NKR mahnt Tempo an: Bürokratie im Gesundheitswesen spürbar abbauen

Benedikt Hübenthal
NKR-Jahresbericht: Mehr Tempo beim Bürokratieabbau im Gesundheitswesen

Unzählige Formulare, doppelte Nachweise und zeitraubende Dokumentationspflichten gehören für viele Pflegefachkräfte sowie Ärztinnen und Ärzte nach wie vor zum Alltag. Wertvolle Stunden, die eigentlich am Pflegebett oder im Behandlungszimmer gebraucht werden, versickern regelmäßig in Aktenbergen und administrativen Schleifen. Der Nationale Normenkontrollrat (NKR) hat in seinem aktuellen Jahresbericht deutlich gemacht, dass beim Abbau überflüssiger Vorgaben insbesondere im Gesundheitsressort noch erhebliche Defizite bestehen.

Mehr Zeit für Menschen statt für Akten

Nach Einschätzung des Normenkontrollrats reichen die bisherigen Anstrengungen der Bundesregierung noch nicht aus, um den Praxisalltag spürbar zu erleichtern. Zwar wurden politische Ziele formuliert und Reformen angekündigt, doch in ambulanten Pflegediensten, Pflegeheimen und Kliniken kommt von einer Entlastung bislang kaum etwas an. Der Bericht bescheinigt dem Bundesgesundheitsministerium deshalb weiteren klaren Handlungsbedarf.

Gerade in Zeiten eines gravierenden Fachkräftemangels wird administrative Überlastung zum handfesten Versorgungsrisiko. Wenn Pflegekräfte einen signifikanten Teil ihrer Schicht mit Kontrollnachweisen verbringen müssen, steigt nicht nur der Frust im Beruf, sondern sinkt auch die Qualität der Zuwendung für pflegebedürftige Menschen.

Digitalisierung muss echte Entlastung schaffen

Ein zentraler Hebel für den Abbau bürokratischer Hürden liegt in einer praxistauglichen Digitalisierung. Doch anstatt Prozesse zu verschlanken, führten unzureichend abgestimmte IT-Lösungen und uneinheitliche Schnittstellen in der Vergangenheit oft zu zusätzlichem Aufwand. Der NKR mahnt an, Verwaltungsabläufe von Grund auf neu zu denken, statt analoge Formulare lediglich eins zu eins digital abzubilden.

  • Doppelerfassungen stoppen: Daten müssen im System einmalig erfasst und medienbruchfrei weitergeleitet werden können.
  • Prüfverfahren vereinfachen: Kontrollauflagen von Kassen, Medizinischem Dienst und Behörden sollten sinnvoll gebündelt und harmonisiert werden.
  • Verlässliche Praxistests: Neue Gesetze und Verordnungen müssen im Vorfeld verbindlich darauf geprüft werden, wie viel Arbeitszeit sie in der Praxis binden.

Klares Signal an die Politik

Die Botschaft des Normenkontrollrats ist unmissverständlich: Wer das Gesundheitssystem zukunftsfest machen und Pflegekräfte im Beruf halten will, darf den Bürokratieabbau nicht länger auf die lange Bank schieben. Jetzt liegt es am Ministerium, bürokratische Bremsen beherzt zu lösen und Entlastungen dort spürbar zu machen, wo sie am dringendsten benötigt werden – direkt bei den Pflegebedürftigen und den Beschäftigten vor Ort.

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