Organspende in Deutschland: Warum der leichte Anstieg noch lange nicht reicht

Djamal Sadaghiani
Organspende in Deutschland: Zahlen steigen leicht, Mangel bleibt groß

Ein vorsichtiger Hoffnungsschimmer für die Transplantationsmedizin: In den ersten neun Monaten des Jahres sind die Organspendezahlen in Deutschland moderat angestiegen. Dies gab die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) anlässlich ihres 22. Jahreskongresses in Frankfurt am Main bekannt. Rund 800 Expertinnen und Experten aus Medizin, Pflege und Gesundheitspolitik beraten dort über die Zukunft der Organspende. Doch trotz der positiven Zwischenbilanz bleibt die Realität in den Kliniken herausfordernd: Die Zahl der Spenderorgane reicht bei weitem nicht aus, um den immensen Bedarf der schwerkranken Menschen auf den Wartelisten zu decken.

Leichte Erholung auf niedrigem Niveau

Die aktuellen Auswertungen der DSO zeigen, dass sich der Aufwärtstrend der vergangenen Monate fortsetzt. Mehr Spenderinnen und Spender bedeuten mehr lebensrettende Transplantationen von Nieren, Lebern, Herzen und Lungen. Dennoch warnen Mediziner vor verfrühter Entwarnung. Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland weiterhin deutlich hinterher. Während Länder wie Spanien durch strukturierte Prozesse und die Widerspruchsregelung hohe Spenderquoten verzeichnen, bleibt das deutsche System trotz der jüngsten Zuwächse auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

Aktuell warten in Deutschland weit über 8.000 Patientinnen und Patienten auf ein geeignetes Spenderorgan – der überwiegende Teil von ihnen auf eine Spenderniere. Für viele von ihnen bedeutet jeder Monat auf der Warteliste eine enorme gesundheitliche und psychische Belastung, oft verbunden mit jahrelanger Dialysepflicht.

Pflegekräfte als unverzichtbare Vermittler im Klinikalltag

Besondere Aufmerksamkeit widmet der Fachkongress der Rolle der Intensivstationen und des dortigen Personals. Pflegefachkräfte und Transplantationsbeauftragte sind häufig die ersten, die den irreversiblen Hirnfunktionsausfall bei Patientinnen und Patienten erkennen und die Weichen für einen Spendenprozess stellen.

Gleichzeitig lastet auf den Behandlungsteams eine enorme seelische Verantwortung. Sie müssen in tiefster Trauer das Gespräch mit Angehörigen suchen und einfühlsam klären, ob der Wille des Verstorbenen zur Organspende bekannt ist. Fehlt eine schriftliche Dokumentation oder ein Eintrag im neu geschaffenen Organspenderegister, müssen Familienmitglieder nach mutmaßlichem Willen entscheiden – eine Situation, die viele Angehörige in Schockmomenten überfordert. Fachleute betonen daher, wie entscheidend gezielte Schulungen, zeitliche Entlastung und psychologische Unterstützung für Pflegeteams sind.

Strukturen verbessern, Angehörige entlasten

Um das bestehende Potenzial in den Entnahmekrankenhäusern besser auszuschöpfen, fordern Fachverbände seit Langem verlässliche Rahmenbedingungen. Neben der weiteren Etablierung des Online-Organspenderegisters steht nach wie vor die politische Debatte um gesetzliche Reformen im Raum. Viele Medizinerinnen und Pflegende sprechen sich dafür aus, die Hürden zur Willensbekundung weiter zu senken, um Klarheit auf den Intensivstationen zu schaffen.

Zugleich kommt es auf optimierte Abläufe an: Von der automatisierten Erkennung möglicher Spenderfälle bis hin zur reibungslosen Zusammenarbeit mit Eurotransplant und den Entnahmeteams der DSO. Nur wenn administrative Hürden abgebaut und Kliniken personell gestärkt werden, kann die Organspende fest als selbstverständlicher Bestandteil der Akut- und Intensivmedizin verankert werden.

Fazit

Der Zuwachs bei den Spenderzahlen in den ersten drei Quartalen ist ein wertvolles Signal für die Transplantationsmedizin und das engagierte Personal auf den Stationen. Um den Tausenden von Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten eine echte Zukunftsperspektive zu schenken, braucht es jedoch mehr als nur temporäre Zuwächse: Notwendig sind nachhaltige Entlastungen für Intensivpflegende, kontinuierliche Aufklärung in der Bevölkerung und eine spürbare Vereinfachung der Entscheidungswege.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.