den Patienten nach einem Bruch nicht nur chirurgisch optimal zu versorgen, sondern schnellstmöglich wieder zu mobilisieren und ihre Selbstständigkeit zu fördern.
Die konsequente Umsetzung dieser evidenzbasierten Empfehlungen in die klinische Praxis markiert einen entscheidenden Schritt, um die Überlebenschancen und die Lebensqualität von Senioren nach einem Oberschenkelbruch nachhaltig zu verbessern.
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