Angehörige im Bett richtig drehen: Rückenschonende Tipps für den Pflegealltag

Angehörige im Bett richtig drehen: Rückenschonende Tipps für den Pflegealltag

Einleitung: Warum das richtige Drehen im Bett so wichtig ist

Die Pflege eines geliebten Menschen in den eigenen vier Wänden ist eine Aufgabe, die höchsten Respekt verdient. Sie ist geprägt von Zuneigung und Fürsorge, verlangt den pflegenden Angehörigen jedoch auch enorme körperliche und psychische Kraft ab. Eine der häufigsten und gleichzeitig körperlich anspruchsvollsten Tätigkeiten im Pflegealltag ist das regelmäßige Umlagern und Drehen der pflegebedürftigen Person im Bett. Wer hierbei die falsche Technik anwendet, riskiert nicht nur Schmerzen und Verletzungen beim Pflegebedürftigen, sondern vor allem chronische Rückenleiden bei sich selbst.

Das regelmäßige Drehen erfüllt einen essenziellen medizinischen Zweck: Es dient der Dekubitusprophylaxe (Vorbeugung von Druckgeschwüren), fördert die Durchblutung, erleichtert die Atmung und beugt Lungenentzündungen (Pneumonieprophylaxe) sowie Gelenkversteifungen (Kontrakturen) vor. Ein bettlägeriger Mensch sollte, je nach individuellem Risiko und Hautzustand, in der Regel alle zwei bis vier Stunden in seiner Position verändert werden. Dies bedeutet für pflegende Angehörige, dass sie diese schwere körperliche Arbeit mehrmals täglich und oft auch nachts verrichten müssen.

Dieser umfassende Ratgeber richtet sich direkt an Sie als pflegende Angehörige. Wir zeigen Ihnen detailliert, wie Sie mit den richtigen Handgriffen, den Prinzipien der Kinästhetik und dem gezielten Einsatz von Pflegehilfsmitteln den Positionswechsel im Bett mühelos, sicher und absolut rückenschonend gestalten können. Sie lernen, wie Sie das Gewicht des Pflegebedürftigen nutzen, statt es mit reiner Muskelkraft zu heben, und wie Sie Ihren eigenen Körper vor Überlastung schützen.

Die körperliche Belastung verstehen: Warum der Rücken leidet

Um zu verstehen, warum rückenschonendes Arbeiten so extrem wichtig ist, müssen wir einen kurzen Blick auf die Biomechanik unseres Körpers werfen. Die menschliche Wirbelsäule ist ein Wunderwerk der Natur, aber sie ist nicht dafür konstruiert, schwere, unhandliche Lasten – wie einen erwachsenen Menschen – in vorgebeugter, verdrehter Haltung zu heben. Genau diese Haltung nehmen jedoch viele ungeschulte Pflegende intuitiv ein, wenn sie jemanden im Bett zu sich heranziehen oder drehen möchten.

Wenn Sie sich mit durchgedrückten Knien über ein zu niedriges Bett beugen und an Schultern oder Becken des Pflegebedürftigen ziehen, wirken enorme Hebelkräfte auf Ihre Bandscheiben im Lendenwirbelbereich. Bei einem Patientengewicht von 70 Kilogramm kann die Belastung auf die untere Lendenwirbelsäule bei falscher Hebetechnik schnell den Druck von mehreren hundert Kilogramm erreichen. Die Folgen sind gravierend: Muskelverspannungen, Hexenschuss (Lumbago), Bandscheibenvorfälle und chronische Schmerzsyndrome sind die häufigsten Gründe, warum Angehörige die häusliche Pflege vorzeitig aufgeben müssen.

Das oberste Gebot in der Pflege lautet daher: Gewicht wird verlagert, nicht gehoben! Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie das gesamte Körpergewicht Ihres Angehörigen tragen. Durch die Nutzung der Schwerkraft, die richtige Hebelwirkung und kleine Hilfsmittel lässt sich der Kraftaufwand auf ein absolutes Minimum reduzieren.

Grundlagen der Kinästhetik: Bewegung statt Heben

In der professionellen Pflege hat sich das Konzept der Kinästhetik (die Lehre von der Bewegungsempfindung) als Standard etabliert. Die Kinästhetik betrachtet Bewegung nicht als reinen Kraftakt, sondern als einen interaktiven Prozess zwischen Pflegendem und Pflegebedürftigem. Ziel ist es, die vorhandenen Bewegungsressourcen des kranken Menschen optimal zu nutzen und ihn aktiv in den Bewegungsablauf einzubeziehen, selbst wenn er nur noch über minimale Eigenkräfte verfügt.

Die Prinzipien der kinästhetischen Mobilisation

Um die Kinästhetik im häuslichen Pflegealltag erfolgreich anzuwenden, sollten Sie folgende Grundprinzipien verinnerlichen:

  • Massen und Zwischenräume: Der menschliche Körper besteht aus "Massen" (Kopf, Brustkorb, Becken, Arme, Beine), die durch "Zwischenräume" (Hals, Taille, Gelenke) verbunden sind. Anstatt den ganzen Körper auf einmal bewegen zu wollen (was immens schwer ist), bewegen Sie die Massen nacheinander. Wenn sich das Becken dreht, folgt der Brustkorb fast von allein.

  • Ressourcenförderung: Lassen Sie Ihren Angehörigen alles tun, was er noch selbst tun kann. Kann er den Kopf selbst drehen? Kann er ein Bein aufstellen? Jede noch so kleine Eigenbewegung reduziert Ihr zu bewegendes Gewicht drastisch.

  • Zug- und Druckvermeidung: Greifen Sie niemals unter die Achseln oder ziehen Sie an den Gelenken. Dies ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann zu schweren Gelenkverletzungen (Luxationen) führen. Führen Sie die Bewegung stattdessen durch flächiges Auflegen Ihrer Hände auf die Körperstämme (Schulterblatt, Beckenkamm).

  • Gewichtsverlagerung: Bewegen Sie den Körper Ihres Angehörigen immer in die Richtung, in die das Gewicht verlagert werden soll. Um jemanden auf die Seite zu drehen, muss das Gewicht zuerst auf die Seite gebracht werden, auf der er später liegen soll.

Die richtige Ausgangshaltung für Pflegende

Bevor Sie Ihren Angehörigen berühren, müssen Sie Ihre eigene Haltung korrigieren. Eine stabile, ergonomische Ausgangsposition ist Ihr wichtigster Schutzschild gegen Rückenschmerzen:

  1. Schrittstellung einnehmen: Stellen Sie Ihre Füße etwa schulterbreit auseinander, wobei ein Fuß leicht nach vorne versetzt ist (Schrittstellung). Dies gibt Ihnen eine breite Unterstützungsfläche und maximale Stabilität.

  2. Knie leicht beugen: Blockieren Sie niemals Ihre Kniegelenke. Leicht gebeugte Knie wirken wie Stoßdämpfer und erlauben es Ihnen, die Kraft aus den starken Oberschenkelmuskeln zu holen, anstatt aus dem Rücken.

  3. Rücken gerade halten: Halten Sie Ihre Wirbelsäule in ihrer natürlichen, leicht geschwungenen S-Form. Spannen Sie Ihre Bauch- und Rumpfmuskulatur leicht an, um ein "natürliches Korsett" zu bilden.

  4. Körpernahes Arbeiten: Treten Sie so nah wie möglich an das Bett heran. Je weiter Sie Ihre Arme ausstrecken müssen, desto größer wird der Hebel und damit die Belastung für Ihren Rücken.

  5. Bewegung aus den Beinen: Wenn Sie den Pflegebedürftigen bewegen, verlagern Sie Ihr eigenes Körpergewicht von dem vorderen auf das hintere Bein (oder umgekehrt). Ihre Arme bleiben dabei relativ starr am Körper; die eigentliche Bewegungskraft kommt aus Ihren Beinen und Ihrer Gewichtsverlagerung.

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Eine Pflegende steht in ergonomischer Schrittstellung nah an einem höhenverstellbaren Pflegebett. Sie hält den Rücken gerade und beugt leicht die Knie. Die Szene ist hell, professionell und zeigt die richtige, rückenschonende Körperhaltung in einem gemütlichen Zuhause.

Die richtige Schrittstellung am Bett schont Ihren Rücken bei der Pflege enorm.

Vorbereitung des Positionswechsels: Sicherheit geht vor

Ein überstürzter Positionswechsel führt fast immer zu Fehlbelastungen und Stress auf beiden Seiten. Nehmen Sie sich Zeit für die Vorbereitung. Eine gute Vorbereitung macht 50 Prozent des erfolgreichen Transfers aus.

Kommunikation mit der pflegebedürftigen Person

Erschrecken Sie Ihren Angehörigen nicht durch plötzliche Berührungen. Ein Mensch, der überrascht wird, spannt instinktiv seine Muskeln an. Diese Spastik oder Abwehrspannung macht den Körper starr und schwer wie Blei. Kündigen Sie stattdessen jeden Schritt ruhig und deutlich an.

Sagen Sie beispielsweise: "Papa, ich möchte dich jetzt auf die linke Seite drehen, damit dein Rücken entlastet wird. Bitte hilf mir dabei. Drehe zuerst deinen Kopf nach links und schau zur Wand." Durch diese Ansprache geben Sie Orientierung, nehmen die Angst vor dem Herunterfallen und aktivieren die motorischen Zentren im Gehirn des Pflegebedürftigen.

Das Pflegebett optimal einstellen

Ein normales Ehebett ist für die Pflege absolut ungeeignet, da es viel zu niedrig ist. Die wichtigste Voraussetzung für rückenschonendes Arbeiten ist ein elektrisch höhenverstellbares Pflegebett.

  • Arbeitshöhe anpassen: Fahren Sie das Bett vor jedem (!) Positionswechsel auf die für Sie ergonomisch richtige Höhe. Als Faustregel gilt: Die Matratzenoberkante sollte sich etwa auf Höhe Ihrer Hüftgelenke (Leistenbeuge) befinden, wenn Sie aufrecht daneben stehen.

  • Bett flachstellen: Sofern medizinisch nichts dagegen spricht (z.B. schwere Atemnot oder Reflux), fahren Sie das Kopf- und Fußteil des Bettes komplett flach. Es ist extrem anstrengend, jemanden "bergauf" zu drehen oder im Bett nach oben zu ziehen.

  • Sicherheitsmaßnahmen: Entfernen Sie störende Kissen und Decken, die im Weg liegen könnten. Stellen Sie sicher, dass die Bremsen des Bettes arretiert sind. Wenn Sie den Patienten zu sich heranrollen, lassen Sie das Bettgitter auf Ihrer Seite unten, stellen Sie es aber auf der gegenüberliegenden Seite hoch, um ein Herausfallen zu verhindern.

Schritt-für-Schritt-Anleitungen: Die wichtigsten Bewegungsabläufe

Im Folgenden erklären wir Ihnen die drei häufigsten Bewegungsabläufe im Pflegealltag. Lesen Sie sich diese Anleitungen in Ruhe durch und üben Sie sie idealerweise zuerst "trocken" mit einem gesunden Familienmitglied, bevor Sie sie bei Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen anwenden.

1. Drehen von der Rücken- in die Seitenlage (zu sich heran)

Das Drehen des Patienten zu sich heran ist immer sicherer und rückenschonender als das Wegdrücken. Wenn Sie den Patienten zu sich heranrollen, haben Sie die volle Kontrolle und der Patient hat weniger Angst zu fallen, da Ihr Körper eine natürliche Barriere bildet.

  1. Vorbereitung: Stellen Sie sich auf die Seite des Bettes, zu der der Patient gedreht werden soll. Das Bett ist auf Hüfthöhe, flachgestellt.

  2. Kopfausrichtung: Bitten Sie Ihren Angehörigen, den Kopf in Ihre Richtung zu drehen (oder drehen Sie ihn sanft). Die Blickrichtung gibt die Bewegungsrichtung des gesamten Körpers vor.

  3. Arme positionieren: Legen Sie den Arm des Patienten, der Ihnen am nächsten ist, etwas abgewinkelt neben seinen Körper, damit er später nicht darauf liegt. Den anderen, weiter entfernten Arm legen Sie über die Brust des Patienten.

  4. Bein aufstellen: Winkeln Sie das Bein des Patienten an, das weiter von Ihnen entfernt ist. Stellen Sie den Fuß flach auf die Matratze. (Beispiel: Wenn Sie auf der linken Bettseite stehen, winkeln Sie das rechte Bein des Patienten an).

  5. Der Griff: Greifen Sie nun mit einer Hand flächig an das Schulterblatt der weiter entfernten Schulter und mit der anderen Hand an die Außenseite des aufgestellten Knies oder an den Beckenkamm. Wichtig: Greifen Sie nicht in die Gelenke und ziehen Sie nicht am Arm!

  6. Die Drehung: Nehmen Sie Ihre Schrittstellung ein. Verlagern Sie nun Ihr eigenes Körpergewicht von Ihrem vorderen auf Ihr hinteres Bein. Durch diesen sanften Zug kippt das aufgestellte Knie in Ihre Richtung und zieht das Becken nach. Der Schultergürtel folgt der Bewegung. Der Patient rollt fast von allein, angetrieben durch die Schwerkraft des aufgestellten Beines, in die Seitenlage.

  7. Position sichern: Stützen Sie den Rücken und die Knie des Patienten sofort mit Kissen oder speziellen Lagerungsrollen ab, damit er nicht zurück in die Rückenlage rollt.

2. Höherrutschen im Bett (Richtung Kopfende)

Pflegebedürftige rutschen im Laufe des Tages oft in Richtung Fußende, besonders wenn das Kopfteil hochgestellt war. Das Wieder-Hochziehen ist eine der schwersten Aufgaben und der häufigste Grund für Rückenverletzungen bei Pflegenden. Ziehen Sie niemals einen Patienten unter den Achseln nach oben!

Die ressourcenorientierte Methode (für Patienten, die noch etwas Kraft in den Beinen haben):

  1. Bett komplett flachstellen. Kissen am Kopfende entfernen (damit der Kopf nicht gegen das Kopfbrett stößt).

  2. Bitten Sie den Patienten, beide Beine aufzustellen (Knie beugen, Füße flach auf die Matratze).

  3. Der Patient legt seine Arme auf die Brust oder greift nach dem Bettgalgen (falls vorhanden).

  4. Stellen Sie sich seitlich ans Bett in Schrittstellung (Blickrichtung zum Kopfende).

  5. Legen Sie einen Arm unter die Schultern/den Nacken des Patienten (um den Kopf zu stützen) und den anderen unter das Gesäß.

  6. Auf das Kommando "1, 2, 3" drückt sich der Patient mit den Füßen ab und schiebt sich nach oben. Sie unterstützen die Bewegung lediglich, indem Sie durch Gewichtsverlagerung auf Ihr vorderes Bein den Körper sanft nach oben "gleiten" lassen. Sie heben nicht, Sie führen nur die Bewegung.

Tipp: Wenn der Patient sich nicht selbst abdrücken kann, ist der Einsatz einer Gleitmatte (siehe Kapitel Hilfsmittel) zwingend erforderlich, um Ihren Rücken zu schonen.

3. Aufsetzen an die Bettkante (Mobilisation)

Das Aufsetzen ist der erste Schritt, um das Bett zu verlassen (z.B. für den Transfer in den Rollstuhl). Es regt den Kreislauf an und fördert die Rumpfkontrolle.

  1. Drehen Sie den Patienten zunächst in die Seitenlage (mit Blick zu Ihnen an die Bettkante).

  2. Fahren Sie das Kopfteil des Bettes leicht nach oben (ca. 30 Grad), um die Bewegung zu unterstützen.

  3. Bringen Sie die Beine des Patienten vorsichtig über die Bettkante, sodass die Unterschenkel nach unten hängen. Das Gewicht der hängenden Beine wirkt nun als Gegengewicht (Hebelwirkung).

  4. Greifen Sie mit einem Arm unter die Schulter des Patienten, die auf der Matratze liegt. Ihre andere Hand stützt das Becken.

  5. Bitten Sie den Patienten, sich mit dem freien, oben liegenden Arm auf der Matratze abzustützen.

  6. Während die Beine des Patienten weiter nach unten sinken, verlagern Sie Ihr Gewicht nach hinten und führen den Oberkörper des Patienten in einer leichten Bogenbewegung nach oben in den Sitz.

  7. Bleiben Sie unbedingt dicht vor dem Patienten stehen, bis sein Kreislauf stabil ist, um ein Vornüberkippen zu verhindern.

Eine detaillierte, realistische Szene: Eine pflegende Tochter hilft ihrem älteren Vater sanft, sich im Bett auf die Seite zu drehen. Sie hat ihre Hände flächig an seiner Schulter und Hüfte positioniert. Das Zimmer wirkt warm, aufgeräumt und wohnlich.

Mit flächigen Berührungen an Schulter und Becken lässt sich der Körper sanft drehen.

Hilfsmittel für den rückenschonenden Transfer

Selbst mit der besten kinästhetischen Technik stoßen pflegende Angehörige bei schweren, vollständig immobilen oder stark schmerzgeplagten Patienten an ihre körperlichen Grenzen. Hier kommen professionelle Pflegehilfsmittel ins Spiel. Sie reduzieren die Reibung, minimieren den Kraftaufwand und machen den Transfer für beide Seiten sicher. Viele dieser Hilfsmittel können vom Arzt verordnet und von der Pflegekasse bezahlt werden.

Gleitmatten und Rutschlaken (Die Reibung besiegen)

Das größte Hindernis beim Bewegen im Bett ist die Reibung zwischen dem Körper des Patienten, der Kleidung und dem Bettlaken. Gleitmatten (oft auch als Gleitschläuche bezeichnet) sind aus einem extrem reibungsarmen, seidigen Nylonmaterial gefertigt. Sie bestehen aus einem geschlossenen Schlauch, bei dem die obere und untere Stoffschicht mühelos übereinander gleiten.

  • Anwendung beim Höherrutschen: Die Gleitmatte wird (ähnlich wie beim Beziehen eines Bettes mit einem Patienten darin) unter das Becken und die Schultern des Patienten gerollt. Sobald der Patient auf der Matte liegt, ist die Reibung nahezu aufgehoben. Sie können den Patienten nun mit minimalem Kraftaufwand – oft reicht der Zug mit zwei Fingern an einem Stecklaken – in Richtung Kopfende gleiten lassen.

  • Anwendung beim Drehen: Auch beim Drehen schwerer Patienten in die Seitenlage nimmt eine Gleitmatte den Widerstand aus der Bewegung. Nach dem Positionswechsel muss die Gleitmatte jedoch zwingend wieder entfernt werden, da der Patient sonst unkontrolliert im Bett rutschen könnte und das Material nicht atmungsaktiv ist (Gefahr des Schwitzens und der Hautaufweichung).

Stecklaken und Haltegurte

Ein Stecklaken (ein quer über das normale Laken gelegtes, festes Baumwolltuch, das von der Schulter bis zu den Oberschenkeln reicht) ist ein einfaches, aber effektives Hilfsmittel. Es ermöglicht es zwei Pflegepersonen, auf beiden Seiten des Bettes stehend, den Patienten schonend anzuheben und umzupositionieren, ohne direkt an seiner Haut oder seinen Gliedmaßen ziehen zu müssen. Das Stecklaken verteilt den Zug gleichmäßig über den gesamten Rumpf.

Haltegurte (Transfergurte) werden dem Patienten um die Taille gelegt. Sie verfügen über stabile Schlaufen, an denen die Pflegeperson sicher greifen kann, wenn der Patient an der Bettkante sitzt oder in den Rollstuhl transferiert wird. Dies verhindert den gefährlichen Reflex, den Patienten unter den Achseln zu greifen.

Bettgalgen (Aufrichter) und Strickleitern

Der klassische Bettgalgen mit Triangel-Griff gehört zur Standardausstattung eines jeden Pflegebettes. Er ist hervorragend geeignet für Patienten, die noch über Kraft in den Armen und im Schultergürtel verfügen. Der Patient kann sich daran hochziehen, um das Gesäß zu entlasten (z.B. um eine Steckbecken unterzuschieben) oder um beim Höherrutschen mitzuhelfen.

Eine Alternative ist die Bett-Strickleiter. Diese wird am Fußende des Bettes befestigt. Der Patient kann sich Sprosse für Sprosse aus der liegenden in die sitzende Position hochziehen. Dies stärkt die Bauch- und Armmuskulatur und fördert die Eigenständigkeit.

Der Patientenlifter: Für den schweren Transfer

Wenn ein Patient das Bett verlassen soll (z.B. in den Rollstuhl oder Pflegesessel), aber seine Beine ihn nicht mehr tragen können, ist ein Patientenlifter unverzichtbar. Der Lifter schützt den Rücken der Pflegeperson zu 100 Prozent.

  • Passive Lifter (Tuchlifter): Der Patient wird im Bett in ein spezielles Hebetuch gerollt. Der Lifter wird herangefahren, das Tuch an den Haken befestigt, und der Patient wird elektrisch oder hydraulisch angehoben. Dies eignet sich für vollständig immobile Menschen.

  • Aktive Lifter (Steh-Aufrichter): Diese erfordern, dass der Patient noch kurzzeitig auf den Beinen stehen kann (mit Unterstützung). Der Lifter stützt die Knie und zieht den Oberkörper über einen Gurt sanft in den Stand. Dies ist ideal für den Transfer zur Toilette und trainiert gleichzeitig die Beinmuskulatur.

Hinweis: Der Umgang mit einem Lifter erfordert eine professionelle Einweisung durch das Sanitätshaus, da bei falscher Anwendung Sturzgefahr besteht.

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Unabhängige Beratung zu Pflegehilfsmitteln und Zuschüssen

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Ein modernes, elektrisches Pflegebett in einem aufgeräumten Zimmer. Auf der Matratze liegt eine seidenartige, hellblaue Gleitmatte unter einem älteren Patienten. Ein Pfleger steht entspannt daneben und nutzt die Matte für einen mühelosen Positionswechsel.

Eine Gleitmatte reduziert die Reibung und erleichtert das Höherrutschen im Bett spürbar.

Besonderheiten bei spezifischen Krankheitsbildern

Jede Erkrankung bringt ihre eigenen Herausforderungen bei der Mobilisation mit sich. Standardtechniken müssen oft an das spezifische Krankheitsbild angepasst werden, um Schmerzen zu vermeiden und den Patienten optimal zu fördern.

Mobilisation nach einem Schlaganfall (Hemiplegie)

Patienten mit einer Halbseitenlähmung (Hemiplegie) nach einem Schlaganfall bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Hier wird in der professionellen Pflege häufig das Bobath-Konzept angewendet. Ziel ist es, die gelähmte Seite (die "mehr betroffene Seite") in den Alltag zu integrieren und Spastiken zu vermeiden.

  • Niemals an der gelähmten Seite ziehen! Das Schultergelenk der gelähmten Seite ist extrem instabil. Ein Zug am Arm kann sofort zu einer schmerzhaften Auskugelung (Schulterluxation) führen.

  • Drehen über die betroffene Seite: Oft ist es therapeutisch sinnvoll, den Patienten auf die gelähmte Seite zu drehen, um ihm ein Körpergefühl für diese Seite zu geben. Achten Sie dabei penibel darauf, dass die gelähmte Schulter nach vorne gezogen wird (Protraktion), damit der Patient nicht mit seinem vollen Gewicht auf dem Gelenk liegt.

  • Kommunikation: Treten Sie immer von der Seite an das Bett heran, auf der der Patient Sie sehen und wahrnehmen kann.

Positionswechsel bei Menschen mit Demenz

Bei fortgeschrittener Demenz ist oft das kognitive Verständnis für den Bewegungsablauf verloren gegangen. Berührungen können als Bedrohung empfunden werden, was zu starker Abwehrspannung, Schlagen oder Schreien führt.

  • Blickkontakt und Beruhigung: Stellen Sie immer zuerst Blickkontakt her. Nähern Sie sich von vorne, nicht von hinten oder der Seite. Sprechen Sie mit ruhiger, tiefer Stimme.

  • Basale Stimulation: Beginnen Sie mit einer eindeutigen, flächigen Berührung (z.B. an der Schulter), damit der Demenzkranke spürt, wo Sie sind und was passiert. Vermeiden Sie spitze, zögerliche Berührungen mit den Fingerspitzen, da diese kitzeln oder erschrecken können.

  • Zeit geben: Menschen mit Demenz haben oft eine verlängerte Reizverarbeitungszeit. Geben Sie eine Anweisung (z.B. "Bein aufstellen") und warten Sie geduldig 10 bis 15 Sekunden, bevor Sie die Bewegung selbst ausführen.

Schmerzpatienten und palliative Situationen

In der Palliativpflege oder bei schweren Schmerzsyndromen (z.B. Knochenmetastasen, schwere Osteoporose) tritt das Ziel der Aktivierung in den Hintergrund. Hier zählt ausschließlich die Linderung von Leiden und die Schmerzvermeidung.

  • Stimmen Sie den Positionswechsel mit dem Medikamentenplan ab. Drehen Sie den Patienten etwa 30 bis 45 Minuten nach der Gabe von Schmerzmitteln (Analgetika), wenn diese ihre maximale Wirkung entfalten.

  • Bewegen Sie den Patienten in Zeitlupe. Nutzen Sie weiche Lagerungskissen und führen Sie Bewegungen fließend ohne Ruckeln aus.

  • In der terminalen Phase (Sterbephase) wird auf streng getaktetes Umlagern oft verzichtet, wenn es dem Patienten mehr Qualen bereitet als nützt. Hier gilt der Grundsatz: Komfort vor Prophylaxe.

Dekubitusprophylaxe: Warum das Drehen medizinisch notwendig ist

Einer der Hauptgründe, warum Sie Ihren Angehörigen regelmäßig im Bett drehen müssen, ist die Vermeidung von Druckgeschwüren (Dekubitus). Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Er entsteht, wenn über einen längeren Zeitraum Druck auf eine bestimmte Körperstelle ausgeübt wird.

Entstehung von Druckgeschwüren verstehen

Wenn ein Mensch regungslos im Bett liegt, drückt sein eigenes Körpergewicht die feinen Blutgefäße (Kapillaren) in der Haut zusammen. Das Gewebe wird nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Bleibt dieser Zustand bestehen, sterben die Zellen ab (Nekrose). Ein Dekubitus kann dramatische Ausmaße annehmen, bis auf den Knochen reichen, extreme Schmerzen verursachen und zu lebensgefährlichen Blutvergiftungen (Sepsis) führen.

Besonders gefährdet sind Körperstellen, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen und wenig Fett- oder Muskelgewebe als Polster dient (Risikozonen):

  • Kreuzbein und Steißbein (besonders beim Sitzen oder bei halb aufgerichtetem Bett)

  • Fersen und Knöchel

  • Rollhügel (die großen Knochenvorsprünge an der Außenseite der Hüfte)

  • Schulterblätter und Hinterkopf

  • Ellenbogen

Bewährte Lagerungstechniken

Um den Druck von diesen gefährdeten Stellen zu nehmen, ist ein regelmäßiger Positionswechsel unerlässlich. Die Pflegepraxis kennt hierfür spezifische Lagerungsarten:

Die 30-Grad-Lagerung: Dies ist die Standardlagerung zur Dekubitusprophylaxe. Der Patient wird nicht komplett auf die Seite (90 Grad) gedreht, da dies den Druck lediglich vom Kreuzbein auf den empfindlichen Rollhügel der Hüfte verlagern würde. Stattdessen wird der Patient nur um etwa 30 Grad angekippt. Zur Stabilisierung wird ein langes Lagerungskissen (oder eine gefaltete Bettdecke) in den Rücken gelegt, das von der Schulter bis zum Gesäß reicht. Ein weiteres Kissen kommt zwischen die Knie, um Reibung zu vermeiden. In dieser Position wird das Körpergewicht großflächig auf die muskulöse Rückenpartie verteilt, während Kreuzbein und Hüftknochen frei liegen.

Die Mikrolagerung: Wenn Patienten sehr schmerzempfindlich sind oder eine große Umlagerung nachts den Schlaf massiv stört, kann die Mikrolagerung angewendet werden. Hierbei werden lediglich kleine Veränderungen der Gelenkwinkel vorgenommen. Man schiebt beispielsweise ein kleines, gefaltetes Handtuch unter eine Beckenseite, unter eine Schulter oder unter die Waden (um die Fersen freizulegen). Nach ein bis zwei Stunden wird das Handtuch auf die andere Seite gewechselt. Diese minimalen Veränderungen reichen oft aus, um die Durchblutung der Kapillaren wiederherzustellen.

Ein älterer Mensch liegt entspannt in einer 30-Grad-Seitenlage im Bett. Ein weiches, langes Lagerungskissen stützt sanft den Rücken, ein weiteres kleines Kissen liegt zwischen den Knien. Friedliche, ruhige Schlafatmosphäre im sanft gedimmten Licht.

Die 30-Grad-Lagerung nimmt den Druck effektiv von gefährdeten Stellen wie dem Kreuzbein.

Finanzierung von Pflegehilfsmitteln in Deutschland

Die Anschaffung von Pflegebetten, Liftern und Gleitmatten ist kostspielig. Glücklicherweise lässt Sie der Gesetzgeber in Deutschland hierbei nicht allein. Voraussetzung für finanzielle Unterstützung ist in der Regel das Vorliegen eines anerkannten Pflegegrades (1 bis 5).

Der Weg über die Pflegekasse und das Hilfsmittelverzeichnis

Pflegehilfsmittel, die die Pflege erleichtern, Beschwerden lindern oder eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen, werden von den Pflegekassen getragen. Die gesetzliche Grundlage hierfür bildet das Elfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI).

  • Technische Pflegehilfsmittel: Hierzu zählen Pflegebetten, Patientenlifter oder Bettgalgen. Diese werden von der Pflegekasse in der Regel leihweise zur Verfügung gestellt. Wenn Sie oder Ihr Angehöriger das 18. Lebensjahr vollendet haben, müssen Sie lediglich eine gesetzliche Zuzahlung von 10 Prozent, maximal jedoch 25 Euro pro Hilfsmittel, leisten.

  • Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel: Für Dinge wie Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen oder Desinfektionsmittel steht Ihnen bei anerkanntem Pflegegrad eine Pauschale von bis zu 40 Euro monatlich zu.

  • Wie beantragt man Hilfsmittel? Sprechen Sie mit dem behandelnden Hausarzt. Dieser kann eine ärztliche Verordnung (Rezept) über das benötigte Hilfsmittel ausstellen (z.B. "Gleitmatte zur Erleichterung der Pflege"). Dieses Rezept reichen Sie zusammen mit einem Antrag bei der zuständigen Pflegekasse ein. Viele Sanitätshäuser übernehmen diesen bürokratischen Schritt auch gerne für Sie.

Zuschüsse zur Wohnumfeldverbesserung

Wenn das Schlafzimmer umgebaut werden muss, um beispielsweise Platz für ein Pflegebett oder einen Lifter zu schaffen, oder wenn Türschwellen entfernt werden müssen, greift der § 40 Abs. 4 SGB XI. Die Pflegekasse zahlt einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme für sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Leben mehrere Pflegebedürftige in einem Haushalt, kann dieser Betrag sogar auf bis zu 16.000 Euro steigen.

Für hochaktuelle und verbindliche Details zu Leistungsbeträgen empfiehlt sich stets ein Blick auf die offiziellen Informationen der Bundesregierung. Ausführliche Informationen zu Pflegeleistungen finden Sie direkt beim Bundesministerium für Gesundheit.

Professionelle Unterstützung und Entlastung für Angehörige

Niemand muss die häusliche Pflege komplett alleine stemmen. Es ist ein Zeichen von Stärke, sich rechtzeitig Hilfe zu holen, bevor die eigene Gesundheit unter der körperlichen und emotionalen Belastung zusammenbricht.

Kostenlose Pflegekurse nach § 45 SGB XI

Wussten Sie, dass Sie als pflegender Angehöriger einen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose Pflegekurse haben? Die Pflegekassen sind gesetzlich verpflichtet, Schulungen anzubieten (§ 45 SGB XI). In diesen Kursen, die oft von erfahrenen Pflegefachkräften oder Physiotherapeuten geleitet werden, lernen Sie die in diesem Artikel beschriebenen kinästhetischen Handgriffe ganz praktisch. Sie üben an Pflegebetten und mit echten Liftern. Viele Kassen bieten sogar individuelle Schulungen direkt bei Ihnen zu Hause am Bett des Angehörigen an.

Ambulante Pflegedienste und 24-Stunden-Betreuung

Wenn die körperliche Belastung durch das nächtliche Drehen zu groß wird oder Sie selbst gesundheitliche Probleme haben, ist es an der Zeit, professionelle Dienstleister einzubinden. Ein ambulanter Pflegedienst kann beispielsweise morgens und abends kommen, um bei der schweren Grundpflege (Waschen, Anziehen, Transfer in den Rollstuhl) zu helfen. Die Kosten hierfür werden über die Pflegesachleistungen der Pflegekasse (je nach Pflegegrad) abgerechnet.

Bei einem sehr hohen Pflegebedarf, der eine ständige Präsenz und häufiges nächtliches Umlagern erfordert, kann eine 24-Stunden-Pflege (Betreuung in häuslicher Gemeinschaft) die rettende Lösung sein. Hierbei zieht eine Betreuungskraft mit in den Haushalt ein und übernimmt einen Großteil der grundpflegerischen und hauswirtschaftlichen Aufgaben, was die Angehörigen massiv entlastet.

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Wer benötigt den Pflegedienst?

Eine kleine Gruppe von Menschen sitzt in einem hellen Raum zusammen mit einer professionellen Pflegekraft, die entspannt lächelt. Es sieht aus wie ein informeller, freundlicher Austausch in einem Pflegekurs für Angehörige. Die Stimmung ist positiv und ermutigend.

Pflegekurse bieten wertvolle praktische Tipps und den wichtigen Austausch mit anderen Angehörigen.

Häufige Fehler beim Drehen und wie Sie diese vermeiden

Auch wenn Sie es gut meinen, schleichen sich im Pflegealltag schnell Routinen ein, die auf Dauer schädlich sind. Überprüfen Sie sich regelmäßig selbst auf diese typischen Fehlerquellen:

  • Fehler 1: Der "Achsel-Griff". Jemanden unter den Achseln zu fassen und nach oben zu ziehen, ist der häufigste Pflegefehler überhaupt. Er quetscht beim Patienten empfindliche Nervenbahnen und Blutgefäße im Achselbereich und kann das Schultergelenk auskugeln. Lösung: Nutzen Sie Gleitmatten und führen Sie die Bewegung am Schulterblatt und Becken.

  • Fehler 2: Verdrehte Wirbelsäule beim Heben. Viele Pflegende beugen sich vor und verdrehen gleichzeitig ihren Oberkörper, um den Patienten ans Fußende zu rücken. Diese Torsionsbewegung unter Last ist Gift für die Bandscheiben. Lösung: Drehen Sie immer den ganzen Körper, indem Sie die Füße in die Bewegungsrichtung mitnehmen. Ihre Nasenspitze und Ihre Fußspitzen sollten immer in dieselbe Richtung zeigen.

  • Fehler 3: Luft anhalten. Bei körperlicher Anstrengung neigen Menschen dazu, die Luft anzuhalten (Pressatmung). Das erhöht den Blutdruck massiv und führt zu schneller Erschöpfung. Lösung: Atmen Sie bewusst aus, wenn Sie die anstrengende Bewegung (die Gewichtsverlagerung) durchführen.

  • Fehler 4: Zu niedriges Bett. "Nur mal eben schnell" das Kissen richten, ohne das Bett hochzufahren. Genau bei diesen "schnellen" Aktionen passieren die meisten Hexenschüsse. Lösung: Machen Sie es sich zur eisernen Regel: Bevor Sie den Patienten berühren, fährt das Bett auf Hüfthöhe. Ausnahmslos.

Hautpflege und Hygiene beim Positionswechsel

Das regelmäßige Drehen im Bett bietet die perfekte Gelegenheit, die Haut des Pflegebedürftigen zu kontrollieren und zu pflegen. Da die Haut im Alter dünner wird (Pergamenthaut) und an Elastizität verliert, ist sie besonders anfällig für Risse und Infektionen.

Nutzen Sie die Seitenlage, um den Rücken und das Gesäß auf Rötungen zu überprüfen. Eine Rötung, die auch nach Druck mit dem Finger nicht verblasst (Fingertest), ist ein Alarmzeichen für einen beginnenden Dekubitus (Grad 1). In diesem Fall muss die Stelle sofort und konsequent vom Druck entlastet werden.

Beim Wechsel von Inkontinenzmaterial (Windeln, Vorlagen) in der Seitenlage ist darauf zu achten, dass die Haut sanft gereinigt und gut abgetrocknet wird (besser tupfen als rubbeln). Feuchtigkeit in den Hautfalten (z.B. in der Leiste oder unter der Brust) führt schnell zu Pilzinfektionen (Intertrigo). Verwenden Sie atmungsaktive Hautschutzcremes, aber vermeiden Sie dicke Pasten (wie Zinksalbe), die die Poren verstopfen und bei der nächsten Reinigung schwer abzuwaschen sind und Reibung erzeugen.

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Zusammenfassung: Checkliste für den rückenschonenden Transfer

Damit Sie die Fülle an Informationen sicher in Ihren Pflegealltag integrieren können, haben wir die wichtigsten Punkte für das richtige Drehen im Bett noch einmal als Checkliste für Sie zusammengefasst:

  • Vorbereitung ist alles: Kündigen Sie jeden Schritt an. Bitten Sie den Angehörigen um Mithilfe (Ressourcenförderung).

  • Ergonomie beachten: Fahren Sie das Pflegebett immer auf Ihre individuelle Arbeitshöhe (Hüfthöhe). Stellen Sie das Kopfteil flach, sofern möglich.

  • Auf die eigene Haltung achten: Nehmen Sie eine stabile Schrittstellung ein. Beugen Sie die Knie leicht. Halten Sie den Rücken gerade und spannen Sie die Bauchmuskeln an.

  • Gewicht verlagern, nicht heben: Arbeiten Sie aus den Beinen heraus. Verlagern Sie Ihr Körpergewicht von vorne nach hinten, um die Bewegung des Patienten zu führen.

  • Richtig greifen: Greifen Sie niemals unter die Achseln oder an die Gelenke. Führen Sie die Bewegungen großflächig an Schulterblatt, Becken oder der Außenseite der Knie.

  • Hilfsmittel nutzen: Setzen Sie konsequent Gleitmatten, Stecklaken oder Patientenlifter ein, um Reibung zu minimieren und schwere Lasten zu bewältigen.

  • Dekubitusprophylaxe ernst nehmen: Lagern Sie den Patienten regelmäßig (alle 2 bis 4 Stunden) um. Bevorzugen Sie die 30-Grad-Lagerung und nutzen Sie Kissen zur Druckentlastung gefährdeter Stellen.

  • Hilfe annehmen: Beantragen Sie Pflegehilfsmittel bei der Pflegekasse, nutzen Sie kostenlose Pflegekurse und ziehen Sie bei Überlastung professionelle Unterstützung durch ambulante Dienste oder eine 24-Stunden-Pflege in Betracht.

Die Pflege eines Angehörigen ist ein Marathon, kein Sprint. Nur wenn Sie als pflegende Person gesund bleiben und Ihren Rücken schützen, können Sie Ihrem Liebsten langfristig die Fürsorge und Geborgenheit schenken, die er benötigt. Nehmen Sie sich die Zeit, diese Techniken zu erlernen – Ihr Rücken wird es Ihnen danken.

Häufige Fragen zum Drehen und Umlagern im Bett

Hier finden Sie schnelle Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Positionswechsel in der häuslichen Pflege.

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