Notaufnahmen entlasten: Kooperationspraxen zeigen großes Potenzial

Dominik Hübenthal
Zi-Studie: Kooperationspraxen können Notaufnahmen spürbar entlasten

Überfüllte Notaufnahmen gehören in vielen deutschen Kliniken zum Alltag. Zahlreiche Hilfesuchende, die sich dort vorstellen, leiden jedoch nicht unter lebensbedrohlichen Notfällen und könnten ambulant in einer Praxis versorgt werden. Eine aktuelle Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) belegt nun, dass sogenannte Kooperationspraxen eine entscheidende Schlüsselrolle spielen können, um weniger dringliche Fälle gezielt in den vertragsärztlichen Bereich umzuleiten.

Hohe Erfolgsquote bei der Weiterleitung

Für die Analyse wurden Daten aus sieben regionalen Modellprojekten ausgewertet, an denen Krankenhäuser, Kassenärztliche Vereinigungen sowie vertragsärztliche Praxen beteiligt waren. Insgesamt durchliefen mehr als 2.000 Patientinnen und Patienten die erprobten Steuerungs- und Zuweisungsprozesse.

Die Auswertung liefert eindeutige Ergebnisse: Zwischen 85,7 und 96,2 Prozent der weitergeleiteten Personen konnten in den angebundenen Kooperationspraxen abschließend und qualifiziert behandelt werden. Eine erneute Vorstellung im Krankenhaus war in den allermeisten Fällen nicht erforderlich. Zudem zeigte die ärztliche Begleitforschung, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung der Patientensicherheit durch die Weiterleitung entstand.

Verlässliche Abläufe und Digitalisierung als Erfolgsfaktor

Die Zi-Analyse verdeutlicht, dass der Erfolg einer solchen Patientensteuerung maßgeblich von einer lückenlosen Prozesskette abhängt. Nicht allein das Ersteinschätzungsverfahren an der Pforte ist entscheidend, sondern die verlässliche Zusammenarbeit zwischen Klinik und Praxis.

Als zentrale Voraussetzungen für einen reibungslosen Ablauf hebt das Institut folgende Punkte hervor:

  • Verbindliche Zuständigkeiten: Klare Strukturen bei der ersten Sichtung und Ersteinschätzung im Krankenhaus.
  • Feste Dispositionskorridore: Definierte Zeitfenster und transparente Kapazitätsübersichten der teilnehmenden Fach- und Hausärzte.
  • Bestätigte Übernahme: Eine verbindliche Zusage der Praxis über die Annahme des jeweiligen Patienten.
  • Digitale Fallübergabe: Schnelle, unkomplizierte und datenschutzkonforme Schnittstellen zur Übermittlung relevanter Behandlungsdaten.

Herausforderung: Finanzierung und Vergütung

Im Rahmen der bundesweiten Notfallreform sollen Integrierte Notfallzentren (INZ) als zentrale Anlaufstellen fungieren und Patienten je nach Behandlungsdringlichkeit zuweisen. Während der regulären Öffnungszeiten ist dabei ausdrücklich vorgesehen, Patienten an vernetzte Kooperationspraxen im Umfeld der Klinik weiterzugeben.

Das Zentralinstitut warnt jedoch davor, dass die organisatorische und technische Einbindung für die Praxen einen erheblichen Mehraufwand bedeutet. Vorhaltezeiten, kurzfristige Koordinationsleistungen und die Dokumentation müssten verlässlich und extrabudgetär vergütet werden. Ohne einen auskömmlichen finanziellen Rahmen drohe das Konzept in der praktischen Umsetzung an mangelnden Praxisressourcen zu scheitern.

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