Revolution in der Vorsorge: Neuer Bluttest erkennt zwölf Krebsarten

Djamal Sadaghiani
Neuer Bluttest erkennt 12 Krebsarten frühzeitig | PflegeHelfer24

Die Diagnose Krebs ist für Millionen von Menschen ein schwerer Schicksalsschlag. Oft entscheidet der Zeitpunkt der Entdeckung über die Heilungschancen: Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind in der Regel die Behandlungsmöglichkeiten. Nun sorgt ein innovativer Bluttest in der medizinischen Fachwelt für Aufsehen, der genau hier ansetzt und die Früherkennung grundlegend verändern könnte.

Ein Bluttest für mehrere Krebsarten

Bislang erfordert die Krebsvorsorge oft aufwendige und belastende Untersuchungen, die zudem meist nur auf eine spezifische Krebsart abzielen. Ein neuartiger Ansatz, der sogenannte Multi-Cancer Early Detection (MCED) Test, zielt darauf ab, anhand einer einfachen Blutprobe gleich mehrere Tumorarten aufzuspüren. Der Test sucht im Blut nach winzigen DNA-Fragmenten, die von Krebszellen in die Blutbahn abgegeben werden.

Besondere Aufmerksamkeit erhält aktuell der sogenannte Galleri-Test, der darauf ausgelegt ist, bis zu zwölf verschiedene Krebsarten frühzeitig zu identifizieren. Die Hoffnung der Mediziner ist groß: Wenn Tumoren gefunden werden, bevor sie Symptome verursachen, könnten schwere Krankheitsverläufe und fortgeschrittene Stadien drastisch reduziert werden.

Die Ergebnisse der wegweisenden NHS-Galleri-Studie

Auf dem diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) wurden die mit Spannung erwarteten Daten der groß angelegten NHS-Galleri-Studie präsentiert. Mit über 140.000 symptomfreien Teilnehmern in Großbritannien ist es die erste randomisierte, kontrollierte Studie dieser Größenordnung weltweit.

Wie der leitende Studienautor Robert Charles Swanton vom University College London Cancer Institute erklärte, wurde das formale Hauptziel der Studie – eine signifikante Reduktion der Krebsdiagnosen in den späten Stadien III und IV in Kombination – zwar nicht vollständig erreicht. Dennoch liefern die detaillierten Daten äußerst vielversprechende Erkenntnisse:

  • Rückgang von Endstadium-Tumoren: Die Zahl der Diagnosen im am schwersten zu behandelnden Stadium IV konnte um 14 Prozent gesenkt werden.
  • Verschiebung in heilbare Phasen: Gleichzeitig stieg die Entdeckungsrate von Tumoren in den früheren, oft noch heilbaren Stadien I bis III um 19 Prozent an.

Experten sehen einen Meilenstein

Auch wenn der primäre Endpunkt verfehlt wurde, werten Fachleute die Ergebnisse als enormen Erfolg. Experten wie Nitzan Rosenfeld vom Barts Cancer Institute in London loben die Untersuchung als wegweisend. Die Studie sei mit größter Sorgfalt und nach höchsten wissenschaftlichen Standards durchgeführt worden. Die Verschiebung der Diagnosen hin zu früheren Stadien zeigt eindrucksvoll das Potenzial solcher Bluttests, Leben zu retten und die Belastung durch späte, unheilbare Krebserkrankungen zu verringern.

Was bedeutet das für Patienten und die Pflege?

Für ältere Menschen und Pflegebedürftige, die oft nicht mehr die physische Konstitution für belastende Screening-Verfahren wie Darm- oder Magenspiegelungen aufbringen, könnte ein einfacher Bluttest in Zukunft eine schonende Alternative oder Ergänzung darstellen. Eine frühere Diagnose bedeutet nicht nur bessere Überlebenschancen, sondern oft auch weniger aggressive Therapien, was den Erhalt der Lebensqualität im Alter maßgeblich unterstützt.

Bis der Test jedoch in die regulären Leitlinien der Krebsvorsorge aufgenommen und von den Krankenkassen standardmäßig bezahlt wird, werden noch weitere Auswertungen und Langzeitdaten benötigt. Die medizinische Welt blickt dennoch voller Optimismus in die Zukunft: Der Grundstein für eine neue Ära der Krebsdiagnostik ist gelegt.

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