Gefahr durch Wetterextreme: Hitze und Kälte treiben Demenz-Patienten in die Notaufnahme

Benedikt Hübenthal
Demenz & Wetterextreme: Mehr Notfälle bei Hitze und Kälte

Wenn das Wetter zur medizinischen Gefahr wird

Der Klimawandel bringt zunehmend extreme Wetterlagen mit sich – von Hitzewellen bis hin zu eisigen Kälteeinbrüchen. Dass diese Schwankungen den Kreislauf belasten, ist weithin bekannt. Doch eine aktuelle Untersuchung zeigt nun alarmierende Auswirkungen auf eine besonders vulnerable Gruppe: Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Demenz.

Vorläufige Daten, die auf dem Kongress der European Academy of Neurology (EAN) 2026 vorgestellt wurden, verdeutlichen, dass sowohl extreme Hitze als auch Kälte das Risiko für Notfallbehandlungen bei Demenz-Patienten signifikant in die Höhe treiben.

Umfassende Langzeitstudie aus Bologna

Bislang gab es kaum verlässliche Daten darüber, wie sich drastische Temperaturunterschiede auf Menschen mit Demenz oder Morbus Parkinson auswirken. Ein Forschungsteam des renommierten IRCCS Institute of Neurological Sciences in Bologna (Italien) hat diese Lücke nun geschlossen.

Die Wissenschaftler analysierten die Notaufnahmebesuche von 13.680 Menschen mit Demenz sowie 2.755 Parkinson-Patienten aus dem Zeitraum von 2015 bis 2024. Das Ziel der Untersuchung war es herauszufinden, ob und in welchem Ausmaß Wetterextreme mit akuten medizinischen Notfällen zusammenhängen.

Hitze wirkt sofort, Kälte mit Verzögerung

Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig und sollten Pflegende wie Angehörige aufhorchen lassen:

  • Gefahr durch Hitze: Kletterte das Thermometer auf annähernd 30 Grad Celsius, stieg die Zahl der Notaufnahmebesuche innerhalb der folgenden drei Tage um elf Prozent an.
  • Besonders gefährdete Altersgruppe: Bei den 70- bis 90-Jährigen war der Hitzeeffekt am stärksten ausgeprägt. Hier nahm das Risiko für einen Krankenhausbesuch nach starken Hitzetagen sogar um drastische 19 Prozent zu.
  • Der trügerische Kälte-Effekt: Auch extreme Kälte (Werte um 1,5 Grad Celsius) birgt erhebliche Risiken, allerdings zeitverzögert. Etwa zehn Tage nach der Kälteexposition stieg das Risiko für eine Notaufnahme um 14 Prozent.

Was bedeutet das für den Pflegealltag?

Für Angehörige und Pflegekräfte bedeutet diese Erkenntnis, dass bei extremen Wetterlagen höchste Wachsamkeit geboten ist. Menschen mit Demenz können ihr eigenes Temperaturempfinden oft nicht mehr richtig einschätzen oder kommunizieren. Sie vergessen zu trinken, ziehen sich bei Hitze zu warm oder bei Kälte zu dünn an.

Gesundheitsexperten raten daher, an extrem heißen Tagen strikt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und kühle Räumlichkeiten zu achten. In Kälteperioden hingegen ist eine angemessene, wärmende Kleidung essenziell, auch wenn die Auswirkungen der Kälte oft erst über eine Woche später in Form von Infekten oder Herz-Kreislauf-Problemen sichtbar werden.

Die Studie aus Italien ist ein wichtiger Weckruf: Umwelteinflüsse spielen in der Pflege eine immer größere Rolle. Wer die Risiken kennt, kann rechtzeitig gegensteuern und so unnötige und belastende Krankenhausaufenthalte vermeiden.

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