Für pflegende Angehörige gehört das Umsetzen vom Bett in den Rollstuhl zu den häufigsten und gleichzeitig körperlich anspruchsvollsten Aufgaben im Pflegealltag. Wenn Sie einen geliebten Menschen zu Hause betreuen, wissen Sie: Mehrmals täglich steht dieser Positionswechsel an. Ob für den Weg ins Badezimmer, zu den Mahlzeiten oder für einen Ausflug ins Freie – Mobilität ist ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität von Senioren. Doch genau dieser Transfer birgt Risiken. Ein falscher Handgriff, eine ungeschickte Drehung oder das Heben aus dem Rücken heraus können bei Ihnen als Pflegeperson zu akuten oder chronischen Rückenschmerzen führen. Gleichzeitig kann eine unsichere Technik bei der pflegebedürftigen Person Ängste auslösen oder gar zu Stürzen führen.
Besonders komplex wird die Situation, wenn körperliche Einschränkungen wie eine Hemiparese (halbseitige Lähmung), etwa nach einem Schlaganfall, vorliegen. Hier ist nicht nur Kraft, sondern vor allem die richtige Technik gefragt. Die gute Nachricht lautet: Sie müssen keine übermenschlichen Kräfte besitzen, um einen Erwachsenen sicher umzusetzen. Mit den Prinzipien der Kinästhetik, den passenden Hilfsmitteln und einem strukturierten Vorgehen lässt sich der Transfer für beide Seiten sicher, schmerzfrei und kräfteschonend gestalten.
In diesem umfassenden Leitfaden erfahren Sie detailliert, wie Sie den Transfer vom Bett in den Rollstuhl rückenschonend meistern. Wir beleuchten die wichtigsten Handgriffe, zeigen Ihnen den Einsatz praktischer Transferhilfen und erklären, wie Sie finanzielle Unterstützung für Pflegehilfsmittel und Wohnraumanpassungen erhalten.
Bevor wir uns den konkreten Schritten des Transfers widmen, ist es essenziell, die Grundlagen der eigenen Körperhaltung zu verstehen. In der professionellen Pflege wird hierfür das Konzept der Kinästhetik (die Lehre der Bewegungsempfindung) angewendet. Das Hauptziel der Kinästhetik ist es, das Gewicht der pflegebedürftigen Person nicht zu heben, sondern zu verlagern. Sie nutzen die natürlichen Bewegungsabläufe und die verbliebenen Ressourcen des Betroffenen, anstatt gegen die Schwerkraft zu arbeiten.
Um Ihre eigene Wirbelsäule und Ihre Gelenke zu schützen, sollten Sie bei jedem Transfer folgende Grundregeln verinnerlichen und konsequent anwenden:
Aus den Beinen arbeiten: Beugen Sie bei jeder Belastung die Knie und halten Sie den Rücken gerade. Die Kraft für die Bewegung muss aus der starken Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur kommen, niemals aus der Lendenwirbelsäule.
Körpernahes Arbeiten: Je weiter weg Sie das Gewicht halten, desto größer ist die Hebelwirkung auf Ihren Rücken. Treten Sie so nah wie möglich an die pflegebedürftige Person heran.
Fester Stand: Stellen Sie Ihre Füße mindestens schulterbreit auseinander. Ein Fuß steht dabei leicht nach vorne versetzt (Schrittstellung). Dies gibt Ihnen eine breite Unterstützungsfläche und maximale Stabilität.
Gewichtsverlagerung statt Heben: Bewegen Sie den Betroffenen durch eine Gewichtsverlagerung Ihres eigenen Körpers von vorne nach hinten oder von einer Seite zur anderen. Sie "schaukeln" das Gewicht, anstatt es vertikal anzuheben.
Vermeidung von Torsion: Verdrehen Sie niemals Ihre Wirbelsäule unter Belastung. Wenn Sie die Richtung ändern müssen, bewegen Sie immer Ihre Füße in kleinen Schritten mit, sodass Ihre Nasenspitze, Ihr Brustbein und Ihre Fußspitzen in dieselbe Richtung zeigen.
Atmung fließen lassen: Halten Sie bei der Anstrengung nicht die Luft an (Pressatmung). Atmen Sie gleichmäßig weiter. Ein guter Tipp: Atmen Sie hörbar aus, wenn Sie die größte Kraft aufwenden.
Ein fester Stand ist die Basis für sicheres Umsetzen.
Das Gewicht sanft verlagern anstatt schwer zu heben.
Ein erfolgreicher und sicherer Transfer beginnt lange bevor Sie die pflegebedürftige Person überhaupt berühren. Die Vorbereitung der Umgebung und die mentale Einstimmung sind entscheidend, um Hektik, Stolperfallen und unvorhergesehene Probleme zu vermeiden.
Nehmen Sie sich vor jedem Transfer die Zeit, den Raum und die Hilfsmittel vorzubereiten. Jeder Handgriff, den Sie während des Umsetzens machen müssen, um etwas aus dem Weg zu räumen, gefährdet die Stabilität.
Stolperfallen entfernen: Räumen Sie Teppiche, Kabel, Hausschuhe oder andere Gegenstände aus dem Weg. Der Bereich zwischen Bett und Rollstuhl muss absolut frei sein.
Rollstuhl positionieren: Stellen Sie den Rollstuhl in einem Winkel von etwa 30 bis 45 Grad an das Kopf- oder Fußende des Bettes, je nachdem, über welche Seite der Transfer stattfinden soll. Die Sitzfläche sollte dem Bett zugewandt sein.
Bremsen feststellen: Dies ist der wichtigste Schritt! Arretieren Sie beide Feststellbremsen des Rollstuhls. Prüfen Sie durch leichtes Rütteln, ob der Stuhl wirklich fest steht.
Fuß- und Armlehnen anpassen: Klappen Sie die Fußstützen des Rollstuhls nach außen weg oder nehmen Sie diese komplett ab. Wenn der Rollstuhl über abnehmbare Armlehnen verfügt, entfernen Sie die Armlehne auf der Seite, die dem Bett zugewandt ist. Dies schafft eine barrierefreie Transferfläche.
Bett optimal einstellen: Wenn Sie ein elektrisches Pflegebett haben, stellen Sie die Höhe so ein, dass sie der Sitzhöhe des Rollstuhls entspricht oder minimal höher ist. Ein Transfer "bergab" ist wesentlich leichter als "bergauf". Stellen Sie das Kopfteil des Bettes flach, wenn die Person noch liegt, um das Aufrichten zu erleichtern.
Schuhwerk prüfen: Sowohl Sie als auch die pflegebedürftige Person müssen festes, rutschfestes Schuhwerk oder Anti-Rutsch-Socken tragen. Das Wegrutschen der Füße ist eine der häufigsten Sturzursachen beim Transfer.
Ein Transfer ist immer Teamarbeit. Auch wenn die Person stark eingeschränkt ist, sollte sie aktiv in den Prozess eingebunden werden. Dies fördert nicht nur die Selbstständigkeit, sondern reduziert auch Ihren eigenen Kraftaufwand massiv.
Erklären Sie jeden Schritt im Voraus. Sagen Sie beispielsweise: "Wir setzen uns jetzt an die Bettkante. Bitte stützen Sie sich mit Ihrem rechten Arm ab, wenn ich auf drei zähle." Vereinbaren Sie ein klares Kommando, wie "Eins, zwei, drei – und los", damit beide Seiten genau wissen, wann die Bewegung beginnt. Warten Sie auf ein Signal des Betroffenen, dass er bereit ist. Wenn Angst im Spiel ist, nehmen Sie sich die Zeit, diese durch beruhigendes Zureden abzubauen.
Der Transfer gliedert sich in zwei Hauptphasen: Das Aufrichten an die Bettkante und das eigentliche Umsetzen in den Rollstuhl. Gehen Sie systematisch vor und lassen Sie sich zwischen den Phasen Zeit.
Ziel ist es, die Person aus der Rückenlage in einen stabilen Sitz an der Bettkante zu bringen.
Auf die Seite drehen: Stellen Sie sich auf die Seite des Bettes, zu der sich die Person drehen soll. Bitten Sie die Person, das entfernte Bein aufzustellen und den entfernten Arm über den Körper zu legen. Greifen Sie an Schulter und Becken (nicht am Arm ziehen!) und rollen Sie die Person sanft als Einheit (En-bloc-Drehung) auf die Seite, sodass sie Sie ansieht.
Beine aus dem Bett bewegen: Führen Sie die Beine der Person vorsichtig über die Bettkante. Durch das Eigengewicht der Beine entsteht eine Hebelwirkung, die den nächsten Schritt erleichtert.
Oberkörper aufrichten: Legen Sie einen Arm um die Schultern der Person (untergreifen Sie dabei den Nacken) und den anderen Arm an das Becken oder die Oberschenkel. Bitten Sie die Person, sich mit dem untenliegenden Arm auf der Matratze abzustützen. Verlagern Sie nun Ihr eigenes Gewicht nach hinten und richten Sie den Oberkörper der Person auf, während die Beine weiter nach unten gleiten.
Stabilisieren: Lassen Sie die Person an der Bettkante sitzen. Geben Sie ihr Zeit. Beim Wechsel vom Liegen zum Sitzen kann der Blutdruck abfallen (orthostatische Dysregulation), was zu Schwindel führt. Warten Sie, bis die Person signalisiert, dass ihr nicht schwindelig ist. Stellen Sie sicher, dass beide Füße flach auf dem Boden stehen. Wenn das Bett zu hoch ist, senken Sie es jetzt ab.
Die Stand-Pivot-Technik (Steh-Dreh-Transfer) ist die gängigste Methode für Personen, die zumindest für kurze Zeit Gewicht auf einem oder beiden Beinen übernehmen können.
Positionierung: Stellen Sie sich direkt vor die sitzende Person. Gehen Sie leicht in die Knie und halten Sie Ihren Rücken gerade.
Knie fixieren: Wenn die Knie der Person instabil sind, klemmen Sie das schwächere Knie (oder beide) zwischen Ihre eigenen Knie. Dies verhindert ein Wegknicken beim Aufstehen.
Grifftechnik: Bitten Sie die Person, sich nach vorne zu lehnen (die Nase muss über die Fußspitzen ragen, um den Schwerpunkt zu verlagern). Die Person kann ihre Arme um Ihre Taille legen oder sich auf dem Bett abstützen. Achtung: Die Person darf sich niemals an Ihrem Hals oder Nacken festhalten! Greifen Sie selbst an das Becken der Person oder nutzen Sie einen speziellen Haltegürtel. Greifen Sie nicht unter die Achseln, da dies schmerzhaft ist und das Schultergelenk schädigen kann.
Aufstehen: Zählen Sie auf drei. Verlagern Sie Ihr Gewicht nach hinten, während die Person sich mit den Beinen abdrückt. Sie heben die Person nicht hoch, sondern unterstützen lediglich die Vorwärts-Aufwärts-Bewegung. Die Person steht nun in einer leicht gebückten Haltung.
Drehen: Drehen Sie sich nun gemeinsam in kleinen Schritten auf der Stelle, bis die Rückseite der Knie der pflegebedürftigen Person die Sitzfläche des Rollstuhls berührt. Verdrehen Sie dabei nicht Ihren Oberkörper, sondern bewegen Sie Ihre Füße.
Hinsetzen: Bitten Sie die Person, mit den Händen nach den Armlehnen des Rollstuhls zu greifen. Beugen Sie gemeinsam langsam die Knie. Verlagern Sie Ihr Gewicht wieder nach vorne, um die Abwärtsbewegung zu kontrollieren, bis die Person sicher im Rollstuhl sitzt.
Oft sitzt die Person nach dem Transfer zu weit vorne im Rollstuhl. Um dies zu korrigieren, stellen Sie sich hinter den Rollstuhl. Bitten Sie die Person, sich leicht nach vorne zu beugen. Greifen Sie von hinten unter die Achseln (nur zur Führung, nicht zum Heben) oder an den Haltegürtel und ziehen Sie das Becken sanft nach hinten an die Rückenlehne. Alternativ kann die Person, sofern sie kräftig genug ist, sich auf den Armlehnen abstützen und das Becken selbst nach hinten schieben.
Sicheres Sitzen an der Bettkante ist der erste Schritt.
Gemeinsames Drehen in kleinen Schritten schont den Rücken.
Ein Schlaganfall führt häufig zu einer Hemiparese (unvollständige Lähmung) oder Hemiplegie (vollständige Lähmung) einer Körperhälfte. Der Transfer erfordert hierbei besonderes Feingefühl, da die Wahrnehmung, das Gleichgewicht und die Muskelspannung (Tonus) der betroffenen Seite stark verändert sind.
Das wichtigste Gebot bei einer halbseitigen Lähmung lautet: Ziehen Sie niemals an dem gelähmten Arm! Die Muskulatur, die das Schultergelenk stabilisiert, ist oft erschlafft. Ein Zug am Arm kann dazu führen, dass der Gelenkkopf aus der Pfanne rutscht (Subluxation). Dies verursacht extreme Schmerzen und kann zum sogenannten Schulter-Hand-Syndrom führen, einer schweren und langwierigen Komplikation.
Gemäß dem in der Pflege oft angewandten Bobath-Konzept sollte die gelähmte Seite nicht ignoriert, sondern aktiv in den Bewegungsablauf integriert werden. Dies fördert die Neuorganisation im Gehirn (Neuroplastizität).
Arm positionieren: Bevor Sie den Transfer beginnen, legen Sie den betroffenen Arm sicher ab. Beim Aufsitzen kann die betroffene Hand von der gesunden Hand gefasst und mitgeführt werden.
Wahrnehmung fördern: Berühren Sie die betroffene Seite mit flächigen, klaren Handgriffen. Vermeiden Sie spitzes Greifen mit den Fingerspitzen, da dies bei einem erhöhten Muskeltonus (Spastik) zu Abwehrreaktionen führen kann.
Grundsätzlich ist es für den Anfang leichter, den Transfer über die starke (gesunde) Seite durchzuführen. Das bedeutet: Wenn die linke Körperhälfte gelähmt ist, stellen Sie den Rollstuhl auf die rechte Seite des Bettes. Die Person kann sich so mit dem gesunden rechten Arm und dem gesunden rechten Bein zum Rollstuhl hinüberarbeiten, während Sie die schwache linke Seite stützen.
In der fortgeschrittenen Rehabilitation wird oft gezielt der Transfer über die betroffene Seite geübt, um diese zu stimulieren. Dies sollte zu Hause jedoch nur nach ausführlicher Anleitung durch einen Physiotherapeuten oder eine Pflegefachkraft erfolgen, da das Sturzrisiko hierbei höher ist.
Selbst mit der besten Technik stößt man bei schweren oder stark immobilen Personen an körperliche Grenzen. Hier kommen Transferhilfen ins Spiel. Sie reduzieren den Reibungswiderstand, überbrücken Lücken und nehmen Ihnen das Heben fast vollständig ab. Der Einsatz dieser Hilfsmittel ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von professioneller und vorausschauender Pflege.
Oft reichen schon kleine, kostengünstige Hilfsmittel aus, um den Pflegealltag drastisch zu erleichtern:
Das Rutschbrett (Transferbrett): Ein absolutes Muss für Personen, die nicht mehr stehen können, aber noch über eine gewisse Rumpfstabilität verfügen. Das glatte Brett wird wie eine Brücke zwischen Bettkante und Rollstuhl gelegt. Die Armlehne des Rollstuhls muss dafür abnehmbar sein. Die Person gleitet oder rutscht in kleinen Etappen über das Brett in den Rollstuhl, ohne aufstehen zu müssen. Sie als Pflegeperson unterstützen lediglich das Gleichgewicht.
Die Gleitmatte (Rutschmatte): Ein röhrenförmig genähtes Tuch aus extrem gleitfähigem Material (ähnlich wie Fallschirmseide). Es wird unter das Gesäß gelegt und reduziert die Reibung fast auf null. Ideal, um Personen im Bett höher zu ziehen oder um das Becken beim Transfer über ein Rutschbrett leichter gleiten zu lassen.
Die Drehscheibe (Drehteller): Zwei aufeinanderliegende Scheiben, die sich gegeneinander drehen lassen. Die Scheibe wird vor das Bett auf den Boden gelegt. Die pflegebedürftige Person stellt ihre Füße darauf. Beim Steh-Dreh-Transfer müssen die Füße nun nicht mehr mühsam umgesetzt werden; ein leichter Impuls genügt, und die Person dreht sich mühelos in Richtung Rollstuhl.
Der Haltegürtel (Transfergürtel): Ein breiter, gepolsterter Gürtel mit stabilen Halteschlaufen, der der pflegebedürftigen Person um die Taille gelegt wird. Er bietet Ihnen sichere Griffpunkte. Sie müssen nicht mehr in die Kleidung greifen oder unbequem am Becken festhalten. Dies schont Ihre Hände und gibt der Person ein Gefühl maximaler Sicherheit.
Wenn die Person keine Eigenbewegung mehr ausführen kann oder sehr schwer ist, sind technische Hilfsmittel unerlässlich.
Die aktive Aufstehhilfe: Geeignet für Personen, die noch eine gewisse Rumpfstabilität haben und kurzzeitig Gewicht auf die Beine bringen können. Die Person stellt die Füße auf eine Plattform, Kniepolster stützen die Unterschenkel. Ein Gurt wird um den Rücken gelegt. Ein elektrischer Motor zieht die Person sanft in den Stand. Die Aufstehhilfe kann dann wie ein Rollstuhl zum Zielort gefahren werden.
Der Patientenlifter (Passivlifter): Wenn kein Stehen mehr möglich ist, übernimmt der Patientenlifter die gesamte Arbeit. Die Person wird im Bett in ein spezielles Hebetuch (Gurt) gerollt. Dieses wird am Hebearm des Lifters befestigt. Per Knopfdruck wird die Person angehoben, über den Rollstuhl geschwenkt und sanft abgesetzt. Dies erfordert keinerlei Kraftaufwand Ihrerseits.
Das Pflegebett: Es wird oft vergessen, aber ein elektrisch höhenverstellbares Pflegebett ist das wichtigste Hilfsmittel überhaupt. Die Möglichkeit, die Höhe stufenlos an den Rollstuhl anzupassen und das Kopfteil aufzurichten, nimmt Ihnen bereits 50 Prozent der körperlichen Belastung ab.
Viele dieser Hilfsmittel ergänzen sich hervorragend mit weiteren Mobilitätslösungen im Alltag. Wer beispielsweise sicher in den Rollstuhl transferiert werden kann, für den öffnet sich die Tür zu weiterer Eigenständigkeit. Ein Elektrorollstuhl oder Elektromobile ermöglichen dann wieder Ausflüge in die Natur oder zum Einkaufen, ohne dass Angehörige schieben müssen.
Ein Rutschbrett erleichtert das Umsetzen bei eingeschränkter Mobilität deutlich.
Ein Haltegürtel bietet Ihnen sichere Griffpunkte beim Transfer.
Die Anschaffung von Transferhilfen muss nicht Ihr privates Budget belasten. Das deutsche Gesundheitssystem bietet weitreichende finanzielle Unterstützung, wenn eine medizinische oder pflegerische Notwendigkeit besteht. Es ist wichtig, zwischen den Leistungen der Krankenkasse und der Pflegekasse zu unterscheiden.
Grundsätzlich gilt: Dient ein Hilfsmittel dazu, den Erfolg einer Krankenbehandlung zu sichern oder eine Behinderung auszugleichen, ist die Krankenkasse zuständig. Dient es hingegen primär dazu, die Pflege zu erleichtern oder die Beschwerden des Pflegebedürftigen zu lindern, springt die Pflegekasse ein.
Transferhilfen wie Patientenlifter, Rutschbretter oder Gleitmatten fallen in der Regel unter die Pflegehilfsmittel. Sie sind im offiziellen Pflegehilfsmittelverzeichnis der GKV-Spitzenverbandes gelistet (meist in der Produktgruppe 50 "Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege").
Der Weg zum Hilfsmittel:
Lassen Sie sich von einem Arzt die Notwendigkeit bescheinigen (Rezept oder formlose ärztliche Stellungnahme).
Reichen Sie dieses Dokument bei der Pflegekasse (die bei der Krankenkasse angesiedelt ist) ein. Ein anerkannter Pflegegrad (1 bis 5) ist hierfür meist Voraussetzung.
Nach der Genehmigung können Sie das Hilfsmittel über ein Sanitätshaus beziehen. Oft werden teure Geräte wie Patientenlifter leihweise zur Verfügung gestellt.
Ausführliche und stets aktuelle Informationen zu den genauen Leistungen und Voraussetzungen finden Sie auf dem offiziellen Portal der Bundesregierung. Besuchen Sie hierfür die Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit.
Manchmal reichen mobile Hilfsmittel nicht aus, weil die räumlichen Gegebenheiten einen Transfer oder die Nutzung des Rollstuhls erschweren. Zu enge Türen, Schwellen oder ein ungeeignetes Badezimmer sind typische Hindernisse.
Hier greift § 40 Abs. 4 SGB XI. Die Pflegekasse zahlt einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro pro pflegebedürftiger Person für sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Leben mehrere Pflegebedürftige in einem Haushalt, kann der Zuschuss auf bis zu 16.000 Euro steigen.
Mit diesem Geld können Sie beispielsweise:
Türschwellen entfernen und Türen verbreitern lassen, damit der Rollstuhl problemlos ans Bett fahren kann.
Einen barrierefreien Badumbau finanzieren, um mit dem Rollstuhl direkt unter die Dusche fahren zu können.
Einen Treppenlift einbauen lassen, wenn das Schlafzimmer im Obergeschoss liegt. Auch ein Badewannenlift kann gefördert werden, wenn der Transfer in die Wanne sonst nicht möglich wäre.
Niemand wird als Pflegeexperte geboren. Die theoretische Kenntnis von Handgriffen ist wichtig, aber die praktische Umsetzung erfordert Übung. Die Pflegekassen lassen Sie damit nicht allein.
Die Pflegekassen sind gesetzlich verpflichtet, für pflegende Angehörige kostenlose Pflegekurse anzubieten. In diesen Kursen erlernen Sie unter Anleitung von Fachkräften die Grundlagen der Pflege, der Hygiene und vor allem der rückenschonenden Arbeitsweise. Sie können an Modellen oder zusammen mit anderen Angehörigen die Handgriffe üben, bis Sie sich sicher fühlen.
Noch effektiver als ein allgemeiner Kurs ist die individuelle Schulung in Ihrer eigenen Häuslichkeit (ebenfalls nach § 45 SGB XI). Hierbei kommt eine Pflegefachkraft zu Ihnen nach Hause. Sie schaut sich die konkrete Situation an – Ihr Bett, Ihren Rollstuhl, die räumliche Enge – und übt den Transfer exakt so, wie Sie ihn täglich durchführen müssen. Diese Schulungen sind für Sie völlig kostenlos und können auch mehrfach in Anspruch genommen werden, wenn sich der Zustand des Betroffenen ändert.
Wenn der körperliche und seelische Druck zu groß wird, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine Ambulante Pflege kann beispielsweise morgens und abends kommen, um das schwere Aufstehen und Zubettgehen zu übernehmen. Bei sehr hohem Pflegebedarf oder fortgeschrittener Demenz bietet eine 24-Stunden-Pflege umfassende Entlastung. Hierbei zieht eine Betreuungskraft mit in den Haushalt ein und unterstützt bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens, inklusive der Transfers. Die Finanzierung kann anteilig über das Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder die Verhinderungspflege erfolgen.
Selbst bei bester Absicht schleichen sich im stressigen Pflegealltag oft Fehler ein. Die Kenntnis dieser Fallstricke schützt Sie und Ihren Angehörigen.
Fehler: Unter die Achseln greifen. Dies ist der häufigste und gefährlichste Fehler. Es verursacht Schmerzen, kann Nerven einklemmen und das Schultergelenk schädigen. Lösung: Greifen Sie immer an das stabile Becken, den Rumpf oder nutzen Sie einen Haltegürtel.
Fehler: Zu schnelles Vorgehen. Hektik führt zu Stürzen. Wenn der Betroffene nicht auf das Aufstehen vorbereitet ist, knicken die Beine weg. Lösung: Kündigen Sie jeden Schritt an. Zählen Sie gemeinsam bis drei. Warten Sie an der Bettkante, bis der Kreislauf stabil ist.
Fehler: Falsche Kleidung. Rutschige Socken auf glattem Laminat sind eine Einladung für Unfälle. Lösung: Sorgen Sie konsequent für geschlossenes, rutschfestes Schuhwerk.
Fehler: Rollstuhl nicht gesichert. Ein wegrollender Rollstuhl während des Hinsetzens endet unweigerlich auf dem Boden. Lösung: Machen Sie es sich zur eisernen Regel: Bevor eine Hand den Betroffenen berührt, werden beide Bremsen des Rollstuhls kontrolliert.
Fehler: Den Rücken beugen und heben. Wenn Sie aus einem runden Rücken heraus heben, wirken enorme Scherkräfte auf Ihre Bandscheiben. Lösung: Gehen Sie in die Knie, halten Sie den Rücken gerade und arbeiten Sie mit Gewichtsverlagerung.
Nutzen Sie diese kurze Checkliste, um Routine und Sicherheit in Ihren Pflegealltag zu bringen. Gehen Sie diese Punkte vor jedem Transfer im Geiste durch:
[ ] Ist der Weg vom Bett zum Rollstuhl frei von Hindernissen?
[ ] Steht der Rollstuhl im richtigen Winkel (30-45 Grad) nah am Bett?
[ ] Sind beide Feststellbremsen des Rollstuhls fest angezogen?
[ ] Sind die Fußstützen hochgeklappt oder entfernt?
[ ] Ist die dem Bett zugewandte Armlehne (falls abnehmbar) entfernt?
[ ] Ist das Pflegebett auf die richtige Höhe eingestellt (minimal höher als der Rollstuhl)?
[ ] Tragen beide Personen festes, rutschfestes Schuhwerk?
[ ] Liegen benötigte Hilfsmittel (Rutschbrett, Haltegürtel) griffbereit?
[ ] Weiß die pflegebedürftige Person, was jetzt passiert und was sie tun soll?
Der Transfer vom Bett in den Rollstuhl ist eine wiederkehrende körperliche Herausforderung, die jedoch mit der richtigen Technik und Vorbereitung sicher und rückenschonend bewältigt werden kann. Das Geheimnis liegt in der Anwendung kinästhetischer Prinzipien: Vermeiden Sie das Heben von Gewicht aus dem Rücken heraus und nutzen Sie stattdessen Gewichtsverlagerungen und die Restmobilität der pflegebedürftigen Person. Eine gute Kommunikation und klare Kommandos geben Sicherheit und reduzieren Ängste.
Besondere Vorsicht ist bei halbseitigen Lähmungen geboten. Schützen Sie die betroffene Seite und ziehen Sie niemals an einem gelähmten Arm. Nutzen Sie stattdessen die starke Seite für den Transfer und integrieren Sie kleine, aber hochwirksame Hilfsmittel wie Rutschbretter, Gleitmatten oder Haltegürtel in Ihren Alltag. Wenn die Kraft nicht mehr reicht, scheuen Sie sich nicht, technische Hilfsmittel wie Patientenlifter zu beantragen. Das deutsche Pflegesystem unterstützt Sie hierbei finanziell, sei es durch die Übernahme von Pflegehilfsmitteln oder durch Zuschüsse von bis zu 4.000 Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen.
Denken Sie immer daran: Sie können nur dann gut für andere sorgen, wenn Sie auch auf sich selbst achten. Nehmen Sie die kostenlosen Pflegekurse und häuslichen Schulungen der Pflegekassen in Anspruch und holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung durch professionelle Pflegedienste. Ein gesunder Rücken ist Ihr wichtigstes Werkzeug in der häuslichen Pflege.
Wichtige Antworten zum sicheren Transfer im Pflegealltag