Darmkrebs-Vorsorge rettet Leben – doch die Deutschen ignorieren sie

Benedikt Hübenthal
Darmkrebs-Früherkennung: G-BA Bericht zeigt niedrige Teilnahme

Die Diagnose Krebs ist ein Schock, doch bei kaum einer anderen Tumorart sind die Heilungschancen so gut wie bei Darmkrebs – vorausgesetzt, er wird frühzeitig erkannt. Dennoch bleibt ein Großteil der Deutschen bei diesem Thema extrem zurückhaltend. Ein aktueller Bericht zeigt nun schwarz auf weiß: Die gut gemeinten Einladungen der Krankenkassen zur Früherkennung verfehlen viel zu oft ihre Wirkung.

Alarmierende Zahlen zur Darmkrebs-Früherkennung

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Allein im Jahr 2022 erkrankten laut dem aktuellen Evaluationsbericht 2025 des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) rund 54.600 Menschen an einem sogenannten kolorektalen Karzinom. Um diese Zahlen zu senken, gibt es seit 2019 ein organisiertes Programm zur Krebsfrüherkennung. Doch die Auswertung der Jahre 2020 bis 2024 zeichnet ein ernüchterndes Bild: Die Teilnahmerate bewegt sich bundesweit auf einem besorgniserregend niedrigen Niveau.

Briefe der Krankenkassen verpuffen meist wirkungslos

Gesetzlich Versicherte ab 50 Jahren erhalten regelmäßig Post von ihrer Krankenkasse, die sie auf die lebensrettenden Vorsorgemöglichkeiten hinweist. Zwischen 2020 und 2023 bekamen durchschnittlich knapp 90 Prozent der Anspruchsberechtigten ein solches Einladungsschreiben. Die erhoffte Motivation bleibt jedoch meist aus. Wie der G-BA-Bericht offenlegt, ließen sich weniger als sieben Prozent der Eingeladenen innerhalb der ersten drei Monate nach Erhalt des Schreibens untersuchen. Im Durchschnitt verging fast ein ganzes Jahr (336 Tage), bis ein Termin überhaupt wahrgenommen wurde. Paradoxerweise nahm mehr als die Hälfte der Erstteilnehmenden sogar ohne eine zuvor dokumentierte Einladung an der Früherkennung teil.

Stuhltest oder Darmspiegelung: Wer nutzt was?

Grundsätzlich stehen zwei Untersuchungsmethoden zur Verfügung: der immunologische Stuhltest (iFOBT), der auf unsichtbares Blut im Stuhl prüft, und die Früherkennungs-Darmspiegelung (Koloskopie). Seit einer wichtigen Reform im April 2025 gelten hierbei für Männer und Frauen ab 50 Jahren endlich die gleichen Altersgrenzen.

Trotz der einfachen Handhabung des Stuhltests für zu Hause fallen die jährlichen Teilnahmeraten erschreckend gering aus:

  • Bei den 50- bis 54-Jährigen nutzen nur etwa 3 bis 4 Prozent der Männer den Test, bei den Frauen sind es immerhin rund 12 bis 14 Prozent.
  • In der Altersgruppe ab 55 Jahren steigen die Raten zwar leicht an, bleiben aber mit rund 8 Prozent bei Männern und 10 Prozent bei Frauen auf einem niedrigen Level.

Bei der wesentlich aufwendigeren, aber auch deutlich aussagekräftigeren Darmspiegelung zeigt sich ein etwas anderes Bild. Hier liegen die Männer mit einer Vierjahresteilnahmerate von über 7 Prozent knapp vor den Frauen (rund 6 Prozent). Generell lässt sich ableiten: Frauen greifen lieber zum unkomplizierten Stuhltest, Männer überwinden sich eher zur Darmspiegelung.

Prävention ist der beste Schutz

Mediziner und Gesundheitsexperten appellieren dringend an die Bevölkerung, die kostenlosen Angebote der gesetzlichen Krankenversicherungen wahrzunehmen. Darmkrebs entwickelt sich meist über viele Jahre unbemerkt aus zunächst gutartigen Vorstufen, den sogenannten Polypen. Werden diese bei einer Darmspiegelung entdeckt, können sie sofort schmerzfrei entfernt werden, bevor überhaupt ein bösartiger Tumor entsteht. Die Früherkennung ist somit nicht nur eine bloße Suche nach der Krankheit, sondern echte Prävention, die tagtäglich Leben retten kann.

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