Gefahr fürs Herz: Warum Testosteron ohne echten Mangel riskant ist

Djamal Sadaghiani
Testosterontherapie: Herz-Risiko bei Behandlung ohne echten Mangel

Für viele Männer klingt es wie ein verlockender Jungbrunnen: Mehr Energie, ein besserer Muskelaufbau und eine gesteigerte Libido durch eine Testosterontherapie. Doch was im Internet oft als Lifestyle-Trend oder schnelle Lösung gegen das Altern angepriesen wird, kann gefährliche Folgen haben. Eine aktuelle medizinische Auswertung zeigt nun deutlich, dass die Einnahme von Testosteron ohne einen echten, ärztlich diagnostizierten Mangel das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen drastisch erhöht.

Eine riskante Abkürzung für den Körper

Immer mehr Männer im mittleren und fortgeschrittenen Alter interessieren sich für Hormonbehandlungen. Oftmals klagen sie über allgemeine Erschöpfung, Antriebslosigkeit oder einen Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit. Anstatt die Ursachen jedoch umfassend abklären zu lassen, wird nicht selten vorschnell zu Testosteronpräparaten gegriffen – teilweise im sogenannten Off-Label-Gebrauch, also ohne dass ein echter hormoneller Mangel (Hypogonadismus) vorliegt.

Eine groß angelegte Untersuchung, die kürzlich in dem renommierten Fachjournal eBioMedicine veröffentlicht wurde, schlägt nun Alarm. Ein Forschungsteam wertete weltweit die Daten von Männern im Alter zwischen 30 und 75 Jahren aus, die erstmals eine Testosterontherapie erhielten. Das erschreckende Ergebnis: Wurde das Hormon verabreicht, ohne dass zuvor ein medizinisch relevanter Testosteronmangel nachgewiesen war, stieg das Risiko für gefährliche kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte deutlich an.

Der feine Unterschied: Wann die Therapie wirklich sicher ist

Diese Warnung bedeutet jedoch nicht, dass Testosteronpräparate grundsätzlich verteufelt werden sollten. Mediziner und Fachgesellschaften, wie etwa die Deutsche Gesellschaft für Andrologie (DGA), betonen stets die Wichtigkeit einer fundierten Diagnose. Liegt bei einem Patienten ein tatsächlicher, im Blutbild nachgewiesener Testosteronmangel vor, ist eine Hormonersatztherapie nicht nur sinnvoll, sondern auch sicher.

Frühere große Untersuchungen konnten bereits belegen, dass Männer mit einem eindeutig diagnostizierten Hypogonadismus durch die Behandlung keinem erhöhten Herz-Risiko ausgesetzt sind. Im Gegenteil: Bei einem echten Defizit kann die fachgerechte Zufuhr von Testosteron den Stoffwechsel, die körperliche Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität erheblich verbessern.

Typische Anzeichen für einen echten Testosteronmangel:

  • Stark verminderte Libido und Erektionsstörungen
  • Anhaltende, unerklärliche Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Sichtbarer Rückgang der Muskelmasse bei gleichzeitiger Zunahme des Bauchfetts
  • Verlust der Körperbehaarung
  • Depressive Verstimmungen und Hitzewallungen

Finger weg von Lifestyle-Hormonen

Experten raten dringend davon ab, Testosteron als reines Lifestyle-Medikament oder Anti-Aging-Mittel zu missbrauchen. Die Grenze zwischen einer medizinisch notwendigen Therapie und einem gefährlichen Eingriff in ein gesundes Hormonsystem ist scharf gezogen. Wer sich dauerhaft müde oder abgeschlagen fühlt, sollte zunächst einen Facharzt – idealerweise einen Urologen, Andrologen oder Endokrinologen – aufsuchen.

Nur durch eine präzise ärztliche Untersuchung lässt sich feststellen, ob tatsächlich ein Hormonmangel vorliegt oder ob andere Ursachen wie Stress, Schlafmangel oder unerkannte Herz-Kreislauf-Probleme für die Beschwerden verantwortlich sind. Eines macht die aktuelle Studienlage unmissverständlich klar: Ein gesundes Herz sollte niemals für den bloßen Wunsch nach vermeintlich schneller Leistungsfähigkeit aufs Spiel gesetzt werden.

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