Brandenburg stockt Finanzhilfe für Rettungsdienste um 20 Millionen Euro auf

Dominik Hübenthal
Rettungsdienst in Brandenburg: 20 Millionen Euro extra für Fehlfahrten

Einsätze ohne Krankentransport, sogenannte Fehlfahrten, stellen den Rettungsdienst und die kommunalen Kassen seit Jahren vor erhebliche finanzielle Herausforderungen. Um die daraus entstandenen Defizite abzufedern, greift das Land Brandenburg den Landkreisen und kreisfreien Städten erneut unter die Arme: Weitere 20 Millionen Euro werden bereitgestellt, um die zwischen 2022 und 2026 angefallenen Kosten auszugleichen.

Finanzielle Entlastung für Landkreise und kreisfreie Städte

Wenn ein Rettungswagen alarmiert wird, die Notfallretter vor Ort eintreffen, eine Beförderung ins Krankenhaus jedoch nicht notwendig ist oder abgelehnt wird, bleiben die Kommunen häufig auf den Kosten sitzen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel nur Fahrten, bei denen tatsächlich ein Transport in eine Klinik stattfindet. Die Bereitstellungs- und Einsatzkosten fallen dennoch an und rissen in den vergangenen Jahren spürbare Löcher in die kommunalen Haushalte.

Mit der millionenschweren Finanzspritze reagiert die Landesregierung auf den anhaltenden Druck aus den Regionen. Die zusätzlichen Mittel sollen sicherstellen, dass die Träger der Rettungsdienste trotz der aufgelaufenen Belastungen handlungsfähig bleiben und die notfallmedizinische Versorgung flächendeckend stabil gehalten wird.

Warum Fehlfahrten im Notdienst zunehmen

Die Gründe für den Anstieg von Einsätzen ohne anschließenden Transport sind vielschichtig und spiegeln strukturelle Probleme im Gesundheitssystem wider:

  • Verunsicherung in der Bevölkerung: Viele Menschen wählen bei akuten Beschwerden direkt die Notrufnummer 112, obwohl der kassenärztliche Bereitschaftsdienst oder eine ambulante Praxis zuständig wäre.
  • Engpässe im ambulanten Sektor: Fehlende Termine bei Fach- und Hausärzten führen dazu, dass der Rettungsdienst zunehmend als Auffangnetz für nicht lebensbedrohliche Erkrankungen genutzt wird.
  • Versorgung direkt vor Ort: Dank moderner Ausrüstung und gut ausgebildeter Notfallsanitäter können viele Patienten nach einer Untersuchung und Erstversorgung sicher in den eigenen vier Wänden verbleiben.

Forderung nach dauerhaften Reformen

Während die Finanzspritze kurzfristig für Erleichterung in den Kommunen sorgt, fordern Verbände und Rettungsorganisationen seit Langem grundlegende gesetzliche Reformen auf Bundes- und Landesebene. Notwendig seien verbindliche Regelungen zur Vergütung qualifizierter Erstversorgungen vor Ort sowie eine engere Vernetzung der Leitstellen mit dem vertragsärztlichen Notdienst, um Fehlalarme und Fehlsteuerungen bereits im Vorfeld zu minimieren.

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