Umfrage zeigt: Mehrheit der Menschen mit Behinderung erfährt Diskriminierung

Benedikt Hübenthal
Alltag mit Behinderung: Hohe Benachteiligung im Alltag

Für viele Menschen mit Beeinträchtigungen gehören Ausgrenzung und Vorurteile noch immer zur alltäglichen Realität. Eine aktuelle Erhebung der Sozialorganisation Aktion Mensch verdeutlicht, wie gravierend die Hürden im Alltag nach wie vor sind: Rund sechs von zehn Menschen mit Behinderung in Deutschland gaben an, in den vergangenen fünf Jahren Benachteiligung oder Diskriminierung erlebt zu haben.

Doppelt so häufig betroffen wie der Durchschnitt

Damit sind Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Einschränkungen etwa doppelt so oft von ungerechter Behandlung betroffen wie die Gesamtbevölkerung. Die repräsentativen Rückmeldungen von knapp 600 befragten Personen zeichnen ein klares Bild über bestehende gesellschaftliche Barrieren. Ein Großteil der Betroffenen – mehr als drei Viertel – empfindet die bestehenden Strukturen als unzureichend inklusiv.

Wo Barrieren im Alltag besonders belasten

Diskriminierung äußert sich selten nur in offenen Vorurteilen, sondern vielmehr in alltäglichen Hürden, die eine gleichberechtigte Teilhabe verhindern. Zu den häufig genannten Problemfeldern zählen:

  • Öffentlicher Raum und Mobilität: Defekte Aufzüge, unzugängliche Busse und Bahnen sowie fehlende Leitsysteme schränken die Bewegungsfreiheit massiv ein.
  • Gesundheitsversorgung und Pflege: Nicht alle Praxen oder Pflegeeinrichtungen sind uneingeschränkt barrierefrei oder auf spezielle Kommunikationsbedürfnisse eingestellt.
  • Arbeitsmarkt und Bürokratie: Hohe bürokratische Hürden bei der Beantragung von Hilfsmitteln sowie Vorbehalte von Arbeitgebern erschweren die berufliche Integration.
  • Freizeit und gesellschaftliches Leben: Kulturelle Angebote, Gastronomie und Sportstätten bleiben für Betroffene häufig nur schwer oder gar nicht zugänglich.

Forderung nach echter Inklusion und Umdenken

Die Ergebnisse unterstreichen, dass Inklusion nicht allein mit gesetzlichen Vorgaben erreicht werden kann. Vielmehr bedarf es eines grundlegenden Bewusstseinswandels in der Gesellschaft. Neben dem Abbau baulicher Barrieren müssen auch digitale Angebote konsequent barrierefrei gestaltet werden.

Für die Pflege- und Betreuungspraxis bedeutet dies zugleich einen klaren Auftrag: Es gilt, Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Unterstützungsbedarf im Alltag noch gezielter zu fördern und Benachteiligungen im täglichen Miteinander aktiv entgegenzutreten.

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