Pflege im Alter: Fast die Hälfte zweifelt an verlässlicher Versorgung

Dominik Hübenthal
Pflegestudie: Fast jeder zweite Deutsche zweifelt an Versorgung im Alter

Das Vertrauen der Menschen in Deutschland in eine gesicherte Versorgung bei Pflegebedürftigkeit bröckelt spürbar. Obwohl der Wunsch nach einem langen Leben weit verbreitet ist, blickt ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung mit großer Skepsis auf die Rahmenbedingungen im Alter. Fast die Hälfte der Bundesbürger hegt Zweifel daran, im Ernstfall eine fachgerechte und verlässliche Betreuung zu erhalten.

Skeptischer Blick auf das eigene Pflegesystem

Laut einer repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts OpinionWay für den europäischen Pflegeanbieter Clariane sind lediglich 44 Prozent der Befragten in Deutschland zuversichtlich, bei einer eintretenden Pflegebedürftigkeit die notwendige Unterstützung zu bekommen – etwa über einen ambulanten Dienst oder in einer stationären Einrichtung. Demgegenüber äußern 48 Prozent handfeste Zweifel an einer lückenlosen Versorgung.

Auch das allgemeine Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des heimischen Gesundheitssystems schneidet im internationalen Vergleich verhalten ab. Lediglich 42 Prozent der Bundesbürger glauben daran, dass eine qualitativ hochwertige Betreuung älterer Generationen gesichert ist. Im europäischen Gesamtdurchschnitt liegt dieser Wert hingegen bei 52 Prozent.

Finanzielle Sorgen belasten den Blick in die Zukunft

Neben infrastrukturellen Engpässen und dem Personalmangel in der Branche bereitet vor allem die finanzielle Belastung schlaflose Nächte. Fast zwei Drittel der Menschen in Deutschland – rund 61 Prozent – fürchten der Umfrage zufolge, dass sie die immensen Kosten einer Langzeitpflege finanziell nicht alleine tragen können.

Angesichts stetig steigender Eigenanteile für einen Heimplatz sowie zusätzlicher Aufwendungen für Sachleistungen im häuslichen Umfeld erscheint diese Furcht berechtigt. Die Lücke zwischen den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und den real anfallenden Betreuungs- und Unterbringungskosten wächst seit Jahren, was viele Haushalte vor existenzielle Herausforderungen stellt.

Wenig Rückhalt aus dem familiären Umfeld

Auffällig ist zudem ein deutlicher Unterschied zu anderen europäischen Nationen: In Deutschland rechnen die Menschen seltener mit tatkräftiger Hilfe aus dem Kreis der Angehörigen. Während beispielsweise in Spanien knapp 80 Prozent davon ausgehen, im Bedarfsfall von Verwandten gepflegt oder begleitet zu werden, vertrauen hierzulande lediglich 65 Prozent auf die Familie als verlässliches Auffangnetz.

Gleichzeitig verlässt man sich auch auf kommunale oder staatliche Auffangnetze nur bedingt. Dennoch wird der Handlungsdruck an höchster Stelle gesehen: 84 Prozent der Befragten fordern, dass ein würdevolles und abgesichertes Altern zur obersten gesellschaftlichen und politischen Priorität ernannt werden muss.

Frühzeitige Vorsorge als wichtigster Schutz

Für Pflegebedürftige und deren Familien verdeutlichen die Ergebnisse, wie unverzichtbar eine rechtzeitige Weichenstellung ist. Wer sich frühzeitig mit den eigenen Wünschen und Absicherungen auseinandersetzt, gewinnt in krisenhaften Situationen Handlungsfähigkeit:

  • Vorsorgedokumente aufsetzen: Eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht stellen sicher, dass Vertrauenspersonen im Ernstfall handlungsfähig bleiben.
  • Pflegeberatung nutzen: Kommunale Pflegestützpunkte und die Pflegekassen bieten kostenfreie Beratung über bestehende Leistungsansprüche, Entlastungsangebote und Pflegegrade.
  • Finanzielle Reserven prüfen: Eine frühzeitige Prüfung der Rentenlücke und gegebenenfalls private Absicherungsoptionen helfen, finanzielle Risiken der Langzeitpflege abzufedern.

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