Wenn ein geliebter Mensch bettlägerig wird, stehen Sie als pflegender Angehöriger vor einer enormen physischen und emotionalen Herausforderung. Die Entscheidung, die Pflege zu Hause zu übernehmen, ist ein großer Liebesbeweis, erfordert jedoch auch ein hohes Maß an Fachwissen und Achtsamkeit. Eine der größten und gefährlichsten gesundheitlichen Bedrohungen für immobile Menschen ist der Dekubitus – umgangssprachlich als Druckgeschwür oder Wundliegen bekannt.
Ein Dekubitus ist nicht nur extrem schmerzhaft für den Betroffenen, sondern kann auch zu lebensgefährlichen Infektionen führen und den allgemeinen Gesundheitszustand drastisch verschlechtern. Die gute Nachricht ist: Mit der richtigen Strategie, den passenden Hilfsmitteln und einer konsequenten Vorbeugung (Prophylaxe) lässt sich ein Druckgeschwür in den meisten Fällen erfolgreich verhindern. Dieser umfassende Ratgeber von PflegeHelfer24 bietet Ihnen fundiertes, sofort anwendbares Expertenwissen, um Ihre Angehörigen sicher und professionell zu Hause zu pflegen.
Druckentlastung ist der wichtigste Schutz vor Wundliegen.
Um einen Dekubitus effektiv zu verhindern, müssen wir zunächst verstehen, wie er entsteht. Ein Druckgeschwür ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Diese Schädigung entsteht durch eine dauerhafte Druckeinwirkung, oft in Kombination mit sogenannten Scherkräften (Verschiebungen der Hautschichten gegeneinander).
Wenn ein Mensch über längere Zeit regungslos liegt oder sitzt, drückt das eigene Körpergewicht die Blutgefäße in der Haut und im Muskelgewebe zusammen. Besonders gefährdet sind Körperstellen, an denen die Knochen dicht unter der Haut liegen und nur wenig schützendes Fett- oder Muskelgewebe vorhanden ist. Dazu gehören das Kreuzbein, die Fersen, die Knöchel, die Hüftknochen (Rollhügel), die Schulterblätter und sogar der Hinterkopf.
Durch den anhaltenden Druck wird die Durchblutung unterbrochen. Mediziner sprechen hier von einer Ischämie (Blutleere). Das Gewebe wird nicht mehr mit lebenswichtigem Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gleichzeitig können giftige Stoffwechselprodukte nicht mehr abtransportiert werden. Dauert dieser Zustand an – manchmal genügen bereits ein bis zwei Stunden ununterbrochener Druck –, beginnen die Zellen abzusterben. Es entsteht eine Nekrose (totes Gewebe), und die Haut bricht auf. Eine tiefe, schwer heilende Wunde ist die Folge.
Druckgeschwüre entwickeln sich schleichend. Als pflegender Angehöriger ist es Ihre wichtigste Aufgabe, die Haut Ihres Pflegebedürftigen täglich zu inspizieren. Die Medizin teilt den Dekubitus in vier Stadien ein. Je früher Sie handeln, desto besser sind die Heilungschancen.
Kategorie 1: Nicht wegdrückbare Rötung. Die Haut ist noch intakt, weist aber eine umschriebene Rötung auf. Wenn Sie mit dem Finger auf die rote Stelle drücken und loslassen, bleibt die Haut rot (sie wird nicht kurzzeitig weiß). Dies ist das absolute Warnsignal! Handeln Sie sofort durch Druckentlastung. Die Stelle kann überwärmt, verhärtet und schmerzhaft sein.
Kategorie 2: Teilverlust der Haut. Die oberste Hautschicht (Epidermis) ist beschädigt oder fehlt. Es zeigt sich ein flaches, offenes Geschwür mit einem rosafarbenen Wundbett ohne Beläge. Auch eine intakte oder offene, serumgefüllte Blase fällt in diese Kategorie.
Kategorie 3: Vollständiger Hautverlust. Die Schädigung reicht nun tief in das Gewebe hinein, bis in die Unterhautfettschicht (Subkutis). Knochen, Sehnen oder Muskeln sind jedoch noch nicht sichtbar. Oft bilden sich tiefe Wundhöhlen und Taschen unter den Wundrändern.
Kategorie 4: Vollständiger Gewebeverlust. Dies ist das schwerste Stadium. Der Haut- und Gewebeverlust ist so tief, dass Knochen, Sehnen oder Muskeln freiliegen. Es besteht akute Lebensgefahr durch schwerwiegende Infektionen bis hin zur Blutvergiftung (Sepsis) oder Knochenentzündung (Osteomyelitis).
Nicht jeder bettlägerige Mensch hat das gleiche Risiko, einen Dekubitus zu entwickeln. Das Risiko setzt sich aus intrinsischen (inneren) und extrinsischen (äußeren) Faktoren zusammen. Wenn Sie diese Faktoren kennen, können Sie gezielt gegensteuern.
Intrinsische Risikofaktoren (beim Patienten liegend):
Eingeschränkte Mobilität: Der offensichtlichste Faktor. Wer sich nicht selbstständig im Bett drehen oder aufsetzen kann, kann den Druck nicht eigenständig ausgleichen.
Sensibilitätsstörungen: Krankheiten wie Diabetes mellitus, Multiple Sklerose oder die Folgen eines Schlaganfalls können das Schmerzempfinden mindern. Der Patient spürt nicht, dass eine Stelle drückt, und ändert seine Position nicht.
Mangelernährung und Dehydration: Eine Haut, die nicht ausreichend mit Nährstoffen, Vitaminen und Flüssigkeit versorgt ist, verliert ihre Elastizität und Widerstandsfähigkeit (Gewebetoleranz).
Inkontinenz: Urin und Stuhl verändern den pH-Wert der Haut, weichen sie auf (Mazeration) und machen sie extrem anfällig für Reibung und Infektionen.
Alter: Im Alter wird die Haut von Natur aus dünner, trockener und verliert an Unterhautfettgewebe, was den natürlichen "Polstereffekt" verringert.
Extrinsische Risikofaktoren (von außen einwirkend):
Druck: Zu harte Matratzen, Falten im Bettlaken, Krümel im Bett oder drückende Kleidung und Katheterschläuche.
Scherkräfte: Diese entstehen, wenn der Patient beispielsweise im Bett nach unten rutscht. Das Skelett bewegt sich nach unten, aber die Haut bleibt an der Matratze haften. Die Blutgefäße im Gewebe werden dabei abgeknickt und abgerissen.
Reibung: Ein ständiges Scheuern der Haut über das Bettlaken, besonders bei unruhigen Patienten, trägt die oberste Hautschicht ab.
Die Vermeidung von Druckgeschwüren beruht auf einem systematischen Ansatz. Der Nationale Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege definiert klare Richtlinien, die auch für die häusliche Pflege durch Angehörige und professionelle Dienste wie die Ambulante Pflege oder 24-Stunden-Pflege von PflegeHelfer24 maßgeblich sind. Wir brechen diese Richtlinien für Sie in fünf verständliche Säulen herunter.
Regelmäßige Mikrolagerung schützt die Haut effektiv vor Druckschäden.
Die absolute Grundregel der Dekubitusprophylaxe lautet: Wo kein Druck, da kein Dekubitus. Die wichtigste Maßnahme ist daher die regelmäßige Veränderung der Körperposition. Wenn der Pflegebedürftige dies nicht selbst kann, müssen Sie als Pflegeperson eingreifen.
Der Lagerungsplan: Es ist unerlässlich, einen festen Rhythmus zu etablieren. Ein gängiges Intervall ist die Umlagerung alle zwei Stunden, auch nachts. Je nach Hautzustand, verwendeter Matratze und individuellem Risiko kann dieses Intervall auf drei bis vier Stunden ausgedehnt oder auf eine Stunde verkürzt werden. Beobachten Sie die Haut: Ist sie nach zwei Stunden gerötet, müssen Sie das Intervall verkürzen.
Effektive Lagerungstechniken:
Die 30-Grad-Seitenlagerung: Dies ist die Standardlagerung zur Druckentlastung. Der Patient wird nicht komplett auf die Seite (90 Grad) gedreht, da dies zu einem enormen Druck auf den großen Rollhügel der Hüfte führen würde. Stattdessen wird er in einen 30-Grad-Winkel gebracht, unterstützt durch Kissen im Rückenbereich. Das Körpergewicht verteilt sich so auf die fleischigen Partien des Rückens und des Gesäßes.
Die Mikrolagerung: Hierbei handelt es sich um minimale Positionsveränderungen, die oft schon ausreichen, um die Durchblutung wiederherzustellen. Ein kleines, gefaltetes Handtuch oder ein spezielles Lagerungskissen wird unter die Schulter oder das Becken geschoben. Diese Methode ist besonders sanft und eignet sich hervorragend für die Nachtruhe, da der Patient oft nicht einmal davon aufwacht.
Freilagerung der Fersen: Die Fersen sind extrem dekubitusgefährdet. Legen Sie ein weiches Kissen oder eine gerollte Decke unter die Waden des Patienten, sodass die Fersen komplett in der Luft schweben. Achten Sie darauf, dass die Knie nicht überstreckt werden.
V- und A-Lagerung: Diese Techniken nutzen spezielle Kissen, um den Druck von der Wirbelsäule und dem Steißbein zu nehmen. Bei der V-Lagerung werden zwei Kissen in V-Form unter den Rücken gelegt, bei der A-Lagerung entsprechend in A-Form.
Wichtig für pflegende Angehörige: Achten Sie bei der Umlagerung unbedingt auf Ihren eigenen Rücken! Nutzen Sie Hilfsmittel wie Gleitmatten oder Rutschbretter, um Scherkräfte beim Patienten zu vermeiden und Ihre eigene Wirbelsäule zu schonen. Ziehen Sie den Patienten niemals über das Laken, sondern heben oder rollen Sie ihn sanft.
Lagerung allein reicht oft nicht aus, besonders bei schwer bettlägerigen Patienten. Hier kommen technische Hilfsmittel ins Spiel. In Deutschland haben Sie über die Pflegekasse oder Krankenkasse Anspruch auf die Versorgung mit adäquaten Hilfsmitteln, sofern eine medizinische Notwendigkeit besteht.
Antidekubitus-Matratzen: Eine handelsübliche Matratze ist für einen bettlägerigen Menschen ungeeignet. Es gibt verschiedene Systeme, die den Druck verteilen:
Weichlagerungsmatratzen: Diese bestehen aus speziellen Schaumstoffen (z. B. Kaltschaum, viskoelastischer Schaum), die auf Körperwärme reagieren und sich der Körperkontur exakt anpassen. Dadurch wird die Auflagefläche vergrößert und der Druck pro Quadratzentimeter verringert.
Wechseldruckmatratzen: Diese Systeme bestehen aus mehreren Luftkammern, die über einen elektrischen Kompressor abwechselnd aufgepumpt und entleert werden. Dadurch wird der Auflagedruck zyklisch verändert. Achtung: Wechseldruckmatratzen sind nicht für alle Patienten geeignet (z. B. nicht bei starken Schmerzpatienten oder Wahrnehmungsstörungen), da die ständige Bewegung irritierend wirken kann.
Mikrostimulationssysteme: Diese hochmodernen Matratzen erkennen kleinste Eigenbewegungen des Patienten und geben diese als sanfte Impulse an den Körper zurück. Dies fördert die Eigenwahrnehmung und Durchblutung.
Wie erhalten Sie diese Hilfsmittel? Wenn bei Ihrem Angehörigen ein Pflegegrad vorliegt oder eine ärztliche Verordnung ausgestellt wird, übernehmen die Kassen in der Regel die Kosten für ein Pflegebett und eine Antidekubitus-Matratze. Besprechen Sie dies mit dem behandelnden Hausarzt. Er stellt ein Rezept aus (z.B. "Antidekubitus-Wechseldrucksystem bei bestehendem Dekubitusrisiko"). Dieses Rezept reichen Sie bei einem Sanitätshaus ein, welches sich um die Genehmigung bei der Kasse kümmert. Weitere Informationen zu den gesetzlichen Ansprüchen finden Sie auf dem offiziellen Portal des Bundesgesundheitsministeriums.
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Milde Pflegeprodukte und sanftes Abtrocknen bewahren die natürliche Hautbarriere.
Die Haut ist das größte Organ des Menschen und bei Bettlägerigen extremen Belastungen ausgesetzt. Eine intakte, geschmeidige Haut ist die beste Barriere gegen Druckgeschwüre. Leider kursieren in der häuslichen Pflege noch immer viele veraltete Mythen, die mehr schaden als nutzen.
Was Sie NIEMALS tun sollten:
Franzbranntwein oder Alkohol: Früher wurde oft empfohlen, die Haut mit Alkohol abzureiben, um sie "abzuhärten". Das ist falsch! Alkohol entzieht der Haut radikal Feuchtigkeit und Fette, macht sie spröde, rissig und extrem anfällig für Mikroverletzungen.
Melkfett oder Vaseline: Diese Produkte verstopfen die Poren. Die Haut kann nicht mehr atmen, es entsteht ein Hitzestau (Okklusionseffekt), der die Haut aufweicht.
Babypuder: Puder verklumpt in Verbindung mit Schweiß oder Urin. Diese harten Klümpchen wirken dann wie winzige Steine im Bett und erzeugen gefährliche Reibung und Druck.
Zinkpaste auf intakte Haut: Zinkpaste trocknet die Haut aus und lässt sich bei der nächsten Körperpflege nur durch starkes Rubbeln entfernen, was wiederum die Haut schädigt.
Wie Sie es richtig machen:
Verwenden Sie zur täglichen Reinigung lauwarmes Wasser und milde, pH-hautneutrale Waschlotionen (pH-Wert um 5,5). Trocknen Sie die Haut nicht durch hartes Rubbeln ab, sondern tupfen Sie sie sanft mit einem weichen Handtuch trocken. Achten Sie besonders auf Hautfalten (unter der Brust, Leisten, Bauchfalten), da sich hier schnell Feuchtigkeit staut und Pilzinfektionen (Intertrigo) entstehen können.
Zur Pflege sollten Sie Wasser-in-Öl-Emulsionen (W/O-Emulsionen) verwenden. Diese ziehen gut ein, spenden Feuchtigkeit und hinterlassen einen leichten, schützenden Lipidfilm, ohne die Poren zu verschließen. Massieren Sie die Lotion sanft ein – aber niemals über bereits geröteten oder gefährdeten Stellen! Eine Massage über einem beginnenden Dekubitus (Kategorie 1) kann das bereits vorgeschädigte Gewebe endgültig zerstören.
Umgang mit Inkontinenz: Urin und Stuhl sind aggressiv. Wenn Ihr Angehöriger inkontinent ist, müssen die Vorlagen oder Windeln regelmäßig, spätestens jedoch sofort nach dem Stuhlgang, gewechselt werden. Reinigen Sie den Intimbereich gründlich, aber sanft. Hier können spezielle Hautschutzcremes (Barrierecremes) aufgetragen werden, die einen unsichtbaren Schutzfilm gegen Nässe bilden. Die Kosten für Inkontinenzmaterial und Pflegehilfsmittel können durch die Pflegehilfsmittelpauschale in Höhe von 40 Euro monatlich (nach § 40 Abs. 2 SGB XI) bezuschusst werden, sofern ein Pflegegrad (1 bis 5) vorliegt.
Ausreichend Flüssigkeit und Vitamine helfen der Haut bei der Regeneration.
Die Bedeutung der Ernährung wird in der Dekubitusprophylaxe oft massiv unterschätzt. Die Haut und das darunterliegende Gewebe benötigen ständigen Nachschub an Baustoffen, um sich zu regenerieren und widerstandsfähig zu bleiben. Ein mangelernährter Körper baut Muskulatur ab, wodurch die Knochen noch ungeschützter aufliegen.
Flüssigkeit: Der Motor des Stoffwechsels Ältere Menschen haben oft ein vermindertes Durstgefühl. Wenn der Körper dehydriert, wird das Blut dicker, die Durchblutung in den feinen Kapillaren der Haut verschlechtert sich dramatisch. Die Haut wird pergamentartig und verliert ihre Elastizität. Ein bettlägeriger Patient sollte (sofern keine medizinischen Gründe wie eine schwere Herzinsuffizienz dagegen sprechen) mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen. Bieten Sie regelmäßig Wasser, ungesüßte Tees oder Saftschorlen an. Stellen Sie das Getränk immer in greifbare Nähe oder reichen Sie es aktiv an.
Protein (Eiweiß): Der Baustein der Zellen Eiweiß ist essenziell für den Erhalt der Muskulatur und die Zellerneuerung der Haut. Bei einem bereits bestehenden Dekubitus ist der Eiweißbedarf sogar massiv erhöht, da die Wunde viel Wundsekret (Exsudat) und damit Proteine verliert. Achten Sie auf eine eiweißreiche Kost: Mageres Fleisch, Fisch, Eier, Quark, Joghurt und Hülsenfrüchte sollten täglich auf dem Speiseplan stehen. Wenn der Patient schlecht isst, können nach ärztlicher Rücksprache hochkalorische Trinknahrungen (Astronautenkost) oder Eiweißpulver in die Speisen gerührt werden.
Vitamine und Spurenelemente: Besonders wichtig für die Wundheilung und Hautgesundheit sind Vitamin C (stärkt das Bindegewebe) und Zink (fördert die Zellteilung). Frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte liefern diese wichtigen Mikronährstoffe.
Auch wenn ein Mensch bettlägerig ist, bedeutet das nicht, dass er völlig immobil bleiben muss. Jede noch so kleine aktive Bewegung fördert die Durchblutung, stärkt die verbliebene Muskulatur und verbessert die Belastbarkeit des Gewebes (Gewebetoleranz).
Motivieren Sie Ihren Angehörigen, sich so weit wie möglich selbst an der Pflege zu beteiligen. Kann er sich am Bettgalgen hochziehen, wenn Sie das Kissen richten? Kann er das Waschwasser selbst im Gesicht verteilen? Diese kleinen Anstrengungen sind wertvolles Training.
Auch die passive Mobilisierung durch Sie als Pflegeperson oder durch Physiotherapeuten ist entscheidend. Das Durchbewegen der Gelenke (Kontrakturenprophylaxe) verhindert nicht nur die Versteifung der Gelenke, sondern regt auch den Kreislauf an. Wenn der Gesundheitszustand es zulässt, sollte der Patient stundenweise in einen (Roll-)Stuhl mobilisiert werden. Aber Vorsicht: Auch im Sitzen besteht ein hohes Dekubitusrisiko, besonders an den Sitzbeinhöckern. Nutzen Sie hierfür spezielle Antidekubitus-Sitzkissen und animieren Sie den Patienten, das Gewicht regelmäßig von einer Pobacke auf die andere zu verlagern.
Ein Aspekt, der in der medizinischen Literatur oft zu kurz kommt, ist die seelische Belastung, die mit der Bettlägerigkeit einhergeht. Die Decke fällt einem auf den Kopf, das Gefühl von Autonomieverlust und Hilflosigkeit ist erdrückend. Dieser psychische Stress kann sich negativ auf den gesamten Organismus auswirken, den Appetit hemmen und die Schmerzwahrnehmung verschärfen.
Nehmen Sie sich Zeit für Gespräche. Sorgen Sie für geistige Stimulation durch Vorlesen, Musik, Fernsehen oder Radio. Ein Bett, das so im Raum positioniert ist, dass der Patient aus dem Fenster schauen oder am Familienleben teilhaben kann, wirkt oft Wunder. Die psychische Ausgeglichenheit trägt indirekt, aber maßgeblich zur physischen Stabilität und damit zur Dekubitusprophylaxe bei.
Holen Sie sich rechtzeitig professionelle Hilfe und Entlastung für den Pflegealltag.
Die 24-Stunden-Betreuung eines bettlägerigen Menschen bringt jeden an seine physischen und psychischen Grenzen. Eine lückenlose Dekubitusprophylaxe ist kräftezehrend. Es ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von Verantwortung, sich Hilfe zu holen.
Hier greift das umfassende Angebot von PflegeHelfer24. Wir unterstützen Sie bundesweit bei der Organisation der Pflege. Welche Möglichkeiten haben Sie?
Ambulanter Pflegedienst: Professionelle Pflegekräfte können täglich zu Ihnen nach Hause kommen, um die Grundpflege (Waschen, Lagern) oder die Behandlungspflege (Wundversorgung eines bereits bestehenden Dekubitus nach ärztlicher Verordnung) zu übernehmen. Die Kosten für die Behandlungspflege trägt die Krankenkasse (SGB V), die Grundpflege wird über die Pflegesachleistungen der Pflegekasse (SGB XI) abgerechnet.
24-Stunden-Pflege: Wenn eine ständige Präsenz erforderlich ist, insbesondere für die nächtliche Umlagerung, ist die sogenannte 24-Stunden-Betreuung durch osteuropäische Betreuungskräfte eine bewährte Lösung. Sie leben mit im Haushalt, übernehmen die Grundpflege, hauswirtschaftliche Tätigkeiten und gewährleisten eine kontinuierliche Überwachung.
Pflegeberatung nach § 37 Abs. 3 SGB XI: Wenn Sie Pflegegeld beziehen und die Pflege allein organisieren, sind regelmäßige Beratungseinsätze gesetzlich vorgeschrieben. Hier schauen Pflegeexperten auf die Pflegesituation, geben wertvolle Tipps zur Lagerung und prüfen, ob neue Hilfsmittel benötigt werden.
Entlastungsbetrag und Verhinderungspflege: Jedem Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 1 steht ein Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich zu. Ab Pflegegrad 2 können Sie jährlich Mittel für die Verhinderungspflege abrufen, wenn Sie als Pflegeperson durch Urlaub oder Krankheit ausfallen oder einfach eine Auszeit benötigen.
Darüber hinaus unterstützen wir Sie bei der Beantragung und Beschaffung von essenziellen Hilfsmitteln. Ob ein elektrisch verstellbares Pflegebett, ein Badewannenlift für die sichere Hygiene oder ein Hausnotrufsystem – die richtige Ausstattung nimmt Ihnen die schwere körperliche Arbeit ab und schützt Ihren Angehörigen.
Um Ihnen die tägliche Routine zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Punkte in praktischen Checklisten zusammengefasst. Drucken Sie sich diese gedanklich aus oder integrieren Sie sie in Ihren Tagesablauf.
Die tägliche Routine-Checkliste:
Hautinspektion am ganzen Körper durchgeführt? (Besonders Fersen, Kreuzbein, Hüften)
Fingertest bei Rötungen angewendet?
Lagerungsplan eingehalten? (Alle 2 bis 4 Stunden Position gewechselt)
Bettlaken glattgezogen und von Krümeln/Falten befreit?
Ausreichend Flüssigkeit angeboten und getrunken? (Ziel: 1,5 - 2 Liter)
Haut nach dem Waschen trockengetupft (nicht gerubbelt) und sanft eingecremt?
Inkontinenzmaterial rechtzeitig gewechselt und Hautschutz aufgetragen?
Die wöchentliche Checkliste:
Ernährungszustand überprüft? (Wird genug gegessen, besonders Eiweiß?)
Funktionieren die Hilfsmittel einwandfrei? (Ist der Kompressor der Wechseldruckmatratze richtig eingestellt?)
Ist die Pflegehilfsmittelbox (Handschuhe, Desinfektion, Bettschutzeinlagen) noch ausreichend gefüllt?
Haben Sie als Pflegeperson an Ihre eigenen Grenzen gedacht und Pausen eingeplant?
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, bester Pflege und optimaler Hilfsmittel kann es passieren, dass ein Dekubitus entsteht – besonders in der palliativen Phase am Lebensende, wenn der Körper massiv abbaut und die Organe ihre Funktion einstellen. Machen Sie sich in diesem Fall keine Vorwürfe!
Wenn Sie eine Rötung bemerken, die beim Fingertest nicht weiß wird (Kategorie 1), oder gar eine offene Stelle (Kategorie 2 oder höher) entdecken, ist sofortiges Handeln gefragt:
Sofortige absolute Druckentlastung: Der Patient darf unter keinen Umständen mehr auf der betroffenen Stelle liegen. Die Freilagerung der Stelle hat jetzt oberste Priorität.
Arzt informieren: Ein offener Dekubitus ist eine Wunde, die in ärztliche Behandlung gehört. Rufen Sie den Hausarzt an. Er wird die Wunde begutachten, ein Rezept für spezielles modernes Wundmaterial (z.B. hydrokolloide Verbände, Alginate, Schaumverbände) ausstellen und einen Pflegedienst für die fachgerechte Wundversorgung verordnen.
Keine Hausmittel: Tragen Sie niemals Salben, Puder, Zinkpaste oder gar Jod auf einen offenen Dekubitus auf, ohne dass dies ärztlich angeordnet wurde. Moderne Wundversorgung basiert auf dem Prinzip der feuchten Wundheilung, Hausmittel stören diesen sensiblen Prozess massiv.
Pflegedienst hinzuziehen: Die Behandlungspflege (Wundversorgung) sollte von zertifizierten Wundmanagern oder examinierten Pflegekräften durchgeführt werden, um Infektionen zu vermeiden.
Für detaillierte, unabhängige medizinische Informationen zur Behandlung von Druckgeschwüren empfehlen wir das Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) unter gesundheitsinformation.de.
Die Pflege eines bettlägerigen Angehörigen zu Hause ist eine Aufgabe, die höchsten Respekt verdient. Die Dekubitusprophylaxe ist dabei das zentrale Element, um Leid, Schmerzen und lebensgefährliche Komplikationen zu verhindern. Denken Sie immer an die Kernprinzipien: Druckentlastung durch regelmäßige Lagerung, der Einsatz von geeigneten Hilfsmitteln wie Antidekubitus-Matratzen, eine sorgfältige und sanfte Hautpflege, sowie eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen und Flüssigkeit.
Seien Sie wachsam und inspizieren Sie die Haut Ihres Angehörigen täglich. Der Fingertest ist Ihr wichtigstes Instrument zur Früherkennung. Zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei es durch den Hausarzt, einen ambulanten Pflegedienst, eine 24-Stunden-Betreuung oder eine umfassende Pflegeberatung. Die Pflegekassen in Deutschland bieten durch das SGB XI weitreichende finanzielle und sachliche Unterstützungen an, die Ihnen zustehen.
Sie müssen diese schwere Aufgabe nicht alleine bewältigen. Mit dem richtigen Wissen, den passenden Hilfsmitteln und einem starken Netzwerk an professioneller Unterstützung können Sie Ihrem Angehörigen ein würdevolles, sicheres und schmerzfreies Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. PflegeHelfer24 steht Ihnen bei jedem Schritt dieser Reise beratend und organisatorisch zur Seite.
Wichtige Antworten für den Pflegealltag zu Hause