Personalbemessung in der Pflege: Pflegerat warnt vor riskanten Schnellschüssen

Benedikt Hübenthal
Personalbemessung Pflege (PeBeM): DPR fordert klare Regeln

Der Deutsche Pflegerat (DPR) hat ein wegweisendes Positionspapier zur Personalbemessung (PeBeM) in der stationären Langzeitpflege veröffentlicht. Darin wird deutlich: Der geplante Umbau der Personalstrukturen in Pflegeheimen ist ein wichtiger Schritt, doch ohne die richtigen Rahmenbedingungen droht das Vorhaben in der Praxis zu scheitern.

Ein Paradigmenwechsel: Weg von starren Quoten

Die neue Personalbemessung markiert laut dem Deutschen Pflegerat einen grundlegenden Perspektivwechsel in der Branche. Bislang dominierten starre Fachkraftquoten den Pflegealltag. Künftig soll sich die Versorgung viel stärker an den tatsächlichen Qualifikationen, den individuellen Kompetenzen der Pflegekräfte sowie am konkreten Pflegeprozess orientieren. Dieser Ansatz verspricht eine modernere und bedarfsgerechtere Betreuung der Pflegebedürftigen und rückt die Bezugspflege wieder stärker in den Fokus.

Die Warnung des Pflegerats: Qualität vor bloßer Effizienz

Trotz des positiven Grundsatzes warnt der DPR eindringlich davor, das neue Modell vorschnell als Allheilmittel für den Regelbetrieb zu betrachten. Solange essenzielle Voraussetzungen fehlen, dürfe das System nicht überstürzt ausgerollt werden. Der Rat sieht insbesondere die Gefahr, dass die berufliche Pflege künftig zu stark unter rein wirtschaftlichen Effizienzgesichtspunkten organisiert werden könnte.

Professionelle Pflege, so mahnt die Interessenvertretung der Pflegenden, dürfe auf keinen Fall auf standardisierte Einzelleistungen reduziert werden. Vielmehr müssen die persönliche Beziehungsgestaltung zu den Bewohnern, die individuelle Abstimmung der Versorgungsbedarfe und die pflegefachliche Verantwortung das absolute Zentrum der Arbeit bleiben.

Zentrale Herausforderungen bei der Umsetzung

Um eine schleichende Deprofessionalisierung und eine Überlastung der Teams zu verhindern, benennt das Positionspapier konkrete Hürden, die es zwingend zu überwinden gilt:

  • Klare Rollenverteilung: Wenn qualifizierte Pflegefachassistenten fehlen oder ihre Zuständigkeiten im Stationsalltag unklar bleiben, besteht das enorme Risiko, dass ihnen Aufgaben übertragen werden, für die sie fachlich nicht ausreichend qualifiziert sind.
  • Integration akademischer Fachkräfte: Akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen sind bislang nicht systematisch in das neue Verfahren eingebunden. Für eine evidenzbasierte und hochkomplexe Versorgung sei ihre aktive Einbeziehung jedoch unerlässlich.
  • Kein Zwang zu einem Einheitsmodell: Die bisherigen Studienergebnisse liefern keinen belastbaren Nachweis dafür, dass ein bestimmtes Organisationsmodell grundsätzlich überlegen ist. Ein starres Modell dürfe daher von der Politik nicht verbindlich für alle Einrichtungen festgeschrieben werden.

Fazit: Das System entscheidet über den Erfolg

Die Botschaft an die Politik und die Träger von Pflegeeinrichtungen ist unmissverständlich: Entscheidend für eine bessere Pflege ist nicht das theoretische Modell auf dem Papier, sondern das System, in dem es in der Praxis umgesetzt wird. Nur wenn die Rahmenbedingungen und der Qualifikationsmix stimmen, kann die neue Personalbemessung die Pflegeprofession nachhaltig stärken und die Versorgungssicherheit der Bewohner auf hohem Niveau garantieren.

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