Pflegearmut: Hunderttausende verzichten auf staatliche Zuschüsse
Es ist ein stilles Drama, das sich in deutschen Haushalten abspielt: Hunderttausende pflegebedürftige Menschen leben am finanziellen Limit, obwohl ihnen Unterstützung durch den Staat zusteht. Eine aktuelle Untersuchung offenbart nun das gewaltige Ausmaß der sogenannten Pflegearmut in der häuslichen Versorgung. Die erschreckende Erkenntnis: Ein Großteil der Betroffenen ruft die dringend benötigte „Hilfe zur Pflege“ gar nicht erst ab.
Erschreckende Zahlen: Nur jeder Fünfte nutzt seinen Anspruch
Wenn die Rente und das Geld aus der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht ausreichen, um die häuslichen Pflegekosten zu decken, greift im Idealfall das Sozialamt ein. Doch diese als „Hilfe zur Pflege“ bekannte Sozialleistung kommt bei den Bedürftigen kaum an. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Rechtswissenschaftlers und Pflegeexperten Thomas Klie, die im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbands durchgeführt wurde.
Die nackten Zahlen der Erhebung sprechen eine deutliche Sprache: Von den rund 4,9 Millionen Menschen, die in Deutschland zu Hause gepflegt werden, haben schätzungsweise 390.000 Personen einen rechtmäßigen Anspruch auf diese finanzielle Aufstockung. Tatsächlich ausgezahlt wird das Geld jedoch nur an rund 76.000 Pflegebedürftige. Das bedeutet, dass nicht einmal 20 Prozent der Anspruchsberechtigten die staatliche Hilfe erhalten. Mehr als 300.000 Betroffene verzichten somit auf Gelder, die ihre pflegerische Versorgung und Lebensqualität massiv verbessern könnten.
Besonders brisant ist der Vergleich zur stationären Pflege: Während in Pflegeheimen laut der Studie rund 42 Prozent der Bewohner auf die Hilfe zur Pflege zurückgreifen, ist die Inanspruchnahme im häuslichen Umfeld verschwindend gering.
Scham, Unwissen und ein undurchsichtiger Behördendschungel
Doch woran liegt es, dass so viele ältere und pflegebedürftige Menschen auf ihr Recht verzichten? Die Studienautoren identifizieren drei Hauptgründe: Unwissenheit über die bestehenden Ansprüche, mangelnde Beratung und schlichtweg Scham. Viele Senioren scheuen den Gang zum Sozialamt, da sie fürchten, als Bittsteller aufzutreten oder ihren Angehörigen finanziell zur Last zu fallen.
Ein weiteres massives Problem stellt die Verwaltungspraxis dar. Laut dem Paritätischen Gesamtverband bearbeiten viele Ämter die Anträge nur stark verzögert. Zudem gleicht die Bewilligungspraxis in Deutschland einem Flickenteppich. Die Studie zeigt gravierende regionale Unterschiede auf: Während in Hamburg mehr als ein Drittel der Berechtigten die Leistung erhält, ist es im Saarland nur etwa jeder Zehnte. Laut Joachim Rock, dem Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, entscheide in Deutschland derzeit allein die Postleitzahl darüber, wie gut Pflegebedürftige in den eigenen vier Wänden unterstützt werden. Er fordert die Politik zum raschen Handeln auf, um Pflegearmut konsequent zu bekämpfen.
Das System muss transparenter werden
Auch der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) schaltet sich in die Debatte ein. Zwar gehe man dort von leicht abweichenden statistischen Werten aus, doch auch die PKV räumt ein, dass das aktuelle Leistungsrecht viel zu undurchsichtig sei. Diese mangelnde Transparenz führe unweigerlich dazu, dass Pflegebedürftige und ihre Familien die vorhandenen finanziellen Möglichkeiten schlichtweg nicht ausschöpfen.
Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bedeutet dies vor allem eines: Es lohnt sich, genau hinzusehen und sich aktiv beraten zu lassen. Wer feststellt, dass die Kosten für den ambulanten Pflegedienst, Pflegehilfsmittel oder Entlastungsleistungen das eigene Budget sprengen, sollte sich nicht scheuen, einen Antrag auf Hilfe zur Pflege beim zuständigen Sozialamt zu stellen. Unabhängige Pflegeberatungsstellen und Sozialverbände bieten hierbei wertvolle und diskrete Unterstützung, um den Weg durch den bürokratischen Dschungel zu meistern.
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