Versorgungsengpass in Sachsen-Anhalt: Immer weniger Ärzte für Schwangerschaftsabbrüche

Dominik Hübenthal
Weniger Ärzte für Schwangerschaftsabbrüche in Sachsen-Anhalt

Die medizinische Versorgung für ungewollt schwangere Frauen in Sachsen-Anhalt wird zunehmend schwieriger. Die Zahl der Fachärztinnen und Fachärzte, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, sinkt seit Jahren kontinuierlich. Dies führt in einigen Regionen zu eklatanten Versorgungslücken und stellt betroffene Frauen vor große Herausforderungen.

Drastischer Rückgang bei autorisierten Fachärzten

Wie aus einer aktuellen Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion hervorgeht, ist die Anzahl der berechtigten Mediziner in den vergangenen Jahren stark gesunken. Während im Jahr 2017 noch 40 Ärztinnen und Ärzte über eine entsprechende Genehmigung verfügten, ist diese Zahl mittlerweile auf unter 30 gefallen. Besonders in ländlichen Regionen spitzt sich die Lage zu: In manchen Landkreisen gibt es nur noch einen einzigen Arzt, der diese Eingriffe vornimmt. Im Landkreis Mansfeld-Südharz gibt es laut Angaben der Landesregierung bereits seit 2023 gar keinen Frauenarzt mehr mit einer solchen Genehmigung.

Gravierende Folgen für ungewollt Schwangere

Susan Sziborra-Seidlitz, die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen in Sachsen-Anhalt, bezeichnet diese Entwicklung als äußerst besorgniserregend. Wenn immer weniger Praxen entsprechende Eingriffe anbieten, wächst die Belastung für die Frauen enorm. Zu den konkreten Hürden gehören:

  • Lange Anfahrtswege: Frauen müssen oft weite Strecken in andere Landkreise oder Städte auf sich nehmen.
  • Verzögerte Termine: Betroffene müssen häufig mehrere Praxen abtelefonieren und lange auf einen Termin warten, was bei einem zeitkritischen Eingriff psychisch extrem belastend ist.
  • Fehlende Wahlmöglichkeiten: Die freie Wahl der ärztlichen Betreuung ist in vielen Regionen faktisch nicht mehr gegeben.

Forderung nach Reformen und besserer Ausbildung

Um dem Negativtrend entgegenzuwirken, werden politische Forderungen lauter. So wird unter anderem vorgeschlagen, bei Neueinstellungen von Fachärzten in landeseigenen Kliniken die Bereitschaft zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen als wichtiges Kriterium zu berücksichtigen. Zudem wird eine grundlegende Reform der medizinischen Ausbildung gefordert. Derzeit gibt es in Sachsen-Anhalt nur wenige bekannte Kliniken und Praxen, in denen angehende Medizinerinnen und Mediziner die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen im Rahmen ihrer Ausbildung praktisch erlernen können.

Gesamtzahl der Abbrüche ebenfalls rückläufig

Parallel zu der abnehmenden Zahl der Ärzte ist auch die Gesamtzahl der Schwangerschaftsabbrüche im Bundesland gesunken. Nach Erhebungen des Statistischen Landesamtes wurden in den letzten Jahren rund 11 Prozent weniger Abbrüche verzeichnet als noch vor zehn Jahren. Die meisten der betroffenen Frauen waren zum Zeitpunkt des Eingriffs zwischen 18 und 39 Jahren alt. Trotz der sinkenden Fallzahlen bleibt die Sicherstellung einer flächendeckenden und stigmatisierungsfreien medizinischen Versorgung jedoch eine dringliche Aufgabe für die Gesundheitspolitik des Landes.

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