Chaos bei Pflegekammer-Umfrage: Verdi fordert Abbruch

Djamal Sadaghiani
Pflegekammer Rheinland-Pfalz: Umfrage startet mit Technik-Chaos

Es sollte ein Meilenstein für die Mitbestimmung der Pflegekräfte werden, doch stattdessen droht die Befragung zur Zukunft der Pflegekammer Rheinland-Pfalz zu einem echten Debakel zu werden. Bei der entscheidenden Online-Umfrage, die über das Fortbestehen der umstrittenen Interessenvertretung entscheiden könnte, kam es direkt zu Beginn zu massiven technischen Ausfällen. Die Gewerkschaft Verdi läuft nun Sturm und fordert drastische Konsequenzen.

Server-Zusammenbruch zum Start der Schicksalsumfrage

Rund 40.000 Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz sind seit dem 23. März aufgerufen, über die Zukunft ihrer Kammer abzustimmen. Doch wer seine Stimme abgeben wollte, brauchte zunächst vor allem eines: viel Geduld. Wegen eines enormen Ansturms stießen die Server rasch an ihre Belastungsgrenzen. Die Folge waren Fehlermeldungen und eine zeitweise komplett unerreichbare Internetseite.

Die Landespflegekammer selbst räumte die Probleme ein und sprach in einer offiziellen Stellungnahme von einer hohen Beteiligung trotz eines „holprigen Starts“. Inzwischen seien die Serverkapazitäten deutlich erweitert worden, sodass die Abstimmung ordnungsgemäß laufe. Bislang haben laut Kammerangaben rund 5.200 Mitglieder an der Befragung teilgenommen.

Verdi fordert sofortigen Abbruch der Befragung

Für die Gewerkschaft Verdi sind die Nachbesserungen jedoch nicht ausreichend. Sie kritisiert den Ablauf der Befragung scharf und fordert den sofortigen Abbruch der Abstimmung. Laut Vertretern der Gewerkschaft hätten zahlreiche Pflegekräfte über fehlende oder eingeschränkte Zugänge geklagt. Besonders brisant: Angeblich seien während der laufenden Umfrage noch nachträglich Änderungen am Fragenkatalog und an den Antwortmöglichkeiten vorgenommen worden.

Ein solches Vorgehen widerspreche grundlegenden Standards für eine faire und belastbare Befragung, so die Kritik. Ein Festhalten an der aktuellen Umfrage würde den ohnehin schon schwindenden Vertrauensvorschuss der Pflegekräfte in ihre Kammer nur noch weiter beschädigen.

Zukunft der Pflegekammer ungewiss

Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz wurde im Jahr 2016 als bundesweite Vorreitereinrichtung gegründet, steht aber seit Jahren massiv in der Kritik. Im Zentrum des Unmuts vieler Pflegekräfte steht vor allem die Pflichtmitgliedschaft, die mit verpflichtenden Beitragszahlungen verbunden ist. Viele Pflegende fühlen sich durch die Kammer nicht ausreichend vertreten und stellen deren Existenzberechtigung infrage.

Mögliche Szenarien für die kommenden Tage

Wie die Vertreterversammlung der Pflegekammer nun mit der massiven Kritik umgeht, ist derzeit Gegenstand intensiver interner Beratungen. Folgende Szenarien stehen aktuell im Raum:

  • Reguläres Ende: Die Umfrage läuft wie ursprünglich geplant bis zum 2. April weiter.
  • Verlängerung: Der Befragungszeitraum wird ausgeweitet, um den Pflegekräften, die durch die technischen Pannen behindert wurden, mehr Zeit einzuräumen.
  • Vorzeitiger Abbruch: Die Kammer beugt sich dem Druck der Kritiker und stoppt das Verfahren komplett für einen späteren Neuanfang.

Für die Pflegekräfte in Rheinland-Pfalz bleibt die Situation vorerst angespannt. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Kammer die Wogen glätten kann oder ob das Projekt Pflegekammer in seiner jetzigen Form vor dem endgültigen Aus steht.

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