Ärzte fordern radikales Umdenken: Strengere Regeln für Alkohol und Tabak
Der 130. Deutsche Ärztetag setzt ein unmissverständliches Zeichen: Die Suchtmedizin und die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland müssen dringend reformiert werden. Im Zentrum der Debatte stehen der Abbau von Stigmatisierung sowie drastische Forderungen im Umgang mit legalen Suchtmitteln wie Alkohol und Nikotin.
Sucht ist keine Randerscheinung, sondern eine Krankheit
Abhängigkeitserkrankungen dürfen in der Gesellschaft nicht länger tabuisiert oder als persönliches Versagen abgetan werden. Wie die Bundesärztekammer betont, handelt es sich bei Suchterkrankungen um ein hochrelevantes Thema, das sowohl die tägliche ärztliche Praxis als auch die Gesellschaft als Ganzes massiv betrifft. Die Mediziner fordern daher eine konsequent wissenschaftsbasierte Weiterentwicklung der Suchtmedizin. Der Fokus müsse auf mehr Prävention, einer nachhaltigen Stärkung der Suchthilfe und dem Ausbau suchtmedizinischer Kompetenzen in der Ärzteschaft liegen.
Scharfe Kritik an der aktuellen Drogenpolitik
Besonders deutlich wurden die Abgeordneten des Ärztetages bei der Bewertung der aktuellen politischen Maßnahmen im Umgang mit legalen Suchtmitteln. Die Politik bleibe hier laut Expertenmeinung weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Um Jugendliche und gefährdete Personen wirksam zu schützen, fordern die Mediziner weitreichende Maßnahmen:
- Strenge Nikotinkontrolle: Gefordert werden ein vollständiges Werbeverbot für Tabak- und Nikotinprodukte, deutliche Steuererhöhungen sowie die Einführung neutraler Einheitspackungen.
- Verbot von E-Zigaretten-Aromen: Aromastoffe, die besonders auf junge Zielgruppen anziehend wirken, sollen verboten werden. Ebenso wird ein Verkaufsstopp über Automaten und im Online-Handel angemahnt.
- Ende des "begleiteten Trinkens": Der Alkoholkonsum von Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren im Beisein der Eltern soll nach dem Willen der Ärzteschaft abgeschafft werden. Zudem plädieren sie dafür, das Mindestalter für den Kauf und Konsum von Alkohol generell auf 18 Jahre anzuheben.
Stigmatisierung abbauen – Hilfe zugänglich machen
Neben den verhältnispräventiven Maßnahmen steht der menschliche Umgang mit den Betroffenen im Vordergrund. Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen erleben im Alltag und teilweise auch im Gesundheitssystem noch immer Ausgrenzung. Der Ärztetag appelliert an Politik und Gesellschaft, diese Stigmatisierung aktiv abzubauen. Nur durch ein offenes und vorurteilsfreies Klima könne sichergestellt werden, dass Betroffene frühzeitig und ohne Scham professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Ein klarer Appell an die Politik
Die Forderungen der Ärzteschaft sind ein unmissverständlicher Arbeitsauftrag an die Bundesregierung. Die Experten machen deutlich, dass halbherzige Kompromisse in der Suchtpolitik Menschenleben gefährden. Es brauche nun mutige, evidenzbasierte Entscheidungen, um den Schutz der Bevölkerung – und hierbei insbesondere den von Kindern und Jugendlichen – nachhaltig zu gewährleisten.
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