Pflegereform in der Kritik: Droht ein Sparzwang beim häuslichen Infektionsschutz?
In der häuslichen Pflege zeichnen sich weitreichende Umbrüche ab, die bei Fachverbänden und Experten erhebliche Besorgnis auslösen. Im Mittelpunkt der aktuellen Debatte um das Pflegeneuordnungsgesetz steht die Befürchtung, dass lebenswichtige Hygienestandards in den eigenen vier Wänden durch bürokratische Umschichtungen ins Hintertreffen geraten könnten. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) schlägt nun mit einem Informationsblatt Alarm und mahnt, dass eine Reform den Infektionsschutz stärken statt schwächen müsse.
Budget-Zusammenlegung setzt falsche Anreize
Stein des Anstoßes ist die im Gesetzentwurf vorgesehene Zusammenführung verschiedener Leistungsbereiche zu einem gemeinsamen Budget. Demnach sollen Mittel für Betreuungsangebote, Haushaltshilfen und Verhinderungspflege mit den Pauschalen für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel – wie Einmalhandschuhe, Händedesinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen und Schutzmasken – in einen gemeinsamen Topf geworfen werden.
Was auf den ersten Blick nach mehr Flexibilität klingen mag, birgt in der Praxis enorme Risiken. Wenn pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen monatlich abwägen müssen, ob sie das begrenzte Budget lieber in dringend benötigte Entlastung bei der Hausarbeit oder in Hygieneartikel investieren, droht ein gefährlicher Sparzwang bei der Infektionsprävention.
Schwere Risiken für geschwächte Pflegebedürftige
In der häuslichen Umgebung werden oft schwere und chronische Erkrankungen versorgt, darunter offene Wunden, Katheter oder Tracheostomata. Ohne eine lückenlose Hygiene steigen die Gefahren für gefährliche Infektionen rasant an. Ein Mangel an Schutzmaterialien führt nicht nur zu einer Gefährdung der ohnehin immungeschwächten Pflegebedürftigen, sondern erhöht auch das Ansteckungsrisiko für pflegende Angehörige sowie das Personal ambulanter Pflegedienste.
- Vermeidbare Klinikeinweisungen: Unzureichende Hygiene begünstigt Wundinfektionen und Keimübertragungen, die häufig in teuren Krankenhausaufenthalten münden.
- Gefahr durch resistente Keime: Multiresistente Erreger verlangen eine besonders strenge Hände- und Flächendesinfektion, die nicht durch Budgetkürzungen gefährdet werden darf.
- Zusätzliche Belastung für Pflegende: Pflegende Angehörige geraten in Gewissenskonflikte, wenn essenzielle Schutzmittel mit alltäglichen Entlastungsleistungen konkurrieren.
Klares Signal an den Gesetzgeber
Nach Ansicht des BVMed darf der Infektionsschutz in den eigenen vier Wänden keinesfalls als beliebig disponibler Posten behandelt werden. Infektionsprävention sei eine unverzichtbare Säule der Patientensicherheit und der ambulanten Versorgungsqualität. Der Verband fordert die Politik daher auf, die Mittel für Verbrauchspflegehilfsmittel und Infektionsschutz weiterhin als eigenständigen, garantierten Anspruch beizubehalten, um eine verlässliche und hygienisch einwandfreie Pflege daheim dauerhaft abzusichern.
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