Arthrose-Risiko nach Knie-OP: Studie warnt vor Routine-Eingriff am Meniskus

Benedikt Hübenthal
Knie-OP bei Meniskusriss oft nutzlos: Studie warnt vor Arthrose

Knieschmerzen gehören zu den häufigsten Gelenkbeschwerden, besonders im fortgeschrittenen Alter. Oft lautet die Diagnose beim Orthopäden: degenerativer Meniskusriss. Die ärztliche Standardbehandlung war für lange Zeit ein operativer Eingriff, die sogenannte partielle Meniskektomie. Doch eine aktuelle Untersuchung rüttelt an diesem Vorgehen und warnt vor fatalen Spätfolgen für das Gelenk.

Häufige Knie-OP bringt keine langfristige Linderung

Die teilweise Entfernung des Meniskus zählt weltweit zu den am häufigsten durchgeführten orthopädischen Operationen. Dabei werden über eine minimal-invasive Gelenkspiegelung (Arthroskopie) die beschädigten Teile des Knorpels entfernt. Wie das Deutsche Ärzteblatt unter Berufung auf eine finnische Studie im renommierten Fachmagazin New England Journal of Medicine berichtet, bringt dieser Eingriff bei verschleißbedingten Schäden jedoch keinen messbaren Nutzen für die Patienten.

Die Ergebnisse der randomisierten Langzeituntersuchung sind eindeutig: Im Vergleich zu einer bloßen Scheinoperation konnten die echten Eingriffe die Schmerzen der Betroffenen nicht besser lindern. Experten raten daher zunehmend von einem allzu schnellen Griff zum Skalpell ab.

Erhöhtes Risiko für Arthrose und künstliche Gelenke

Besonders alarmierend sind die Spätfolgen, auf die die Forscher hinweisen. Die Operation ist demnach nicht nur oft nutzlos, sie kann im schlimmsten Fall sogar erheblichen Schaden anrichten. Laut den Studiendaten deuten die Nachuntersuchungen darauf hin, dass die partielle Meniskektomie die Entwicklung einer massiven Kniegelenksarthrose langfristig beschleunigen könnte.

Mögliche Folgen des operativen Eingriffs:

  • Verlust der Pufferfunktion: Durch die Gewebeentnahme verliert der Meniskus seine wichtige Eigenschaft als Stoßdämpfer.
  • Schnellerer Verschleiß: Die verbleibenden Knorpelflächen im Knie reiben stärker aneinander.
  • Gelenkersatz: Es besteht eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass im späteren Verlauf ein künstliches Kniegelenk (Knie-TEP) eingesetzt werden muss.

Wichtig: Ursache des Risses entscheidet über die Therapie

Mediziner unterscheiden strikt zwischen zwei Arten von Meniskusverletzungen. Bei jungen Menschen, die sich beispielsweise beim Sport das Knie verdrehen, handelt es sich meist um einen traumatischen Riss. Hier ist eine Operation oft unumgänglich und sinnvoll, um das Gelenk zu stabilisieren und Folgeschäden zu vermeiden.

Ganz anders verhält es sich bei älteren Patienten. Hier entstehen die Risse meist durch eine schleichende Abnutzung über Jahre hinweg – ein sogenannter degenerativer Riss. In solchen Fällen ist das Gewebe ohnehin stark geschwächt. Eine operative Entfernung der eingerissenen Ränder löst das grundlegende Verschleißproblem nicht, sondern verschärft es unter Umständen noch.

Welche Alternativen haben Patienten?

Anstatt sich vorschnell operieren zu lassen, sollten Betroffene auf konservative Behandlungsmethoden setzen. Fachgesellschaften empfehlen bei degenerativen Meniskusschäden primär einen nicht-operativen Ansatz:

  • Physiotherapie: Ein gezieltes Aufbautraining stärkt die Muskulatur rund um das Knie und entlastet so das Gelenk effektiv.
  • Gewichtsreduktion: Jedes Kilo weniger mindert den Druck auf die ohnehin strapazierten Knorpelscheiben im Knie.
  • Schmerztherapie: Begleitende medikamentöse Behandlungen können helfen, die akute Entzündungsphase zu überwinden, um überhaupt mit dem Training beginnen zu können.

Patienten, denen aufgrund von altersbedingtem Verschleiß zu einer Meniskus-OP geraten wird, sollten im Zweifel immer eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Die neuen Studienergebnisse unterstreichen eindrucksvoll, dass ein abwartendes, konservatives Vorgehen bei Gelenkverschleiß oft die bessere und vor allem sicherere Wahl für die langfristige Mobilität ist.

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