Rolle rückwärts bei OPs: Kassen und Ärzte schlagen Alarm
In der Gesundheitspolitik bahnt sich ein gravierender Konflikt an: Mit einem gemeinsamen und eindringlichen Appell haben sich der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags gewandt. Beide Organisationen fordern nachdrücklich, den Ausbau ambulanter Operationen in Deutschland nicht jäh abzubrechen. Hintergrund sind kurzfristige Kürzungs- und Änderungspläne der Regierungskoalition, die das Aus für sogenannte Hybrid-DRGs ab dem 1. Januar 2028 vorsehen.
Drohendes Aus für sektorengleiche Pauschalen
Die speziellen Fallpauschalen – die sogenannten Hybrid-DRGs – wurden erst Anfang 2024 eingeführt, um Operationen gleichermaßen in Praxisräumen oder in Kliniken ambulant zu vergüten. Ziel war es, unnötige und teure Klinikübernachtungen zu vermeiden und mehr Behandlungen in das ambulante Umfeld zu verlagern. Nun sehen Änderungsanträge der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD im Rahmen aktueller Spargesetze vor, dieses Abrechnungsmodell zum Jahr 2028 wieder abzuschaffen und bereits ab 2027 spürbare Vergütungsabschläge bei Operationen ohne Übernachtung einzuführen.
Für die niedergelassene Ärzteschaft wäre dies ein schwerer Vertrauensbruch. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung haben zahlreiche Praxen und ambulante OP-Zentren nach den politischen Zusagen erheblich in moderne OP-Säle, medizintechnische Ausstattung und qualifiziertes Fachpersonal investiert. Ohne verlässliche Fallpauschalen drohe vielen Eingriffen die Unwirtschaftlichkeit.
Fatale Folgen für Patienten und Milliardenverluste
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnt vor dramatischen Konsequenzen für die Versorgung vor Ort: Wenn ambulante Eingriffe nicht mehr kostendeckend durchgeführt werden können, müssen Betroffene – darunter auch zahlreiche Kinder – selbst für kleinere Routineeingriffe wieder stationär im Krankenhaus aufgenommen werden. Neben der Belastung für Patienten und Angehörige steht auch ein gewaltiges finanzielles Potenzial auf dem Spiel. Durch das konsequente ambulante Operieren könnten Schätzungen zufolge jährlich bis zu acht Milliarden Euro im Gesundheitssystem eingespart werden.
Auch vonseiten der Krankenkassen stößt der geplante Rückschritt auf scharfe Kritik. Laut dem GKV-Spitzenverband ist der Schritt in Richtung mehr Ambulantisierung zwingend notwendig, um das Gesundheitssystem zukunftsfest und bezahlbar zu halten. Die starren Grenzen zwischen dem stationären Krankenhaussektor und den ambulanten Praxen erneut zu zementieren, sei der falsche Weg. Statt das Modell aufzugeben, müssten Verfahren weiterentwickelt und verlässliche Rahmenbedingungen für medizinische Fachkräfte geschaffen werden.
Herausforderung für Praxisteams und Pflege
Für Praxisteams und Pflegefachkräfte in ambulanten Operationszentren bedeutet der politische Schlingerkurs erhebliche Unsicherheit. Während die Politik einerseits mehr Entlastung für überfüllte Kliniken anstrebt, entzieht sie andererseits funktionierenden ambulanten Strukturen die wirtschaftliche Grundlage. Ob die Bundestagsabgeordneten den gemeinsamen Mahnungen von Kassen und Ärzteschaft folgen und die Reformpläne im parlamentarischen Verfahren noch korrigieren, bleibt abzuwarten.
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