Bundesärztekammer fordert Krisenplan: So soll das Gesundheitssystem krisenfest werden

Djamal Sadaghiani
Krisenplan der Bundesärztekammer: Strategie für ein widerstandsfähiges Gesundheitssystem

Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen, Naturkatastrophen und möglicher neuer Pandemien schlägt die Bundesärztekammer (BÄK) Alarm. Das deutsche Gesundheitssystem muss nach Ansicht der Ärzteorganisation grundlegend widerstandsfähiger aufgestellt werden. In einem umfassenden Strategiepapier mit dem Titel „Im Krisenfall handlungsfähig: Resilienz des Gesundheitswesens aus ärztlicher Sicht“ fordert der Verband tiefgreifende Reformen und klare gesetzliche Weichenstellungen.

Drei zentrale Säulen für den Ernstfall

Das Konzept, das gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus medizinischer Wissenschaft, Bevölkerungsschutz und der Bundeswehr erarbeitet wurde, konzentriert sich auf drei wesentliche Handlungsfelder:

  • Effiziente Zusammenarbeit und Lageüberblick: Bessere Vernetzung von Bund, Ländern und Kommunen sowie die Schaffung eines zentralen Lagezentrums.
  • Sichere Ressourcen und Infrastruktur: Zuverlässige Bevorratung mit medizinischen Gütern und der Schutz kritischer Infrastrukturen vor Cyberangriffen und Ausfällen.
  • Stärkung des Personals: Sicherung ausreichender Personalressourcen und gezielte Schulungen für Ausnahmesituationen.

Nach Angaben der Bundesärztekammer sei der Gesetzgeber nun gefordert, diese Maßnahmen im geplanten Gesundheitssicherstellungsgesetz zügig und entschlossen zu verankern.

Neues Bundeslagezentrum und gestärkter Gesundheitsdienst

Ein zentraler Kritikpunkt der Mediziner an der aktuellen Aufstellung ist die Zersplitterung der Zuständigkeiten. Um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben, brauche es transparente Strukturen und feste Abläufe. Die Bundesärztekammer regt daher die Einrichtung eines bundesweiten Lagezentrums Gesundheit an. Dieses soll in Krisen kontinuierlich Daten zu Bettenkapazitäten, Personalverfügbarkeiten, Materialbeständen und Infektionslagen bündeln.

Gleichzeitig soll der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) nachhaltig ausgebaut werden. Ergänzend fordern die Experten regelmäßig stattfindende und voll finanzierte Notfall- und Katastrophenübungen, um das Zusammenspiel aller Akteure – von Rettungsdiensten über Krankenhäuser bis hin zu niedergelassenen Praxen und Pflegeeinrichtungen – realistisch zu proben.

Schutz kritischer Infrastruktur und Personalsicherung

Neben organisatorischen Anpassungen rückt die materielle und digitale Sicherheit in den Fokus. Gesundheitseinrichtungen müssen besser vor Stromausfällen, Versorgungslücken bei Medikamenten und Medizinprodukten sowie vor gezielten Cyberangriffen geschützt werden.

Den entscheidenden Faktor bildet jedoch das medizinische und pflegerische Fachpersonal. Ohne ausreichende personelle Kapazitäten, verlässliche Arbeitsbedingungen und psychologische Unterstützung im Krisenfall könne keine Notfallstruktur aufrechterhalten werden. Die Bundesärztekammer fordert daher eine nachhaltige Ausbildungsoffensive und konkrete Schutzkonzepte für das Personal, um die Patientenversorgung auch unter Extrembedingungen zu garantieren.

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