Pflegestrukturkommission: DBfK fordert radikalen Kurswechsel in der Versorgung

Djamal Sadaghiani
DBfK zur Pflegereform: Historische Chance für echten Umbau der Versorgung

Die Debatte um die Zukunft der pflegerischen Versorgung in Deutschland erreicht einen entscheidenden Wendepunkt. Anlässlich der Einsetzung der Pflegestrukturkommission durch das Bundesgesundheitsministerium mahnt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) vor halbherzigen Schritten. Nach Einschätzung des Berufsverbands bieten die anstehenden Beratungen der Kommission eine historische Chance, um das gesamte Pflegesystem krisenfest, modern und nachhaltig finanzierbar auszurichten. Gleichzeitig warnt der DBfK eindringlich davor, den Reformprozess auf ein reines Finanzierungsdebakel zu verengen.

Reine Finanzkorrekturen verhindern den Kollaps nicht

Nach Ansicht von Pflegeexpertinnen und -experten lässt sich die drohende Krise der Pflegeversicherung nicht allein mit höheren Beiträgen oder einer Umverteilung von Geldströmen abwenden. Der demografische Wandel und die Zunahme pflegebedürftiger Menschen bei gleichzeitig gravierendem Fachkräftemangel machen strukturelle Umbrüche unumgänglich. Wer lediglich Finanzlöcher stopft, anstatt Arbeitsabläufe, Kompetenzen und Zuständigkeiten grundlegend neu zu ordnen, verspielt wertvolle Zeit.

Der DBfK fordert daher, das bislang viel zu wenig genutzte Potenzial der professionellen Pflegekräfte endlich in das Zentrum der Reformüberlegungen zu stellen. Ohne eine strukturelle Aufwertung der Berufsgruppe bleibe jede Reform reine Symptombekämpfung.

Mehr Autonomie: Eigenständiges Leistungsrecht für Pflegekräfte

Ein zentraler Hebel liegt in der Stärkung der beruflichen Selbstständigkeit. Der Verband plädiert dafür, professionell Pflegende aus der strikten Abhängigkeit von ärztlicher Delegation zu lösen. Pflegefachpersonen verfügen über fundierte Ausbildungen und Studiengänge, die sie befähigen, Pflegebedarfe eigenverantwortlich festzustellen, individuelle Versorgungsprozesse zu planen und zu steuern.

Um diese Expertise voll auszuschöpfen, wird ein eigenständiges Leistungsrecht in den Sozialgesetzbüchern V und XI verlangt. Pflegefachkräfte müssen erbrachte Steuerungs- und Versorgungsleistungen direkt mit den Kassen abrechnen dürfen. Dies entlastet nicht nur die Ärzteschaft, sondern beschleunigt auch die Hilfen für Betroffene spürbar.

Heilkunde und Fachberatung gezielt stärken

Neben der organisatorischen Unabhängigkeit drängt der DBfK auf eine praxisnahe Übertragung heilkundlicher Aufgaben an erfahrene Pflegefachpersonen – sowohl in ambulanten Diensten als auch in stationären Pflegeeinrichtungen. Routineentscheidungen, etwa in der Wundversorgung oder im Schmerzmanagement, könnten so ohne bürokratische Umwege direkt vor Ort getroffen werden.

Kritisch betrachtet der Verband zudem Tendenzen, die qualifizierte Pflegeberatung zu verwässern. Diese dürfe nicht zu einem unspezifischen Beratungsangebot beliebiger Berufsgruppen herabgestuft werden. Pflegebedürftige und Angehörige benötigen evidenzbasierte, fundierte pflegefachliche Begleitung, um Überlastungen im häuslichen Umfeld abzuwenden.

Prävention als Fundament der Versorgungszukunft

Ein weiterer Schwerpunkt der verbandlichen Forderungen betrifft die Ausrichtung auf Prävention und Rehabilitation. Ein nachhaltiges System muss darauf abzielen, Pflegebedürftigkeit so weit wie möglich hinauszuzögern oder zu verringern. Durch eine engere Vernetzung von Pflegediensten, Kommunen und Hausärzten können Risiken frühzeitig erkannt und stationäre Krankenhauseinweisungen vermieden werden. Ob die Politik diesen mutigen Schritt geht und der Pflegebranche die längst überfällige Verantwortung überträgt, wird sich in den Ergebnissen der Pflegestrukturkommission zeigen.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.