Organspende: Hausärzte räumen mit Irrtümern auf

Dominik Hübenthal
Organspende und Irrtümer: Hausärzte starten Aufklärung

Das Thema Organspende bewegt viele Menschen in Deutschland, ist jedoch häufig von Unsicherheiten und Vorurteilen begleitet. Um bestehende Berührungsängste abzubauen und Bürger fundiert zu informieren, setzen das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit und der Hausärztinnen- und Hausärzteverband auf eine neue Aufklärungsoffensive direkt in den Praxen. Ziel ist es, verlässliche Fakten zu vermitteln und gängige Mythen zu entkräften, damit jede und jeder eine eigenständige, selbstbestimmte Entscheidung treffen kann.

Hartnäckige Mythen: Zu alt oder zu krank für eine Spende?

Wie dringend notwendig eine verlässliche Aufklärung ist, verdeutlicht eine Befragung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Die Ergebnisse zeigen gravierende Fehlannahmen in der Bevölkerung:

  • Gesundheitlicher Zustand: Rund sieben von zehn Befragten gehen fälschlicherweise davon aus, dass sie aufgrund eigener gesundheitlicher Beeinträchtigungen grundsätzlich nicht als Spender infrage kommen. Tatsächlich schließen nur sehr wenige Erkrankungen eine Spende von vornherein aus. Ob Organe oder Gewebe transplantiert werden können, prüfen Mediziner im Einzelfall erst nach dem Tod.
  • Das Lebensalter: Fast die Hälfte der Menschen glaubt, dass es eine feste obere Altersgrenze für eine Spende gibt. In der Praxis existiert ein solches Höchstalter jedoch nicht; maßgeblich ist allein der biologische Zustand der Organe.
  • Dokumentationswege: Lediglich rund 30 Prozent der Befragten fühlen sich gut darüber informiert, auf welchen Wegen sie ihre persönliche Entscheidung verlässlich festhalten können.

Vertrauensort Hausarztpraxis als Schlüssel

Im Zentrum der gemeinsamen Initiative steht das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Hausärzten und ihren Patienten. Hausarztpraxen sind für viele Menschen die erste und wichtigste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Zweifeln. Um den Dialog im Sprechzimmer oder bereits während der Wartezeit anzustoßen, werden bundesweit Praxismaterialien wie Poster, Info-Screens und Flyer verteilt.

Wie der Hausärztinnen- und Hausärzteverband betont, kursieren im Praxisalltag weiterhin zahlreiche Vorbehalte und Mythen rund um die Organ- und Gewebespende. Die neuen Materialien greifen gezielt die fünf am häufigsten gestellten Fragen auf, um Schwellenängste abzubauen und fundiertes Wissen zu vermitteln.

Entscheidung treffen und Angehörige entlasten

Wer seinen Willen zu Lebzeiten klar festhält, entlastet insbesondere Angehörige in einer ohnehin emotionalen Ausnahmesituation. Dabei ist jede Haltung gleichermaßen legitim: die uneingeschränkte Zustimmung, die Beschränkung auf bestimmte Organe oder auch ein ausdrücklicher Widerspruch. Eine Dokumentation kann unkompliziert über den klassischen Organspendeausweis, in einer Patientenverfügung oder im digitalen Organspende-Register vorgenommen werden.

Laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit geht es bei der Aufklärung keineswegs um vorgegebene Entscheidungen, sondern um eine ergebnisoffene und informierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Das Gespräch mit dem Hausarzt bietet Raum, sensible Fragen vertraulich anzusprechen und persönliche Zweifel auszuräumen.

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