Städtetag fordert Pflegevollversicherung gegen Kostenfalle im Alter

Djamal Sadaghiani
Pflegevollversicherung gefordert: Städtetag will Kommunen und Senioren entlasten

Immer mehr pflegebedürftige Menschen in Deutschland geraten durch explodierende Eigenanteile im Pflegeheim in finanzielle Not. Um dieser Entwicklung entschieden entgegenzuwirken, fordert der Deutsche Städtetag eine grundlegende Reform des bestehenden Systems: Die gesetzliche Pflegeversicherung soll schrittweise zu einer umfassenden Vollversicherung umgebaut werden.

Schutz vor dem Abrutschen in die Sozialhilfe

Bislang übernimmt die Pflegeversicherung nur einen gedeckelten Teil der pflegebedingten Aufwendungen. Steigen die Kosten für Personal und Unterbringung, müssen die Betroffenen die Differenz aus eigener Tasche zahlen. Reichen Rente und Ersparnisse nicht mehr aus, greift die sogenannte „Hilfe zur Pflege“ – eine Leistung der Sozialhilfe, die von den Kommunen finanziert wird.

Nach Ansicht des Städtetages ist dieser Zustand für Betroffene wie auch für Städte und Gemeinden untragbar geworden. Menschen, die ein Leben lang gearbeitet und Beiträge gezahlt haben, dürften im Alter nicht zum Bittsteller beim Sozialamt werden, nur weil sie auf professionelle Betreuung angewiesen sind.

Entlastung für überlastete Kommunalhaushalte

Die steigenden Zuzahlungen in Pflegeheimen belasten nicht nur pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren sowie deren Angehörige, sondern treiben auch die Sozialausgaben der Kommunen auf Rekordniveaus. Viele Städte schlagen seit Monaten Alarm, weil die rasant wachsenden Kosten für die Hilfe zur Pflege andere wichtige Zukunftsinvestitionen blockieren.

Eine Umstellung auf eine Pflegevollversicherung würde bedeuten, dass die Versicherung alle pflegebedingten Kosten übernimmt, während Pflegebedürftige lediglich für Unterkunft und Verpflegung aufkommen müssten. Dies würde den Betroffenen finanzielle Planungssicherheit garantieren und gleichzeitig die kommunalen Haushalte massiv entlasten.

Druck auf die Bundespolitik wächst

Die Diskussion über die Zukunft der Pflegefinanzierung gewinnt damit weiter an Dynamik. Experten und Verbände weisen seit Langem darauf hin, dass das derzeitige System der Pflegeversicherung an seine Grenzen stößt. Die Kernforderungen des Städtetages im Überblick:

  • Vollständige Absicherung: Verlässliche Übernahme aller versorgungsrelevanten Pflegekosten durch die Kassen.
  • Würde im Alter sichern: Vermeidung von Altersarmut und Abhängigkeit von Sozialhilfe durch hohe Heimentgelte.
  • Nachhaltige Finanzierung: Faire Lastenverteilung zwischen Bund, Ländern und Beitragszahlern zur Stabilisierung der Pflegekassen.

Ob und wie schnell die Bundespolitik den Vorschlag aufgreift, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass eine grundlegende Pflegereform zu den drängendsten sozialpolitischen Aufgaben der kommenden Jahre gehört.

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