Niedersachsen startet Modellprojekte für sorgende Gemeinschaften
Um Pflegebedürftige und pflegende Angehörige im Alltag spürbar zu entlasten, setzt Niedersachsen auf eine engere Verzahnung von professioneller Hilfe und bürgerschaftlichem Engagement. Mit dem offiziellen Start der ersten sogenannten „Gemeinsamen Modellvorhaben“ erhalten die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim millionenschwere Fördermittel von Land und Pflegekassen, um innovative Versorgungsnetzwerke bis mindestens Ende 2028 auf- und auszubauen.
Pflege auf mehrere Schultern verteilen
Im Zentrum der Initiativen steht das Konzept der „sorgenden Gemeinschaften“. Ziel ist es, professionelle Pflegeangebote, Hausarztpraxen und kommunale Sozialdienste systematisch mit Nachbarschaftshilfen sowie ehrenamtlichen Initiativen zu verbinden. Dadurch soll ein tragfähiges Netz entstehen, das Pflegebedürftigen ermöglicht, möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben.
Die Förderung basiert auf der gesetzlichen Grundlage des Elften Buches Sozialgesetzbuch für Modellvorhaben. Das Land Niedersachsen und die gesetzlichen sowie privaten Pflegekassen finanzieren die Projekte gemeinsam zu gleichen Teilen. Für die beiden ersten Förderregionen stehen zusammen über 1,7 Millionen Euro zur Verfügung – rund 946.000 Euro fließen ins Emsland, rund 785.000 Euro in die Grafschaft Bentheim.
Feste Koordinatoren und digitale Vernetzung
Ein zentraler Hebel der Modellprojekte ist die Ausweitung des Case- und Care-Managements. Feste Ansprechpersonen unterstützen Familien künftig individuell dabei, die passende Hilfe zu organisieren, Anträge zu stellen und bestehende Angebote optimal zu kombinieren. Gerade in komplexen Pflegesituationen soll diese Steuerung aus einer Hand verhindern, dass Angehörige sich im Versorgungsdschungel überfordert fühlen.
Parallel dazu wird der Einsatz moderner Softwarelösungen forciert. Eine strukturierte digitale Versorgungs- und Sozialplanung soll es ermöglichen, den Hilfebedarf in den Kommunen frühzeitig zu erfassen und Versorgungsengpässe gezielt zu vermeiden. Zudem werden neue Ansätze erprobt, um die Vereinbarkeit von Beruf und familiärer Pflege zu verbessern und mehr Freiwillige für soziale Aufgaben zu gewinnen.
Modellcharakter für das gesamte Land
In den beiden ausgewählten Landkreisen profitieren zusammen mehr als 36.000 pflegebedürftige Menschen von den neuen Strukturen. Da über die Hälfte der Betroffenen ausschließlich von Familienangehörigen versorgt wird, ist der Bedarf an wohnortnaher und unbürokratischer Entlastung besonders hoch.
- Stärkung des Ehrenamts: Quartiers- und Dorfgemeinschaften werden aktiv in Betreuungs- und Alltagsstrukturen eingebunden.
- Bedarfsgerechte Steuerung: Professionelle Pflegeberater koordinieren medizinische, pflegerische und soziale Hilfen.
- Wissenschaftliche Begleitung: Die Ergebnisse der Modellprojekte werden evaluiert, um erfolgreiche Konzepte perspektivisch in die reguläre Regelversorgung zu überführen.
Nach Angaben des niedersächsischen Sozialministeriums liegen bereits Anträge weiterer Kommunen vor. Bewähren sich die Vorhaben in der Praxis, könnten die sorgenden Gemeinschaften schon bald als Vorbild für eine zukunftssichere Pflege im gesamten Bundesland dienen.
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