Neugeborenen-Screening auf MLD: IQWiG-Vorbericht zeigt klaren Nutzen der Früherkennung

Djamal Sadaghiani
MLD-Screening bei Neugeborenen: IQWiG sieht klaren Nutzen

Die ersten Lebenstage eines Babys sind geprägt von Fürsorge und wichtigen medizinischen Routineuntersuchungen. Ein zentraler Baustein ist dabei das Neugeborenen-Screening, bei dem wenige Tropfen Blut aus der Ferse entnommen werden, um frühzeitig auf seltene, aber schwerwiegende Erkrankungen zu testen. Nun gibt es berechtigte Hoffnung, dass dieses lebensrettende Panel bald um eine weitere wichtige Untersuchung erweitert wird.

IQWiG sieht Anhaltspunkt für medizinischen Nutzen

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat in einem aktuellen Vorbericht festgestellt, dass ein systematisches Neugeborenen-Screening auf die metachromatische Leukodystrophie (MLD) im Vergleich zu einem Verzicht auf dieses Screening einen klaren Nutzen aufweist. Dies ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg, die Untersuchung in die reguläre Versorgung aufzunehmen.

Laut dem IQWiG zeigen die bisherigen wissenschaftlichen Auswertungen, dass Kinder, bei denen die Erkrankung durch ein solches Screening vor dem Auftreten der ersten Symptome erkannt wird, erheblich von frühen therapeutischen Interventionen profitieren können. Ohne das Screening wird die Diagnose oft erst gestellt, wenn bereits irreversible Schäden am Nervensystem entstanden sind.

Was ist die metachromatische Leukodystrophie (MLD)?

Die metachromatische Leukodystrophie ist eine seltene, genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung. Bei den Betroffenen fehlt ein wichtiges Enzym, was dazu führt, dass sich bestimmte Stoffwechselprodukte im Körper ansammeln. Diese zerstören schleichend die schützende Myelinschicht der Nervenbahnen im Gehirn und im Rückenmark.

  • Symptome: Die Krankheit führt zu einem fortschreitenden Verlust der motorischen und kognitiven Fähigkeiten. Kinder verlernen das Laufen, Sprechen und Schlucken.
  • Verlauf: Die häufigste Form tritt bereits im Kleinkindalter auf und verläuft ohne Behandlung meist innerhalb weniger Jahre tödlich.
  • Behandlung: Heilbar ist MLD bislang nicht, aber moderne Therapien – wie etwa Stammzelltransplantationen oder neuartige Gentherapien – können das Fortschreiten der Krankheit stoppen oder stark verlangsamen.

Der Faktor Zeit: Warum Früherkennung alles verändert

Das Tückische an MLD ist, dass die Kinder in den ersten Lebensmonaten völlig gesund erscheinen. Wenn die ersten sichtbaren Symptome wie motorische Ausfälle oder Wesensveränderungen auftreten, ist das Nervensystem oft schon massiv und unwiderruflich geschädigt. Genau hier setzt das Neugeborenen-Screening an.

Wird die genetische Veranlagung für MLD bereits in den ersten Lebenstagen durch den Fersenbluttest erkannt, können Ärzte präventiv handeln, bevor die Krankheit ausbricht. Die modernen therapeutischen Maßnahmen entfalten ihre maximale Wirkung nur dann, wenn sie angewandt werden, bevor die Myelinschicht der Nerven angegriffen wird.

Wie geht es nun weiter?

Der Vorbericht des IQWiG ist ein essenzieller Meilenstein, jedoch noch nicht das finale Urteil. Nach der Veröffentlichung des Vorberichts folgt nun ein Stellungnahmeverfahren, in dem Experten, Fachgesellschaften und Betroffenenverbände ihre Einschätzungen abgeben können. Im Anschluss erstellt das IQWiG den Abschlussbericht.

Basierend auf diesem Abschlussbericht wird der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) letztendlich darüber entscheiden, ob das Screening auf MLD in die offizielle Richtlinie für das Neugeborenen-Screening aufgenommen wird. Fällt die Entscheidung positiv aus, wird der Test schon bald zur Kassenleistung und könnte jährlich zahlreichen Kindern ein Leben mit schweren Behinderungen ersparen.

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