Corona-Aufarbeitung: Wie Mütter die Hauptlast der Pandemie trugen
Die Corona-Pandemie hat tiefe Spuren in unserer Gesellschaft hinterlassen. Doch eine Gruppe hat die Krise besonders hart getroffen: Frauen und insbesondere Mütter. In einer aktuellen Anhörung der Enquetekommission zur Corona-Aufarbeitung wurde nun schonungslos offengelegt, wie sehr die politischen Maßnahmen und gesellschaftlichen Strukturen zu Lasten von Frauen gingen.
Doppelbelastung am Limit: Wenn Homeoffice und Kinderbetreuung verschmelzen
Der ehemalige Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) fand als Sachverständiger deutliche Worte für die Geschehnisse der vergangenen Jahre. Er betonte, dass es vor allem Frauen gewesen seien, die in vielerlei Hinsicht die Hauptlasten der Pandemieerfahrung geschultert hätten. Die parallele Bewältigung von Erwerbsarbeit und unbezahlter Sorgearbeit zu Hause habe zu massiven Verwerfungen geführt. Dieser eklatante Geschlechterzusammenhang müsse bei der Aufarbeitung der Krise zwingend in den Fokus rücken.
Strukturelle Ungleichheit als Krisenverstärker
Dass die Pandemie keine Gleichmacherin war, unterstrich auch Judith Rahner, Geschäftsführerin des Deutschen Frauenrates. Laut Rahner seien bestehende Geschlechterungleichheiten durch die Krise drastisch verschärft worden. Die politischen Maßnahmen trafen nicht auf eine neutrale Basis, sondern auf tief verwurzelte, ungleiche Erwerbs-, Einkommens- und Machtstrukturen. Besonders die unbezahlte Care-Arbeit innerhalb der Familien werde bis heute gesellschaftlich und politisch viel zu wenig gewürdigt.
Ihre Forderung an die Politik ist daher unmissverständlich: Es bedarf dringend neuer Rahmenbedingungen, welche die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen stärken und eine faire, partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit fördern. "Gleichstellungspolitik ist kein nachgeordnetes Thema der Krisenbewältigung, sie ist eine Voraussetzung gesellschaftlicher Resilienz", mahnte Rahner in der Anhörung.
Das Wohlbefinden von Müttern im freien Fall
Wie dramatisch die Auswirkungen auf die mentale Gesundheit waren, belegen die Ausführungen von Katharina Spieß, Direktorin des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB). Das allgemeine Wohlbefinden von Müttern sei während der Pandemie signifikant zurückgegangen. Besonders alarmierend: Die Schere bei der Verteilung der Care-Arbeit ging ausgerechnet bei jenen Paaren noch weiter auseinander, bei denen die Mütter bereits vor der Krise den Löwenanteil der familiären Pflichten trugen. Familien, in denen Väter die Hauptverantwortung für die Sorgearbeit übernahmen, blieben laut den Experten eine absolute Ausnahmeerscheinung.
Lehren für die Zukunft ziehen
Die Ergebnisse der Enquetekommission machen deutlich, dass die Gesellschaft aus den Fehlern der Pandemie lernen muss. Eine krisenfeste Zukunft kann nur gelingen, wenn die unsichtbare Arbeit von Frauen endlich sichtbar gemacht und strukturell entlastet wird. Für Pflegekräfte, Familien und die gesamte Gesellschaft ist dies ein Weckruf, Gleichstellung nicht als Luxus, sondern als fundamentales Fundament unseres Zusammenlebens zu begreifen.
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