Ein Jahr elektronische Patientenakte: Schwere Kritik der Ärzteschaft
Mit großen Versprechungen und hohen Erwartungen an eine moderne, vernetzte Gesundheitsversorgung startete die elektronische Patientenakte (ePA) vor genau einem Jahr flächendeckend. Sie sollte die Zettelwirtschaft im Gesundheitssystem beenden, Behandlungsdaten für Arztpraxen, Krankenhäuser und Pflegekräfte nahtlos bündeln und so die Patientensicherheit spürbar verbessern. Ein Jahr nach dem verbindlichen Start fällt das Fazit vieler Medizinerinnen und Mediziner jedoch ausgesprochen ernüchternd aus.
Große Versprechen treffen auf holprigen Alltag
Anstelle einer spürbaren Entlastung dominiert in vielen Praxen und medizinischen Einrichtungen weiterhin der Frust. Wie Ärzteverbände wie die Freie Ärzteschaft betonen, sei das einstige Versprechen einer praktischen Lösung für alle in der Versorgungsrealität bisher nicht angekommen. Anstatt routinierter Abläufe klagen Behandelnde über zeitraubende Softwareprobleme, unübersichtliche Datenstrukturen und eine mangelhafte Einbindung in den tatsächlichen Behandlungsalltag.
Für Pflegekräfte und Ärzte bedeutet die Digitalisierung unter den aktuellen Bedingungen häufig Mehrarbeit statt Erleichterung:
- Hoher Zeitaufwand: Das Aufrufen und Pflegen der digitalen Dokumente bindet wertvolle Zeit, die bei der direkten Betreuung der Patienten fehlt.
- Technische Unwägbarkeiten: Schnittstellenprobleme und Serverausfälle bremsen den Praxisbetrieb regelmäßig aus.
- Geringe Akzeptanz: Unklare Informationswege sorgen sowohl auf Patientenseite als auch beim Fachpersonal für Verunsicherung bezüglich Datenschutz und Handhabung.
Pflege und Praxen brauchen praxistaugliche Lösungen
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist für eine zukunftssichere Versorgung unverzichtbar – darin sind sich Experten, Kassen und Behandler grundsätzlich einig. Doch ein digitaler Datenaustausch kann seine Vorteile nur dann entfalten, wenn die Systeme stabil laufen, intuitiv bedienbar sind und echten Mehrwert für die Beteiligten bieten.
Aus der Praxis werden daher deutliche Nachbesserungen gefordert: Software-Hersteller und Gesundheitspolitik müssen bestehende Hürden abbauen und die Anwendungen konsequent an den realen Bedürfnissen der Behandlungs- und Pflegepraxis ausrichten, damit die digitale Patientenakte endlich den erhofften Nutzen für alle Beteiligten erbringen kann.
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