Alarm auf dem Psychotherapeutentag: Weiterbildung und Patientenversorgung massiv in Gefahr

Dominik Hübenthal
Psychotherapeutentag 2026: Gesicherte Finanzierung der Weiterbildung gefordert

Die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland steht vor einer Zerreißprobe. Auf dem 48. Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) am vergangenen Wochenende in Travemünde schlugen die Delegierten Alarm: Wenn die Bundesregierung die Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung nicht umgehend rechtlich absichert, droht ein massiver Fachkräftemangel. In einer eindringlichen Resolution forderten die Experten die sofortige Umsetzung der entsprechenden Versprechen aus dem aktuellen Koalitionsvertrag.

Warnung vor dem Kollaps der ambulanten Versorgung

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) machte auf der Tagung deutlich, dass die aktuelle Gesundheitspolitik fatale Folgen für das ohnehin angespannte System haben könnte. Zwar müsse die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung zweifellos stabilisiert werden, doch Sparmaßnahmen an der falschen Stelle seien kontraproduktiv. Laut der Präsidentin der BPtK, Dr. Andrea Benecke, würden tiefe Einschnitte in die extrem effiziente ambulante Versorgung das Gesundheitssystem am Ende nur verschlechtern und massiv verteuern. Einen solchen Sparkurs auf dem Rücken der Patienten könne man nicht hinnehmen.

Honorarkürzungen auf dem Prüfstand

Ein zentraler Streitpunkt der Tagung war der Beschluss der bundesweiten Selbstverwaltung, das Honorar für ambulante Psychotherapie um empfindliche 4,5 Prozent zu kürzen. Diese Pläne stießen auf dem Kongress auf breiten Widerstand, der auch von politischer Seite deutlich unterstützt wurde:

  • Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther bezeichnete die angekündigten Kürzungen der psychotherapeutischen Vergütung in einer Videobotschaft als „große Herausforderung“ für die Therapeutenschaft.
  • Dr. Olaf Tauras, Staatssekretär im Kieler Gesundheitsministerium, verwies auf den unmissverständlichen Versorgungsbedarf in der Bevölkerung. Er betonte, dass der Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz das Bundesgesundheitsministerium bereits aufgefordert habe, den umstrittenen Kürzungsbeschluss rechtsaufsichtlich zu überprüfen.

Steigender Bedarf erfordert verlässliche Strukturen

Der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung steigt seit Jahren kontinuierlich an. Um diesen wachsenden Bedarf auch nur annähernd decken zu können, ist das Gesundheitssystem zwingend auf ausreichend gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Doch ohne eine gesicherte Finanzierung der Weiterbildung nach dem Studium wird es für Praxen und medizinische Versorgungszentren zunehmend unmöglich, den dringend benötigten Nachwuchs anzustellen und auszubilden.

Die Botschaft der Fachexperten in Travemünde ist eindeutig: Die Politik muss jetzt entschlossen handeln, um die Versorgung psychisch erkrankter Menschen auch in Zukunft auf einem qualitativ hohen Niveau aufrechtzuerhalten. Eine anhaltende Blockade bei der Weiterbildungsfinanzierung und gleichzeitige Honorarkürzungen gehen letztlich vollumfänglich auf Kosten der Patientinnen und Patienten, die ohnehin schon oft monatelang auf einen rettenden Therapieplatz warten müssen.

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