Versorgung statt Sparzwang: Pflegerat pocht auf Kurswechsel bei der Reform

Benedikt Hübenthal
Pflegereform: Deutscher Pflegerat fordert Neuordnung nach Versorgungsbedarf

Vor den anstehenden politischen Entscheidungen zum geplanten Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) schlägt der Deutsche Pflegerat (DPR) deutliche Töne an: Die geplante Reform dürfe sich nicht allein an kurzfristigen Kassenlagen orientieren, sondern müsse den tatsächlichen Versorgungsbedarf der Menschen ins Zentrum stellen. Ohne eine grundlegende strukturelle Neuausrichtung drohe das Gesetzesvorhaben lediglich den Mangel zu verwalten, statt die Pflege zukunftssicher aufzustellen.

Kritik an drohenden Leistungskürzungen

Nach Ansicht der Pflegeberufsverbände greift eine rein fiskalisch motivierte Betrachtung zu kurz. Werden Hürden für den Zugang zu Pflegegraden erhöht oder Entlastungsleistungen eingeschränkt, verschwinde der Unterstützungsbedarf der Betroffenen nicht – er verlagere sich lediglich in andere, oft teurere Bereiche des Gesundheitssystems. Laut dem Deutschen Pflegerat bedarf es daher vor jeder Sparmaßnahme einer fundierten Abschätzung der tatsächlichen Versorgungsfolgen.

Besonders kritisch bewertet der Verband Vorhaben, die bewährte Qualitäts- und Arbeitsstandards gefährden könnten. Die Absicherung von fairen Arbeitsbedingungen und Tariftreue sei unerlässlich, um Pflegefachpersonen im Beruf zu halten und neue Kräfte für das Berufsfeld zu gewinnen.

Prävention und Kompetenzwende als Schlüssel

Eine nachhaltige Reform muss nach Auffassung der Pflegeexperten darauf abzielen, Hilfebedürftigkeit frühzeitig zu verhindern oder hinauszuzögern. Dafür seien folgende Weichenstellungen notwendig:

  • Frühzeitige Unterstützung: Gezielte Prävention und Rehabilitation, um die Selbstständigkeit von Pflegebedürftigen möglichst lange zu erhalten.
  • Stärkung der Pflegebegleitung: Eine verbindliche Koordination der Versorgung, um Notlagen und unnötige Krankenhausaufenthalte abzuwenden.
  • Erweiterte Befugnisse für Fachkräfte: Qualifizierte Pflegefachpersonen müssen mehr Eigenverantwortung erhalten, um Versorgungsentscheidungen direkt und unbürokratisch treffen sowie abrechnen zu können.

Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Der Pflegerat mahnt an, dass die Finanzierung und Organisation der Pflege nicht isoliert betrachtet werden darf. Neben dem Bundesgesundheitsministerium seien Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen gefordert. So sollten etwa versicherungsfremde Leistungen wie Rentenbeiträge für pflegende Angehörige oder Ausbildungskosten verlässlich aus Steuermitteln gegenfinanziert werden. Nur durch eine ressortübergreifende Zusammenarbeit und den gezielten Einsatz pflegerischer Kompetenzen lasse sich die pflegerische Versorgung in Deutschland langfristig stabilisieren.

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