Qualitätsmonitor: Immer mehr komplexe Operationen konzentrieren sich auf Spezialkliniken
Die Einführung und Anhebung von sogenannten Mindestmengen für Krankenhäuser zeigt deutliche Wirkung: Komplexe und riskante Operationen werden in Deutschland zunehmend in weniger, dafür aber hochgradig spezialisierten Kliniken durchgeführt. Dies geht aus den aktuellen Daten des „Qualitätsmonitors“ hervor, der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) veröffentlicht wurde.
Mehr Routine rettet Leben
Bei schweren, lebensbedrohlichen Erkrankungen ist die Erfahrung des behandelnden Ärzteteams ein entscheidender Qualitätsfaktor. Die Auswertungen des WIdO belegen, dass die politischen Vorgaben zu Mindestmengen genau den gewünschten Effekt erzielen: Die Anzahl der beteiligten Krankenhaus-Standorte sinkt spürbar, während die durchschnittlichen Fallzahlen in den verbleibenden Kliniken signifikant steigen.
Für Patientinnen und Patienten bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: mehr Sicherheit. Werden hochkomplexe Eingriffe – wie beispielsweise Operationen an der Speiseröhre oder der Bauchspeicheldrüse – häufiger vom selben Team durchgeführt, sitzen die Handgriffe besser und das Risiko für gefährliche Komplikationen sinkt drastisch.
Stagnation bei der Krebsbehandlung
Trotz der erfreulichen Konzentration bei bestimmten chirurgischen Eingriffen deckt der Qualitätsmonitor auch Schwachstellen in der deutschen Versorgungslandschaft auf. Insbesondere bei der Steuerung von Krebsoperationen in zertifizierte Zentren gibt es laut den Experten der AOK nur unzureichende Fortschritte.
Ein alarmierendes Beispiel bleibt die Behandlung von Brustkrebs:
- Nach wie vor wird ein relevanter Teil der betroffenen Frauen in Kliniken operiert, die nicht von der Deutschen Krebsgesellschaft als Krebszentrum zertifiziert sind.
- Dabei belegen wissenschaftliche Studien eindeutig, dass die Behandlung in einem zertifizierten Zentrum klare Überlebensvorteile bietet.
Gravierende regionale Unterschiede
Die Daten für insgesamt sechs untersuchte medizinische Indikationen machen zudem große regionale Diskrepanzen sichtbar. Während einige Bundesländer bei der Bündelung von Fachkompetenz bereits große Erfolge verzeichnen, hinken andere Regionen hinterher. Auch bei der Notfallversorgung, etwa bei Herzinfarkten, landen Patienten mancherorts noch zu häufig in Krankenhäusern, die gar nicht über die notwendige Ausstattung – wie etwa ein Herzkatheterlabor – verfügen.
Krankenhausreform als nächster Schritt
Gesundheitsexperten sehen in der konsequenten Umsetzung der geplanten Krankenhausreform eine große Chance, diese Fehlversorgung weiter zu reduzieren. Die Einführung fester Leistungsgruppen könnte dafür sorgen, dass künftig nur noch jene Kliniken bestimmte Behandlungen abrechnen dürfen, die auch nachweislich die personellen und technischen Voraussetzungen dafür erfüllen.
Bis dahin bleibt Transparenz das wichtigste Werkzeug für Patienten. Portale wie der Qualitätsmonitor helfen dabei, sich vor einem geplanten Eingriff umfassend zu informieren und eine Klinik zu wählen, die über die nötige Routine und Expertise verfügt.
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