Neuer Daten-Standard: Wie das Zwei-Ebenen-Modell die Pflege revolutionieren soll
Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen gleicht oft noch einem Flickenteppich, insbesondere wenn es um die Pflege geht. Unterschiedliche IT-Systeme in Krankenhäusern, Pflegeheimen und bei ambulanten Diensten können häufig nicht miteinander kommunizieren. Das führt zu mehr Bürokratie, Informationsverlusten und letztlich zu weniger Zeit für die Patientinnen und Patienten. Ein neues Konzept soll dieses tiefgreifende Problem nun lösen.
Deutscher Pflegerat fordert einheitliche Datenstruktur
Laut dem Deutschen Pflegerat ist eine reibungslose Vernetzung von pflegerischen Daten unerlässlich für eine zukunftsfähige und sichere Gesundheitsversorgung. Kürzlich veröffentlichte die Interessenvertretung ein wegweisendes Expert*innenpapier, das die Einführung einer bundeseinheitlichen Terminologiearchitektur fordert. Im Zentrum dieses Papiers steht das sogenannte Zwei-Ebenen-Modell, das Pflegedaten künftig interoperabel – also systemübergreifend nutzbar – machen soll.
Wie funktioniert das Zwei-Ebenen-Modell?
Das vorgeschlagene Modell trennt die Art und Weise, wie digitale Pflegeinformationen erfasst und verarbeitet werden, in zwei grundlegende Bereiche auf. Dies soll eine maximale Flexibilität und Genauigkeit beim Datenaustausch gewährleisten:
- Informationsebene: Hier wird die technische Struktur der Daten festgelegt. Es geht darum, in welchem digitalen Format beispielsweise Blutdruckwerte, Pflegediagnosen oder Wunddokumentationen gespeichert und transportiert werden.
- Terminologieebene: Diese Ebene liefert das inhaltliche Vokabular. Durch international anerkannte, standardisierte Fachbegriffe wird sichergestellt, dass eine bestimmte Pflegediagnose in einer Software in München exakt dasselbe bedeutet und auslöst wie in einem System in Hamburg.
Durch die klare Trennung und gleichzeitige intelligente Verknüpfung dieser beiden Ebenen können Software-Systeme völlig unterschiedlicher Hersteller die Informationen verlustfrei austauschen und semantisch korrekt interpretieren.
Die Vorteile für den Pflegealltag
Für Pflegekräfte an der Basis mag das Thema zunächst sehr technisch und abstrakt klingen, doch die praktischen Auswirkungen sind enorm. Wenn Daten nahtlos zwischen verschiedenen Sektoren fließen, entfallen aufwendige Doppel- und Mehrfachdokumentationen. Wird ein pflegebedürftiger Mensch beispielsweise aus dem Krankenhaus in eine stationäre Pflegeeinrichtung verlegt, stehen alle relevanten Pflegeinformationen sofort, strukturiert und fehlerfrei zur Verfügung.
Mehr Zeit für die Menschen
Eine funktionierende Interoperabilität reduziert den administrativen Aufwand drastisch. Pflegekräfte verbringen weniger Zeit vor dem Bildschirm oder über Papierakten gebeugt und haben stattdessen wieder mehr Kapazitäten für ihre eigentliche Kernaufgabe: die direkte Versorgung und menschliche Zuwendung. Zudem minimiert der standardisierte Datenaustausch das Risiko von Übermittlungsfehlern, was die Patientensicherheit und die Behandlungsqualität deutlich erhöht.
Ein wichtiger Schritt in die digitale Zukunft
Mit dem Vorstoß zur bundeseinheitlichen Terminologiearchitektur setzt der Deutsche Pflegerat ein starkes Signal an die Gesundheitspolitik und die Softwareindustrie. Damit die Vision einer voll vernetzten Pflege Realität wird, müssen nun die Entwickler von Pflegesoftware, die Kliniken und die politischen Entscheidungsträger an einem Strang ziehen. Das Zwei-Ebenen-Modell bietet dafür das dringend benötigte, stabile Fundament.
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