Pflegereform: Verbände schlagen Alarm bei der Basishygiene
Prävention entfaltet ihre größte Wirkung oft im Verborgenen: Wenn Hygienemaßnahmen greifen, bleiben gefährliche Infektionen schlichtweg aus. Vor diesem Hintergrund schlagen führende Spitzenverbände des Gesundheitswesens im Zuge des geplanten Gesetzes zur Neuordnung der Pflegeversicherung (PNOG) Alarm. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern Organisationen wie der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed), der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), der Deutsche Apothekerverband (DAV), der IHO sowie der VVHC, die Basishygiene in der häuslichen Pflege konsequent abzusichern und keinesfalls anzutasten.
Prävention ist unverzichtbar für Pflegebedürftige und Angehörige
Millionen Menschen in Deutschland werden in den eigenen vier Wänden von Angehörigen und ambulanten Pflegediensten versorgt. Pflegebedürftige Personen weisen aufgrund ihres Alters oder von Vorerkrankungen häufig ein geschwächtes Immunsystem auf. Für sie können Infektionskrankheiten schnell lebensbedrohliche Verläufe nehmen.
Die Einhaltung grundlegender Hygienestandards – von der Händedesinfektion über Flächendesinfektionsmittel bis hin zum sachgerechten Einsatz von Einmalhandschuhen und Schutzbekleidung – bildet das unverzichtbare Fundament einer sicheren Versorgung. Laut dem Bundesverband Medizintechnologie und den beteiligten Verbänden darf dieser Schutzschirm im Rahmen anstehender Sparmaßnahmen oder Gesetzesreformen nicht aufgeweicht werden.
Sorge vor Einschnitten bei Pflegehilfsmitteln
Ein zentraler Streitpunkt in gesundheitspolitischen Debatten ist immer wieder die Erstattung von zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln. Pflegebedürftige mit einem anerkannten Pflegegrad haben derzeit Anspruch auf monatliche Pauschalen für entsprechende Hygieneartikel. Die Verbände mahnen an, dass jede bürokratische Hürde oder finanzielle Kürzung in diesem Bereich direkte negative Konsequenzen für die Gesundheit der Betroffenen nach sich zieht.
Hygienemängel führen nicht nur zu vermeidbarem menschlichem Leid, sondern verursachen durch nachfolgende Krankenhausaufenthalte und langwierige Behandlungen auch erhebliche Mehrkosten für das gesamte Gesundheitssystem. Eine verlässliche Basishygiene ist somit auch volkswirtschaftlich die nachhaltigere Strategie.
Forderungen an die Gesundheitspolitik
Die Allianz der Verbände richtet daher konkrete Erwartungen an den Gesetzgeber bei der Ausarbeitung des Pflegeneuordnungsgesetzes:
- Rechtssicherheit und Verfügbarkeit: Der barrierefreie Zugang zu qualitativ hochwertigen Desinfektions- und Schutzmitteln für die häusliche Pflege muss garantiert bleiben.
- Bürokratieabbau: Pflegende Angehörige dürfen bei der Beantragung und Abrechnung notwendiger Hygienemittel nicht durch zusätzliche Hürden belastet werden.
- Anerkennung von Prävention: Infektionsschutz muss als elementarer Bestandteil einer zeitgemäßen Pflegequalität fest im Gesetz verankert sein.
In den kommenden parlamentarischen Beratungen wird sich zeigen, ob die Politik dem Appell folgt und den Infektionsschutz in den eigenen vier Wänden dauerhaft krisenfest aufstellt.
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