Ein Jahr ePA: Warum die Gesundheits-Digitalisierung weiter stockt

Benedikt Hübenthal
Elektronische Patientenakte (ePA): Nur 25 % Nutzung nach einem Jahr

Die Erwartungen waren groß, als die elektronische Patientenakte (ePA) vor einem Jahr flächendeckend für alle gesetzlich Versicherten in Deutschland eingeführt wurde. Das Ziel: Ein digital vernetztes Gesundheitswesen, das die Zettelwirtschaft beendet, Doppeluntersuchungen vermeidet und die medizinische Versorgung insgesamt sicherer macht. Doch die Realität sieht ein Jahr später ernüchternd aus, und der digitale Wandel lässt weiter auf sich warten.

Nur jeder Vierte nutzt die digitale Akte

Wie aktuelle Daten des Verbandes Pharma Deutschland e.V. zeigen, hat die Nutzung der ePA zwar im vergangenen Jahr leicht zugenommen, bleibt aber weit hinter den ursprünglichen Erwartungen der Politik und der Krankenkassen zurück. Aktuell nutzt lediglich rund ein Viertel der Versicherten die digitalen Akten aktiv. Ein Großteil der Patienten verlässt sich demnach weiterhin auf traditionelle, analoge Kommunikationswege zwischen Arzt, Apotheke und Klinik.

Gründe für die schleppende Akzeptanz

Experten aus dem Gesundheitssektor sehen verschiedene Ursachen für die anhaltende Zurückhaltung der Bevölkerung gegenüber den digitalen Gesundheitsanwendungen:

  • Technische Hürden: Viele Nutzer empfinden die anfänglichen Registrierungsprozesse (wie das PostIdent-Verfahren) und die teils unübersichtliche Bedienung der jeweiligen Krankenkassen-Apps als zu kompliziert.
  • Datenschutzbedenken: Trotz strenger europäischer und nationaler Sicherheitsvorgaben herrscht bei vielen Patienten weiterhin große Unsicherheit darüber, wer genau Zugriff auf ihre hochsensiblen Gesundheitsdaten hat.
  • Mangelnde Aufklärung: Es fehlt an verständlichen, flächendeckenden Informationskampagnen, die den konkreten Nutzen der ePA im Alltag – wie etwa den lebensrettenden digitalen Medikationsplan oder das schnelle Teilen von Röntgenbildern – klar und einfach erklären.

Digitalisierung als Dauerbaustelle

Der schleppende Fortschritt bei der elektronischen Patientenakte ist symptomatisch für die allgemeine Lage der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen. Während andere europäische Länder längst erfolgreich auf volldigitale Gesundheitsakten setzen und E-Rezepte seit Jahren zum Standard gehören, kämpft Deutschland weiterhin mit Insellösungen, Serverausfällen und massiven bürokratischen Hürden.

Um die Akzeptanz in der Bevölkerung spürbar zu steigern, fordern Branchenvertreter nun deutlich anwenderfreundlichere Systeme und vor allem eine stärkere Einbindung der Ärzteschaft. Denn nur wenn Haus- und Fachärzte die ePA aktiv in ihren Praxisalltag integrieren, sie mit Befunden füllen und ihren Patienten den direkten Mehrwert aufzeigen, kann die lang ersehnte digitale Wende in der Medizin noch gelingen.

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