Rückschlag in der Alzheimer-Forschung: Anti-Tau-Therapie ohne klinischen Nutzen

Djamal Sadaghiani
Rückschlag in Alzheimer-Forschung: Anti-Tau-Studie scheitert

Die Hoffnungen ruhten auf einem neuen Ansatz im Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit, doch die Ergebnisse einer aktuellen Studie bringen Ernüchterung. Nachdem Antikörper-Therapien, die auf das Beta-Amyloid-Protein abzielen, zuletzt erste Erfolge verzeichnen konnten, galt das Tau-Protein als vielversprechendes nächstes Ziel. Die kürzlich im renommierten Fachjournal JAMA veröffentlichte Phase-2-Studie PROSPECT-ALZ zeigt nun jedoch, dass eine gezielte Beeinflussung der Tau-Pathologie allein offenbar nicht ausreicht, um den Krankheitsverlauf spürbar zu verlangsamen.

Worum ging es in der PROSPECT-ALZ-Studie?

Die internationale, placebokontrollierte Studie untersuchte die Wirksamkeit des Wirkstoffs Ceperognastat, der vom Pharmaunternehmen Eli Lilly entwickelt wurde. An der Untersuchung nahmen 327 Patientinnen und Patienten aus fünf Ländern teil. Sie befanden sich im frühen Stadium einer symptomatischen Alzheimer-Erkrankung und wiesen nachweislich krankhafte Tau-Ablagerungen im Gehirn auf.

Der Wirkstoff Ceperognastat hemmt ein bestimmtes Enzym, die sogenannte O-GlcNAcase. Dieser Mechanismus soll letztlich verhindern, dass das Tau-Protein hyperphosphoryliert, sich zu neurofibrillären Bündeln verklumpt und infolgedessen Nervenzellen absterben. In präklinischen Modellen hatte dieser Ansatz die Ausbreitung der Tau-Pathologie zuvor vielversprechend gebremst.

Enttäuschende klinische Ergebnisse trotz positiver Biomarker

Nach einer Beobachtungszeit von 100 Wochen fiel das Ergebnis allerdings ernüchternd aus. Weder in der niedrigen (0,75 Milligramm) noch in der hohen Dosierung (3 Milligramm) konnte das Medikament den geistigen und funktionellen Abbau der Patienten im Vergleich zur Placebo-Gruppe aufhalten.

  • Höhere Dosis führte zu Verschlechterung: Besonders besorgniserregend war die Beobachtung, dass sich der Zustand der Patienten, die die höhere Dosis erhielten, in einigen klinischen Endpunkten sogar schneller verschlechterte als in der Kontrollgruppe.
  • Paradoxe Biomarker-Werte: Auf biologischer Ebene zeigte das Medikament durchaus Wirkung. So wurde unter anderem der Verlust an Hirnvolumen, sichtbar im MRT, reduziert und der Anstieg bestimmter Alzheimer-Biomarker gebremst.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Stellungnahme mitteilt, belegt dieses Ergebnis eindrucksvoll, dass positive Veränderungen bei biologischen Messwerten im Gehirn nicht automatisch bedeuten, dass es den Patienten auch im Alltag besser geht.

Was bedeutet das für die zukünftige Alzheimer-Forschung?

Das Scheitern der Studie bedeutet nicht zwangsläufig das Aus für alle Anti-Tau-Therapien. Vielmehr zeigt sich, wie enorm komplex die Alzheimer-Krankheit ist. Da die krankhaften Prozesse im Gehirn bereits 15 bis 20 Jahre vor den ersten Gedächtnisproblemen beginnen, setzen Therapien im symptomatischen Stadium möglicherweise schlichtweg zu spät an.

Die Forschungsgemeinschaft geht davon aus, dass in Zukunft vermutlich Kombinationstherapien notwendig sein werden, die sowohl gegen Amyloid- als auch gegen Tau-Ablagerungen vorgehen – und das idealerweise so früh wie möglich. Bis dahin bleibt der Weg zu einer umfassend wirksamen und sicheren Behandlung der Alzheimer-Demenz eine gewaltige medizinische Herausforderung.

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