Blutstrominfektionen: Schnelltests auf Antibiotikaresistenzen bringen nicht den erhofften Durchbruch

Djamal Sadaghiani
Blutstrominfektionen: Schnelltests auf Resistenzen enttäuschen in Studie

Es klang nach einem vielversprechenden Ansatz im Kampf gegen gefährliche Krankenhauskeime: Sogenannte Schnelltests sollen bei Blutstrominfektionen zügig aufzeigen, gegen welche Antibiotika die Erreger resistent sind. Doch eine groß angelegte internationale Untersuchung dämpft nun die Erwartungen. Wie die renommierte medizinische Fachzeitschrift JAMA (Journal of the American Medical Association) in der sogenannten FAST-Studie berichtet, führen diese raschen Testergebnisse weder zu einem besseren klinischen Gesamtergebnis noch zu einer höheren Überlebensrate der betroffenen Patienten.

Die FAST-Studie: Ein internationaler Härtetest

Blutstrominfektionen, häufig ausgelöst durch gramnegative Bakterien wie Escherichia coli, sind weltweit für schwere Krankheitsverläufe und hohe Sterblichkeitsraten verantwortlich. Besonders in Regionen mit vielen multiresistenten Keimen zählt bei der Behandlung jede Stunde. Aus diesem Grund untersuchte ein internationales Forschungsteam in der FAST-Studie (Fast Antimicrobial Susceptibility Testing), ob ein neuartiges Schnelltest-Verfahren die Patientenversorgung revolutionieren könnte.

Für die Studie wurden 850 hospitalisierte Erwachsene und Kinder in Krankenhäusern in Griechenland, Indien, Israel und Spanien begleitet – allesamt Länder, die stark von Antibiotikaresistenzen betroffen sind. Die Hälfte der Patienten erhielt die Standarddiagnostik, während bei der anderen Hälfte die Erreger direkt aus den positiven Blutkulturen einem Schnelltest auf Resistenzen unterzogen wurden.

Schnelleres Wissen rettet nicht zwingend Leben

Die Ergebnisse fielen ernüchternd aus. Nach 30 Tagen zeigte sich beim klinischen Gesamtergebnis – einer Kombination aus Überleben und dem Ausbleiben schwerer Komplikationen – kein signifikanter Vorteil für die Schnelltest-Gruppe. Auch die Sterblichkeitsrate lag in beiden Gruppen ähnlich hoch, bei etwa 23 bis 24 Prozent.

  • Keine Reduktion der Liegezeit: Die durchschnittliche Dauer des Krankenhausaufenthalts blieb für die Gesamtgruppe unverändert.
  • Keine Vermeidung der Intensivstation: Auch die Rate der Verlegungen auf eine Intensivstation konnte durch die schnelle Diagnostik nicht gesenkt werden.

Die Studienautoren schlussfolgern daraus, dass ein bloßer Zeitgewinn bei der Labor-Diagnostik nicht ausreicht, um die komplexen Verläufe schwerer Blutstrominfektionen entscheidend zu verbessern.

Ein Lichtblick für bestimmte Risikogruppen

Trotz der verfehlten Hauptziele offenbarte die Untersuchung auch positive Aspekte. Die behandelnden Ärzte konnten die Antibiotikatherapie dank der Schnelltests deutlich rascher anpassen. Im Durchschnitt wurde die Medikation bereits nach 22 Stunden optimiert – im Vergleich zu 36 Stunden bei der konventionellen Standardmethode.

Besonders Patienten, die mit extrem hartnäckigen, carbapenem-resistenten Bakterien infiziert waren, profitierten von diesem Tempo. In dieser spezifischen Untergruppe verkürzte sich die Zeit bis zur Gabe eines wirksamen Antibiotikums drastisch von 28 auf nur 9,5 Stunden. Dies führte bei diesen Hochrisikopatienten im Schnitt zu einer um drei Tage kürzeren Krankenhausverweildauer.

Was bedeutet das für den Klinikalltag?

Für Pflegekräfte, Ärzte und das gesamte klinische Personal zeigt die FAST-Studie ein differenziertes Bild: Technische Innovationen und Schnelltests sind wertvolle Werkzeuge, um Therapien zielgerichteter zu steuern und den unnötigen Einsatz von Breitbandantibiotika frühzeitig zu beenden. Sie sind jedoch kein Allheilmittel. Die Heilungschancen bei schweren Blutstrominfektionen hängen weiterhin von einem komplexen Zusammenspiel aus rechtzeitiger Erkennung, optimaler pflegerischer und medizinischer Versorgung sowie der allgemeinen körperlichen Verfassung der Patienten ab.

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